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Den Menschen im Fokus

04.06.2018 14:00
Psychosoziale Medizin und das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, das im kommenden Jahr seinen 130. Geburtstag begehen kann, lassen sich nicht trennen: Bereits 1970 wurden erstmalig die psychosozialen Fächer in die Approbationsordnung für Ärzte eingeführt, psychosomatische Zusammenhänge diskutiert und damit der rein medizinische Krankheitsbegriff in Frage gestellt. Aus diesen langjährigen Erfahrungen entstand die bis heute erfolgreich arbeitende Poliklinik des UKE – mit einem besonderen Schwerpunkt in der Begleitung und Behandlung von schwer und chronisch Kranken und ihren Angehörigen auf der einen Seite, die Rehabilitations- und Versorgungsforschung auf der anderen, bereits 1993 mit der Berufung von Uwe Koch-Gromus als Direktor etabliert. 2002 änderte die Abteilung ihren Namen in „Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie“, das seit 2008 von Prof. Dr. med. Dr. phil. Dipl.-Psych. Martin Härter geleitet wird.

>> Martin Härter beschäftigt sich seit den 80er Jahren, dem Anfang seiner wissenschaftlichen Karriere an der Universität in Freiburg, mit Fragen einer besseren Versorgung von Menschen mit chronischen somatischen oder psychischen Erkrankungen. Begonnen hat seine Arbeit 1985 mit einem bundesweiten Evaluationsprojekt zur psychosozialen Versorgung in der pädiatrischen Hämatologie und Onkologie. Das kann durchaus als frühes Beispiel der Translationsforschung eingeordnet werden: Diese Studie hat damals dazu geführt, dass in der Folge bundesweit an den Spezialzentren entsprechend einem von Uwe Koch, Martin Härter und dem damaligen Team berechneten Personalschlüssel psychosoziale Mitarbeiter eingestellt worden sind. Seither beschäftigt er sich mit Versorgungsforschung, wobei sie damals anders hieß, man sprach zu der Zeit noch von Evaluationsforschung.
Nach über 20 Jahren wissenschaftlicher Arbeit an der Universität bzw. später der Universitätsklinik in Freiburg – zuletzt von 2004 an als Sektionsleiter für Klinische Epidemiologie und Versorgungsforschung an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie – folgte er 2008 dem Ruf auf den Lehrstuhl für Medizinische Psychologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Anders als bei anderen Versorgungsforschungsnahen Lehrstühlen war
hier jedoch keine Aufbauarbeit von Null an gefragt: In Hamburg war bereits unter der Ägide seiner beiden Vorgänger – Margit von Kerekjarto (1975 erhielt sie den Ruf auf die Professur für Medizinische Psychologie, die sie bis zu ihrer Emeritierung 1990 inne hatte) und Uwe Koch-Gromus (1993 auf diesen Lehrstuhl berufen, 2007 trat er das Amt des Dekans des UKE an) – Pionierarbeit geleistet und ein gut organisiertes wissenschaftliches Zentrum für Versorgungsforschung etabliert worden.
Seit 2008 hat sich dieses Zentrum durch Härters maßgebliche Mitwirkung zum bekannten Center for Health Care Research (CHCR) und dem Hamburger Netzwerk für Versorgungsforschung (HAM-NET) weiterentwickelt. Das Themenspektrum erweiterte sich um Forschungsprogramme zur Patientenbeteiligung in der Medizin und um epidemiologische Studien zu psychosozialen Belastungen bei körperlichen Krankheiten.
Zudem übernahm Martin Härter von 2009 bis 2017 die Sprecherfunktion im UKE-Forschungsschwerpunkt „Versorgungs-
forschung“ und 2011 die Sprecherfunktion
des großen Verbundprojekts „psychenet“,
gefördert durch das Bundesministerium
für Bildung und Forschung (BMBF). Das
Hamburger Netz psychische Gesundheit (www. psychenet.de) hat zu einer Stärkung der psychosozialen Versorgungsforschung beigetragen und die Kooperationsbeziehungen zu zahlreichen Akteuren in Wissenschaft, Klinik, ambulanter Versorgung, Leistungsträger, Gesundheitspolitik und Betroffenenverbände gestärkt. Es war und ist ein Kristallisationspunkt für weitere Erfolge der Hamburger Region, u.a. im Innovationsfonds und der BMBF-Strukturförderung zur Versorgungsforschung.
Härter ist dabei alles andere als alleine. 140 Mitarbeiter und drei weitere Professoren stehen ihm bei der Arbeit zur Seite. Nach Berufung von zahlreichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen des Institutes auf Lehrstühle und Professuren in Deutschland, Österreich und der Schweiz leitet Prof. Dr. phil. Dipl.-Psych. Monika Bullinger als Stellvertretende Institutsdirektorin die Arbeitsgruppe Lebensqualitätsforschung; Prof. Dr. phil. Dipl.-Psych. Corinna Bergelt die Forschungsgruppe Psychoonkologie. Zudem wurde Dr. Holger Schulz auf den Stiftungslehrstuhl für Versorgungsforschung bei psychischen und onkologischen Erkrankungen berufen. Noch in diesem Jahr wird die Einrichtung einer weiteren Stiftungsprofessur für Versorgungsforschung bei seltenen Erkrankungen im Kindesalter – auf fünf Jahre durch die „Kindness for Kids Stiftung“ gefördert – erfolgen.
Die Verschränkung von Forschung, Klinik und Lehre ist ein besonders wichtiges Merkmal des Instituts. Die Forschungs- und Arbeitsschwerpunkte liegen in den Bereichen Versorgungsforschung bei psychischen und chronischen körperlichen Erkrankungen, somatopsychische Wechselwirkungen, Patientenorientierung, Prävention und Rehabilitation sowie Psychoonkologie. Darüber hinaus ist die wissenschaftliche Umgebung mit zahlreichen versorgungswissenschaftlichen Nachbarinstituten, der weit gespannten Universitätsklinik und der Verbindung im Center for Health Care Research (CHCR) besonders wichtig für die Arbeit im Institut. Das CHCR bündelt in Hamburg zahlreiche im Bereich der Versorgungsforschung erfolgreiche Institutionen, die relevante Themen und Methodenbereiche einer international konkurrenzfähigen Versorgungsforschung kompetent abdecken.
Martin Härter hat noch weitere wichtige Funktionen inne: Bereits 2008 erfolgte die Berufung als Experte in den Nationalen Krebsplan der Bundesregierung zur Stärkung der Patientenorientierung. Seit 2014 ist er Mitglied des wissenschaftlichen Beirats beim Bundesverband Managed Care (BMC e.V.). Von 2005-2016 war er Koordinator der S3- bzw. der Nationalen Versorgungs-Leitlinie „Unipolare Depression“. Seit 2016 steuert er zudem als wissenschaftlicher Leiter die Aktivitäten des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin (ÄZQ) im Hinblick auf die Erstellung Nationaler Versorgungs-Leitlinien und ihrer Begleitprodukte.
Was treibt Härter – Psychologe und Arzt – in einer Person an? Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Er versucht dazu beizutragen, dass sich die handelnden Personen im Gesundheitswesen stärker an den Menschen orientieren, die sie betreuen. Dies bedeutet, dass individuelle Präferenzen und Bedürfnisse von Patienten und ihren Angehörigen stärker berücksichtigt werden und sich die Versorgung stärker an aktuellen evidenzbasierten Leitlinien ausrichtet.
Darüber hinaus erprobt er seit vielen Jahren innovative Versorgungsansätze mit einem Schwerpunkt bei psychischen und schweren körperlichen Erkrankungen, die auf der Basis von kooperativen und sektorübergreifenden Modellen mit e-Health-Unterstützung eine Verbesserung für Patienten und die Behandler erwirken sollen. Sein persönliches Ziel dabei ist, das möglichst alle diese Ansätze konsequent in der Versorgung, aber auch in die Ausbildung von Studierenden und der Weiter- und Fortbildung integriert und gelehrt werden.
Darum wird am Institut und an der Poliklinik für Medizinische Psychologie nicht einfach nur Versorgungsforschung betrieben, sondern möglichst aus der täglichen Arbeit heraus entwickelt. Aus der psychologischen und psychosozialen Betreuung von schwer chronisch körperlich Kranken ergibt sich ständig ein ganz natürlicher Bezug zur Versorgungsforschung, weil mit jedem einzelnen Patienten Fragestellungen entstehen. Dies erfolgt aus der Versorgung von Krebspatienten heraus, aus dem ebenfalls geleisteten Konsiliar- und Liaisiondienst oder der Versorgung von Transplantationspatienten. Härter: „Wir haben ein traditionell gewachsenes, inzwischen sehr großes Forschungsinstitut, das sich seit Beginn an mit verschiedenen Fragestellungen beschäftigt hat, auch wenn früher viele unserer Fragestellungen nicht unter dem Label Versorgungsforschung, sondern unter Reha-, Präventions- oder eben auch Evaluationsforschung zusammengefasst waren.“ Wobei die Studien natürlich auch publiziert wurden – immerhin so um die 130 pro Jahr! Und auch in Zukunft noch werden: Mehr als 100 Promovierende am CHCR des UKE befassen sich derzeit mit versorgungswissenschaftlichen Studien. <<
von: MVF-Chefredakteur Peter Stegmaier

Ausgabe 04 / 2018

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