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„Hochwertige und am Menschen orientierte Gesundheitsversorgung“

07.12.2020 09:00
Die Ruhr-Universität Bochum (RUB) war 1962 die erste Universitätsneugründung in der Bundesrepublik, mit aktuell immerhin zehn Fakultäten, darunter die Medizinische Fakultät, u.a. mit der Abteilung für Allgemeinmedizin. Die Anfänge der RUB-Allgemeinmedizin reichen mehr als 25 Jahre zurück. Was zunächst als kleiner Lehrbereich begann, wurde im Laufe der Jahre zu einer eigenständigen Abteilung, die zunehmend auch Projekte in der Versorgungsforschung realisiert. Mit der Neubesetzung des Lehrstuhls durch Univ.-Prof. Dr. med. Horst Christian Vollmar wurde im Jahr 2018 die Forschung neu aufgestellt und strategisch auf vier Herausforderungen fokussiert.

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>> Gleichzeitig mit der Fokussierung auf  vier Herausforderungen (Grafik) wurde aber auch – so Vollmar – „behutsam“ die Lehre modernisiert und zudem der Lehrstuhl auf die neue Approbationsordnung vorbereitet, die mehr Wahlmöglichkeiten als früher zulassen wird. So ist unter anderem ein longitudinaler Track „Versorgungsforschung“ geplant, der durch die Einrichtung von zwei Juniorprofessuren – einerseits für Versorgungsforschung, andererseits für Digitalisierung im Gesundheitswesen – ergänzt wird. Auf die Stelle der Juniorprofessorin für Versorgungsforschung wurde zum 1. Januar 2020 Dr. Ina Otte berufen, das Verfahren für die zweite Junior-Professor zur Digitalisierung im Gesundheitswesen läuft und wird hoffentlich ebenfalls zügig besetzt werden können.
Seit dem Neustart der RUB-Abteilung für Allgemeinmedizin im April 2018 konnten das Personal von 6 Personen auf nunmehr 24 Mitarbeiter* vervierfacht werden – in hohem Maße durch Drittmittel finanziert. „Dabei sind wir an mehreren großen Verbundprojekten beteiligt, wie z.B. dem vom BMBF-geförderten HAFO.NRW, in dem die universitären Einrichtungen der Allgemeinmedizin ein NRW-weites Forschungs-praxennetz für versorgungsnahe Studien aufbauen“, erklärt Vollmar dazu. Auch über die Vernetzungen innerhalb der RUB sowie zur Hochschule für Gesundheit (hsg) und den Gesundheitscampus NRW in den Bereichen Versorgungsforschung und Digitalisierung sei er sehr froh. Als Sprecher der AG Digital Health im Deutschen Netzwerk für Versorgungsforschung (DNVF) habe es ihn zudem außerordentlich gefreut, dass im letzten Jahr ein Memorandum zu Gesundheits- und Medizin-Apps veröffentlicht werden konnte. Die Mischung macht’s, meint Vollmar: „Wir sind ein junges, multidisziplinäres Team, bereichert durch alte Hasen“. Dabei stelle die Förderung der Mitarbeiter sowie ein „respektvoller und wertschätzender Umgang miteinander wichtige Eckpunkte unseres Handelns“ dar.
Obwohl man, wie Vollmar sagt, „Zukunft nicht vorhersagen, aber antizipieren und im besten Falle (mit-)gestalten“ kann, will er genau dies mit vielen engagierten Kollegen tun, um ein Stück weit dabei mitzuhelfen, „eine hochwertige und am Menschen orientierte Gesundheitsversorgung“ zu gestalten. Vollmar: „Eine forschende Allgemeinmedizin und evidenzbasierte Versorgungsforschung können hierzu entscheidende Impulse liefern.“
Mit Versorgungsforschung kam er schon früh in Kontakt. Nach seiner Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin und dem Erwerb diverser Zusatzbezeichnungen (u.a. Medizinische Informatik) hatte er ab 2001 seine erste wissenschaftliche Stelle an der Universität Witten/Herdecke (UWH). Dort entwickelte er in einem Team evidenzbasierte Leitlinien und interaktive Fortbildungsmodule für das Internet. Auch war er 2006 bei der Gründung des Interdisziplinären Zentrums für Versorgungsforschung (IZVF) an der UWH mit dabei. Jedoch gab es damals bundesweit noch gar keinen (Aufbau-)Studiengang zur Versorgungsforschung, sodass sich Vollmar  entschied, berufsbegleitend Public Health zu studieren, um eine bessere Systemperspektive und das notwendige methodische Rüstzeug zu bekommen.
Dies konnte er in der W2-Professur für Versorgungsforschung am Universitätsklinikum Jena, wo er auch die kommissarische Leitung des dortigen Instituts für Allgemeinmedizin inne hatte, weiter vertiefen. Der Ruf auf die W3-Professur für Allgemeinmedizin an der Ruhr-Universität Bochum (RUB) führte ihn dann im April 2018 nach Bochum. „Ich habe mich gefreut, wieder in meiner alten Heimat – der Metropolregion Ruhr – tätig zu werden“, sagt Vollmar dazu.
In der Grafik wird sichtbar, dass Vollmar für sein Team und sich vier Herausforderungen identifiziert hat, denen er sich in den nächsten Jahren intensiv widmen wird:
1) Die Nachwuchsgewinnung, also die Ausbildung von Studierenden in der Humanmedizin, ist und bleibt das „Kerngeschäft“. Zukünftig will die Abteilung jedoch neben dem Kernfach „Allgemeinmedizin“ auch mit Tracks wie „Versorgungsforschung“ oder „Hausarzt“ bei den Studierenden punkten. Zur Nachwuchsgewinnung zählt auch das Engagement in der Weiterbildung, wie beim Kompetenzzentrum Weiterbildung Allgemeinmedizin Westfalen-Lippe (KWWL). Vollmar: „Wir tragen hier dem Wunsch von Politik und Gesellschaft Rechnung, mehr Hausärzte auszubilden.“    
2) Da in einer älter werdenden Bevölkerung chronische Erkrankungen eine immer wichtigere Rolle spielen, soll sich das Feld „Alter & Demenz“ intensiv mit Menschen mit demenziellen Erkrankungen oder in der Palliativversorgung beschäftigen.
3) Wie Wissen in die Versorgungspraxis gelangen kann, ist eine Kernfrage der Implementierungsforschung. Dabei treibt Vollmar und sein Team die Frage um, wie aus den Herausforderungen in der Versorgung neue Forschungsfragen und letztlich neues Wissen generiert werden können (Wissenszirkulation).

4) Es besteht weitgehend Einigkeit, dass die Covid-19-Pandemie der Digitalisierung einen enormen Schub gegeben hat. Auch schon vorher war sie ein wichtiges Thema im Gesundheitswesen. Darum möchte Vollmar gerade in diesem Forschungsbereich Evidenz genieren und zu einer Versachlichung der Debatte beitragen. Auch habe der Hacker-Angriff auf die RUB im Mai 2020 die Bedeutung einer stabilen digitalen Infrastruktur vor Augen geführt. <<

 

Dr. rer. medic. Nino Chikhradze, wissenschaftliche Mitarbeiterin, PostDoc


>> Warum arbeiten Sie an der Abteilung für Allgemeinmedizin an der Ruhr-Universität Bochum?
Als Pflegewissenschaftlerin ist es für mich besonders interessant, an der Abteilung für Allgemeinmedizin in der Versorgungsforschung tätig zu sein, da die wohnortnahe Gesundheitsversorgung bzw. Grundversorgung der Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen für mich eine wichtige Voraussetzung für meine wissenschaftliche Arbeit ist.
Was zeichnet in Ihren Augen die Abteilung aus?
Interprofessionalität wird in unserer Abteilung sehr geschätzt.  Dies gibt mir als Forscherin die Möglichkeit, die allgemeinmedizinische Versorgung aus den unterschiedlichen Perspektiven (Hausärzte, andere niedergelassene Ärzte, klinische Ärzte, Patienten und deren Angehörige sowie unterschiedliche Berufsgruppen, die in der Versorgung mitwirken) zu betrachten und so die Landschaft der Versorgungsleistungen auf aktueller wissenschaftlicher Basis abzubilden.

Mit welchen Thematiken und Fragestellungen sind Sie derzeit beschäftigt?
Zurzeit bin ich in drei Projekten der Versorgungsforschung tätig. Mein erstes Projekt beschäftigt sich mit der Erforschung der Versorgung von Patienten* mit Brustschmerzen sowie der gemeinsamen Entwicklung eines eigenen, standortspezifischen Behandlungspfades bei chronischer KHK und dessen Implementierung; das zweite Projekt untersucht die hausärztliche Perspektive zur Versorgung von Flüchtlingsfamilien mit psychisch belasteten Eltern; im letzten Projekt führe ich die Prozessevaluation einer randomisiert-kontrollierten Studie zum Einsatz von Care Managern, die den Übergang von kognitiv beeinträchtigten Menschen vom Krankenhaus in die Häuslichkeit begleiten sollen, durch. Dabei werden die Interventionseffekte ebenso erfasst, wie fördernde und hemmende Faktoren einer nachhaltigen Implementierung.

Was möchten Sie ganz persönlich mit Versorgungsforschung erreichen?
Ich würde gerne zur Wissenszirkulation zwischen Wissenschaft und Praxis beitragen, damit die evidenzbasierte Versorgung von Patienten sowie deren Angehörigen gefördert wird. <<

 

Juniorprofessorin Dr. sc. med. Ina Otte, Leiterin der Arbeitsgruppe Versorgungsforschung


>> Warum studieren/arbeiten/lehren Sie an der Abteilung für Allgemeinmedizin?
Anfang dieses Jahres wurde ich zur Juniorprofessorin für Versorgungsforschung an die Abteilung für Allgemeinmedizin berufen. Ich schätze vor allem sehr das kollegiale Miteinander in unserem stark interdisziplinär ausgerichteten Team, die weitgefächerte Expertise sowie die Aufgeschlossenheit und den Weitblick auch neue Forschungsthemen anzugehen und dabei stets auf die Erfahrung der Kollegen vertrauen zu können. Inspirierend finde ich auch das gemeinschaftliche Streben nach einer gemeinsamen Vision, wie nicht nur die eigene Forschung, sondern auch die gemeinsame Lehre und Nachwuchsarbeit qualitativ hochwertig gestaltet werden kann.

Was zeichnet in Ihren Augen die Fakultät aus?
Als besonders vorteilhaft empfinde ich die direkte Lage der Fakultät auf dem Campus. Durch die Nähe zu den anderen Fakultäten eröffnen sich immer wieder spannende Möglichkeiten zur Vernetzung und Zusammenarbeit. So wurde auch das von uns initiierte „Treffen der Versorgungsforscher“ von vielen Kollegen aus unterschiedlichen Disziplinen und praktischen Kontexten wahrgenommen und es entstanden spannende Ideen für gemeinsame Projekte.

Mit welchen Thematiken und Fragestellungen sind Sie derzeit beschäftigt?
Momentan forsche ich zu zwei Hauptthemen: einerseits zu Fragestellungen im Kontext des gesunden Alterns und andererseits zur Digitalisierung im Gesundheitswesen. Hier freue ich mich bereits jetzt auf die Zusammenarbeit mit der zweiten, noch zu berufenden Juniorprofessur. Beide Themen sind aus meiner Sicht wichtige Forschungsthemen, da einerseits nur durch (digitalen) Fortschritt die Aktualität im Gesundheitswesen sichergestellt werden kann. Andererseits beobachten wir eine stetige Zunahme von hochbetagten Menschen, häufig mit komplexen Versorgungsansprüchen.

Was möchten Sie ganz persönlich mit Versorgungsforschung erreichen?
Mit meiner Forschung möchte ich dazu beitragen, die ambulanten Versorgungsbedingungen insbesondere hochbetagter und multimorbider Patienten zu optimieren. Eine hochwertige Versorgung dieser Zielgruppe, die es zugleich erlaubt, dass Patienten möglichst lange und gut in ihren eigenen vier Wänden leben können, liegt mir sehr am Herzen. Dazu versuche ich partizipative Ansätze in meiner Forschung zu berücksichtigen, so dass auch pflegende Angehörige und alle an der Versorgung beteiligten Professionen von den Ergebnissen profitieren können. <<

Ausgabe 06 / 2020

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