Editorial der aktuellen Ausgabe
2. MVF-Fachkongress „Versorgung 2.0“
Unter dem Titel „Versorgung 2.0“ präsentierte der 2. MVF-Fachkongress - erneut in Kooperation mit dem BVA - die künftige Entwicklung von Disease-Management-Programmen hin zu mehr Versorgungsmanagement und stärkerer Berücksichtigung regionaler Gegebenheiten. Und zwar aus der Sicht von Vertretern der Selbstverwaltung, von Patientenorganisationen, Krankenkassen sowie Pharmaherstellern und Serviceanbietern. Einen Bericht über den Kongress finden Sie in diesem Heft, Vorträge als Foliensätze auf der Kongress-Website (http://www.monitor-versorgungsforschung.de/versorgung-2.0) und als Beiträge im kommenden MVF-Special 1/2012, das MVF-Abonnenten zugesandt bekommen.
Titelinterview mit Barbara Steffens, Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen
Am 1. Dezember hat der Bundestag das Versorgungsstrukturgesetz (GKV-VStG) verabschiedet. Trotz heftiger Einwände aus den Ländern mit rot-grüner Regierungsbeteiligung hat auch der Bundesrat das Gesetz passieren lassen und sich auf wenige kritische Anmerkungen beschränkt. Barbara Steffens (Bündnis 90/Die Grünen), Gesundheitsministerin des Landes Nordrhein-Westfalen, begründet die Kritik im Titelinterview. Das Versorgungsstrukturgesetz spiegelt „ein recht altes, traditionelles Hierarchiemodell“ „statt eines Miteinanders in der Verantwortung und eines Miteinanders in der Gestaltung“. In ihrer Kritik geht es unter anderem um die Steuerungsmöglichkeiten der Länder, das Zusammenwirken der Heilberufe und den Zugriff auf wichtige Zahlen und Daten („Es gibt zu viele Zahlen, die uns nicht verfügbar sind.“). „Darum ist Versorgungsforschung ja so wichtig, die wir als einziges Bundesland monetär fördern.“
Fokus Diabetes
Eine ganze Reihe von Beiträgen beschäftigt sich im Diabetes-Schwerpunkt dieser Ausgabe mit der Versorgung von Menschen mit Diabetes. Immer kommt es auf den therapeutischen und medizinischen Nutzen an, den der Patient davon hat. Daraus folgt meist auch ein wirtschaftlicher Nutzen für das Gesundheitssystem.
Wissenschaftliche Beiträge
Hoffmann-Eßer et al. haben eine Recherche evidenzbasierter Leitlinien und ihrer Empfehlungen zu Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2 durchgeführt. Daraus ergibt sich ein Überarbeitungsbedarf für die entsprechenden DMP.
Kostev, Haas und Richter untersuchten retrospektiv das Auftreten einer koronaren Herzkrankheit bei Diabetes-mellitus-Typ-2-Patienten, während der Behandlung in Abhängigkeit von Variablen wie Alter, Geschlecht und Co-Morbiditäten. Dabei stellten sich Alter, Geschlecht und die Höhe des HbA1c-Wertes als zuverlässigste Prädiktoren heraus.
Haustein et al. präsentieren eine Modellrechnung zum möglichen Einsparpotenzial in acht Ländern der Europäischen Union zwischen 2007 und 2020 durch den Einsatz von „Biosimilars“ statt biotechnologisch erzeugter Arzneimitteln („Biologicals“). Die mögliche Einsparung liegt abhängig von der Marktpenetrationsrate, der Markteintrittsgeschwindigkeit sowie dem Preisniveau der Biosimilars zwischen 11,8 Mrd. und 33,4 Mrd. Euro.
Schulze und Glaeske kritisieren, dass laut aktueller Routinedatenanalyse jeder dritte Demenzerkrankte mindestens eine Verordnung eines Neuroleptikums erhält. Denn nationale und internationale Arzneimittelbehörden warnen vor einem erhöhten Risiko zerebrovaskulärer Ereignisse sowie vor einer erhöhten Mortalität von Demenzerkrankten, die Neuroleptika einnehmen.
Ich wünsche Ihnen eine interessante und nützliche Lektüre.
Mit herzlichen Grüßen
Ihr
Professor Dr. Reinhold Roski
(Herausgeber Monitor Versorgungsforschung)

