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Tools zur Förderung der organisationalen Gesundheitskompetenz in Krankenhaus, Pflege und Eingliederungshilfe: eine systematische Übersicht

28.01.2022 10:20
Die andauernde Corona-Pandemie führt uns täglich vor Augen, wie wichtig aktuelle und valide Informationen zur Wiederherstellung, Erhaltung und Förderung der Gesundheit sind. Wie leicht oder schwierig der Zugang zu gesundheitsrelevanten Informationen und Materialien ist, wird durch die Lebenswelten, in denen wir leben und arbeiten – und damit der sog. organisationalen Gesundheitskompetenz – maßgeblich bestimmt (Ernstmann et al. 2020; Schaeffer et al. 2018). Neben der individuellen Fähigkeit im Umgang mit gesundheitsrelevanten Informationen stehen gerade Organisationen bzw. Einrichtungen in der Verantwortung, die Beschaffung und den Umgang mit Gesundheitsinformationen der Nutzenden (d. h. Patient:innen, Bewohner:innen, Klient:innen und Angehörige) zu unterstützen (Ernstmann et al. 2020; Schaeffer et al. 2018). So erschwert bspw. die Verwendung von Fremdwörtern in gesundheitsbezogenen Informationen das Verständnis, während Texte in leichter Sprache auch für Menschen mit einem niedrigen Bildungshintergrund oder kognitiven Beeinträchtigungen verständlicher sind (Pelikan/Dietscher 2015). Gerade das Leitungs- und Fachpersonal spielt bei der Bereitstellung und im Umgang mit gesundheitsbezogenen Informationen eine wichtige Rolle für die Nutzenden und deren Gesundheitskompetenz (DeGani et al. 2020). ckende akute Erkrankungen wie Schlaganfall und Myokardinfarkt seltener dokumentiert. Die Verhaltensänderung, die sich aus der Umsetzung strenger Hygieneregeln ergab, könnte auch zu einem „echten“ Rückgang der Raten von Nicht-Covid-19-Infektionskrankheiten geführt haben (5,6). Mit anderen Worten: Die Maßnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie könnten auch die Ausbreitung anderer Keime beeinflusst haben, die Atemwegsinfektionen (AI) und gastrointestinale Infektionen (GI) verursachen. Aus diesem Grund wollten die Autoren in der vorliegenden Studie die Häufigkeit dieser AI und GI während der Covid-19-Pandemie anhand von Daten aus einer großen Datenbank untersuchen, in die anonymisierte Behandlungsinformationen von Haus- sowie von Kinder- und Jugendärzten in Deutschland einfließen.

http://doi.org/10.24945/MVF.01.22.1866-0533.2376

PDF und erweiterte Literatur

Abstract

Einrichtungen der (Gesundheits-)Versorgung sehen sich zunehmend mit der Forderung nach der Gestaltung einer gesundheitskompetenten Organisation konfrontiert. Für die Stärkung dieser sog. organisationalen Gesundheitskompetenz liegen bereits Tools für das Krankenhaus vor, nicht jedoch für andere Versorgungsbereiche (d. h. Pflege und Eingliederungshilfe). Ziel ist es, vorhandene Tools zur Stärkung der organisationalen Gesundheitskompetenz für diese Einrichtungsarten zu systematisieren und differenziert nach Ebene (d. h. Einrichtung, Fachpersonal und Klient:innen) darzustellen. Für das Krankenhaus, Rehabilitationseinrichtungen und die Pflege wurden dafür n=5 Handreichungen gesichtet. Für Einrichtungen der Eingliederungshilfe diente eine systematische Datenbankrecherche (n=1.130 Treffer) und eine Handrecherche (n=51 Treffer) als Grundlage. Für das Krankenhaus, Rehabilitationseinrichtungen und die Pflege wurden n=54 Tools mit Schwerpunkt auf der Einrichtungsebene ermittelt. Bei Einrichtungen der Eingliederungshilfe waren es n=35 Tools, die hauptsächlich die „Gesundheitskompetenz der Nutzenden“ adressieren. Insgesamt stellen eine unterstützende Leitung, die Priorisierung der Gesundheitskompetenz auf allen Ebenen der Einrichtung und die zielgruppenadäquate und bedarfsbezogene Bereitstellung von Materialien und Maßnahmen eine wichtige Voraussetzung zur Förderung der Gesundheitskompetenz dar.

Tools to promote organizational health literacy in hospitals, facilities of health care and people with disabilities: a systematic overview

Healthcare facilities are increasingly faced with the demand to establish a health literate organization. Tools for strengthening organizational health literacy are already available for hospitals and rehabilitation facilities, but not for other care institutions (i.e., nursing and facilities for people with disabilities). The aim is to systematize existing tools for strengthening organizational health literacy for these types of facilities and to describe them according to their level of application (i.e., facility, professional staff and clients). For hospitals, rehabilitation facilities and nursing care, N=5 manuals were reviewed. A systematic database search (N=1,130 hits) and a hand search (N=51 hits) served as a basis for facilities for people with disabilities. For hospitals, rehabilitation facilities, and nursing facilities, n=54 tools were identified, primarily on the facility level. For facilities for people with disabilities, n=35 tools could be identified that primarily address the „health literacy of clients and users.“ Overall, supportive leadership, prioritization of health literacy at all levels of the facility, and provision of materials and interventions appropriate to the target group and in line with needs are important prerequisites for promoting health literacy.

Keywords
organizational health literacy, health care, hospital, facilities for people with disabilities, care, tools, intervention, disability/special needs

Prof. Dr. phil. Katharina Rathmann / Judith Lutz MSc PH / Lena Salewski MSc PH / Prof. Dr. phil. Kevin Dadaczynski / Mag. Denis Spatzier

Literatur
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DeStatis    (2020): Personal in Pflegeheimen und ambulanten Pflegediensten. In: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft- Umwelt/Gesundheit/Pflege/Tabellen/personal-pflegeeinrichtungen.html (abgerufen am 23.02.2021).
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Zitationshinweis: Rathmann et al.: „Tools zur Förderung der organisationalen Gesundheitskompetenz in Krankenhaus, Pflege und Eingliederungshilfe: eine systematische Übersicht“, in: „Monitor Versorgungsforschung“ (01/22), S. 67-71. http://doi.org/10.24945/MVF.01.22.1866-0533.2376

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Tools zur Förderung der organisationalen Gesundheitskompetenz in Krankenhaus, Pflege und Eingliederungshilfe: eine systematische Übersicht

Die andauernde Corona-Pandemie führt uns täglich vor Augen, wie wichtig aktuelle und valide Informationen zur Wiederherstellung, Erhaltung und Förderung der Gesundheit sind. Wie leicht oder schwierig der Zugang zu gesundheitsrelevanten Informationen und Materialien ist, wird durch die Lebenswelten, in denen wir leben und arbeiten – und damit der sog. organisationalen Gesundheitskompetenz – maßgeblich bestimmt (Ernstmann et al. 2020; Schaeffer et al. 2018). Neben der individuellen Fähigkeit im Umgang mit gesundheitsrelevanten Informationen stehen gerade Organisationen bzw. Einrichtungen in der Verantwortung, die Beschaffung und den Umgang mit Gesundheitsinformationen der Nutzenden (d. h. Patient:innen, Bewohner:innen, Klient:innen und Angehörige) zu unterstützen (Ernstmann et al. 2020; Schaeffer et al. 2018). So erschwert bspw. die Verwendung von Fremdwörtern in gesundheitsbezogenen Informationen das Verständnis, während Texte in leichter Sprache auch für Menschen mit einem niedrigen Bildungshintergrund oder kognitiven Beeinträchtigungen verständlicher sind (Pelikan/Dietscher 2015). Gerade das Leitungs- und Fachpersonal spielt bei der Bereitstellung und im Umgang mit gesundheitsbezogenen Informationen eine wichtige Rolle für die Nutzenden und deren Gesundheitskompetenz (DeGani et al. 2020).

>> Insgesamt sind Einrichtungen der (Gesundheits-)Versorgung (d. h. Krankenhaus, Rehabilitationseinrichtungen, Einrichtungen der Pflege und Eingliederungshilfe) zunehmend dazu aufgefordert, ihre Strukturen so zu gestalten und das Fachpersonal so zu schulen, dass sie es ihren Nutzenden erleichtern, sich gesundheitskompetent zu verhalten (Ernstmann et al. 2018). Dieser Ansatz ist als Konzept der organisationalen Gesundheitskompetenz bekannt, das unterschiedliche Standards bzw. Handlungsfelder adressiert. Inzwischen liegen unterschiedliche Standards (Handlungsfelder) der organisationalen Gesundheitskompetenz vor. Brach et al. (2012) beschreiben z. B. zehn Handlungsfelder einer gesundheitskompetenten Einrichtung (z. B. die Berücksichtigung der Gesundheitskompetenz in Maßnahmen des Qualitätsmanagements, die Entwicklung von Informationsmaterialien unter Einbezug der Nutzenden oder die Navigation bzw. Orientierung innerhalb und zur Einrichtung). Das „Selbstbewertungs-Instrument zum Wiener Konzept Gesundheitskompetenter Krankenbehandlungsorganisationen (WKGKKO-I)“ baut darauf auf und umfasst neun Handlungsfelder (Dietscher/Pelikan 2016). Die Weiterentwicklung des SAT-OHL-Hos-v1.0 (International Self-Assessment Tool for Organizational Health Literacy Version 1, dt. internationales Selbstbewertungsinstrument für Gesundheitskompetente Krankenhäuser) umfasst acht Handlungsfelder (Abb. 1) für eine gesundheitskompetente Einrichtung (Working Group HPH & HLO 2019).
Die aktuelle Gesetzeslage stärkt die Förderung der organisationalen Gesundheitskompetenz in Einrichtungen der (Gesundheits-)Versorgung. Das Präventionsgesetz (Sozialgesetzbuch (SGB) V §20a) zielt auf die Förderung der Prävention und Gesundheitsförderung, Früherkennung von Krankheiten und Verhältnisprävention in Lebenswelten wie dem Krankenhaus und Einrichtungen der Rehabilitation, Pflege und Eingliederungshilfe ab. Die Pflegestärkungsgesetze I-III haben zum Ziel, die Situation von Pflegebedürftigen, Angehörigen und Fachpersonal zu verbessern. Das Pflegepersonalstärkungsgesetz (PpSG) adressiert zudem die Verbesserung der Arbeitsbedingungen des Fachpersonals (Willenbrock 2018). Für Menschen mit Behinderung stellt das Bundesteilhabegesetz (BTHG, SGB IX) die Grundlage für eine nutzerorientierte, barrierefreie und leicht zugängliche Eingliederungshilfe in Deutschland dar. Nicht zuletzt gibt der Nationale Aktionsplan Gesundheitskompetenz den Handlungsrahmen vor, der neben der individuellen Gesundheitskompetenz insbesondere zur Förderung der organisationalen Gesundheitskompetenz in Deutschland aufruft (Schaeffer et al. 2018).
Neben den gesetzlichen Rahmenbedingungen, tragen die Größe
der Berufsgruppe von (pflegendem) Personal in Krankenhäusern (1.251.662; Stand 31.12.2020; (DeStatis 2020a)) und Einrichtungen der Pflege und Eingliederungshilfe (796.489; Stand 31.12.2019; (DeStatis 2020b) sowie die gleichzeitig hohe gesundheitliche Beanspruchung des Versorgungspersonals (Ehegartner et al. 2020) zur Relevanz der Stärkung der organisationalen Gesundheitskompetenz in Einrichtungen der Gesundheitsversorgung und Eingliederungshilfe bei. Es wird deutlich, dass Einrichtungen der Gesundheitsversorgung dazu aufgefordert sind, ihre Organisation entsprechend den Handlungsfeldern der organisationalen Gesundheitskompetenz auf allen Ebenen so auszurichten, dass sie die Gesundheitskompetenz aller  Nutzenden adressieren und langfristig stärken. Durch eine hohe  organisationale  Gesundheitskompetenz können z. B. der Zugang zur und die Orientierung innerhalb der Einrichtung vereinfacht und negative Folgen durch Schwierigkeiten im Umgang mit Gesundheitsinformationen (z. B. höhere Kosten für das Gesundheitssystem durch Begleit- und Folgeerkrankungen) reduziert werden (Schaeffer et al. 2018).
Während im internationalen Raum, insbesondere in Österreich, zahlreiche Anstrengungen zur Gestaltung von gesundheitskompetenten Krankenhäusern unternommen wurden, befinden sich entsprechende Initiativen in Deutschland noch in den Anfängen.
Das Projekt „Qualitätsorientierte Prävention und Gesundheitsförderung in Einrichtungen der Eingliederungshilfe und Pflege (QualiPEP)“ des AOK Bundesverbands zielt z. B. darauf ab, einen Qualitätsrahmen für Maßnahmen der Prävention und Gesundheitsförderung in Einrichtungen der Pflege und Eingliederungshilfe (im Bereich Wohnen) zu entwickeln, zu pilotieren und umzusetzen (Tempelmann et al. 2020).
Das Projekt „Entwicklung der Gesundheitskompetenz in Einrichtungen der Gesundheitsversorgung (EwiKo)“ – ein Kooperationsprojekt der AOK PLUS und der Hochschule Fulda – setzt hier an, mit dem Ziel, Strukturen und Prozesse zur Stärkung der Gesundheitskompetenz in Einrichtungen der Gesundheitsversorgung (d. h. Krankenhäuser, Einrichtungen der Pflege und Eingliederungshilfe) pilothaft in Sachsen und Thüringen aufzubauen. Erweiternd zum Projekt QualiPEP, bei dem ein Qualitätsrahmen für Maßnahmen der Prävention, (betrieblichen) Gesundheitsförderung und Gesundheitskompetenz in Einrichtungen der Eingliederungshilfe und Pflege entwickelt und erprobt wurde (Tempelmann et al. 2020), werden im Projekt EwiKo konkrete Maßnahmen umgesetzt, die die Einrichtungen der Gesundheitsversorgung zur Förderung ihrer Gesundheitskompetenz anwenden können. Dafür sind Tools erforderlich, die auf die Bedarfe und Bedürfnisse der Einrichtungsarten angepasst sind. Unter einem Tool werden Maßnahmen verstanden, das die Stärkung der Gesundheitskompetenz adressiert und Anleitungen, Informationsmaterialien sowie Checklisten zur Stärkung der Gesundheitskompetenz bereitstellt. Das Projekt EwiKo adressiert neben teil- und vollstationären Einrichtungen der Pflege und Eingliederungshilfe auch Krankenhäuser und Werkstätten für Menschen mit Behinderung.
Um die einzelnen Standards der organisationalen Gesundheitskompetenz in Einrichtungen der (Gesundheits-)Versorgung langfristig entwickeln und stärken zu können, wurden Tools zur Umsetzung der organisationalen Gesundheitskompetenz systematisch recherchiert, gesichtet und nach den acht Handlungsfeldern der organisationalen Gesundheitskompetenz sowie den Anwendungsebenen (d. h. Einrichtung, Fachpersonal und Nutzende) differenziert. Ziel des Beitrags ist es, die Ergebnisse dieser Recherche und ausgewählte Tools zur Stärkung der Gesundheitskompetenz darzustellen.
Durchführung der systematischen
Literaturrecherche
Mittels Handrecherche wurden Tools zur Stärkung der Gesundheitskompetenz aus bekannten englisch- und deutschsprachigen Handreichungen (Kolpatzik 2019; Kraus-Füreder et al. 2020; Rudd/Anderson 2006; Schmidt-Kaehler et al. 2017) und einem Review zum Thema Gesundheitskompetenz (Zanobini et al. 2020) gesichtet und systematisiert. Von n=254 Arbeiten aus der Handrecherche von Übersichtsarbeiten verblieben nach Entfernung der Duplikate, Titel-, Abstract- und Volltextscreening n=54 Arbeiten. Da sich diese hauptsächlich auf den Bereich Krankenhaus und ansatzweise auf die stationäre Pflege konzentrieren, wurde weiterhin eine systematische Literaturrecherche für den Bereich Eingliederungshilfe durchgeführt. Diese erfolgte in den Datenbanken PubMed, Embase, CINAHL und PsycINFO (Zeitraum 2010 bis Mai 2020). Die Recherche ergab n=1.130 Treffer. Auch hier erfolgte ein Titel- und Abstract-Screening nach vorab definierten Ein- und Ausschlusskriterien. Eingeschlossen wurden Tools, die
a) die Förderung der Gesundheitskompetenz adressieren, sich
b) auf die Zielgruppen Mitarbeitende und Nutzende (d. h. Pa-tient:innen und Angehörige) von Einrichtungen der Gesundheitsversorgung beziehen, und
c) mindestens zu einem der acht Standards (SAT-OHL-Hos-v1.0) der organisationalen Gesundheitskompetenz zuzuordnen sind.

Folgende Ausschlusskriterien wurden definiert: Reine Informations-Websites, Verfügbarkeit nicht in deutscher oder englischer Sprache, Zielgruppen im Alter <18 Jahren und wenn die Volltexte auch auf Anfrage nicht zugänglich waren. Insgesamt erfüllten n=35 Treffer diese Kriterien für die Eingliederungshilfe.

Treffer der Literaturrecherche und Differenzierung der Tools zur Stärkung der organisationalen Gesundheitskompetenz nach Standards und Ebene
Die Treffer der Handrecherche zur Ermittlung der Tools für Einrichtungen der Gesundheitsversorgung (n=54) und die Treffer der systematischen Datenbankrecherche zur Ermittlung der Tools für Einrichtungen der Eingliederungshilfe (n=35) wurden den acht Standards der organisationalen Gesundheitskompetenz zugeordnet und nach den Ebenen (d. h. Einrichtung, Mitarbeitende, Nutzende) differenziert. Tabelle 1 stellt die exemplarische Auswahl der systematisierten Tools, differenziert nach den acht Standards der organisationalen Gesundheitskompetenz und nach Ebene dar.
Für Einrichtungen der Gesundheitsversorgung (Krankenhaus und Pflege) konnten im Vergleich zur Eingliederungshilfe zu jedem Standard der organisationalen Gesundheitskompetenz Tools ermittelt werden. Die meisten Tools lassen sich für alle Einrichtungsarten dem Standard 5 („Kommunikation“) und dem Standard 6 („Gesundheitskompetenz der Nutzenden“) zuordnen. Die geringste Anzahl an Tools findet sich für alle Einrichtungsarten für Standard 7 „Gesundheitskompetenz der Mitarbeitenden“ und bei Einrichtungen der Eingliederungshilfe zusätzlich bei Standard 1 „Leitbild/Einrichtungskultur“ und Standard 8 „Gesundheitskompetenz der Bevölkerung“. Für die Eingliederungshilfe wurde für Standard 4 „Navigation“ kein Tool gefunden. Insgesamt ließen sich für die Eingliederungshilfe weniger Tools im Vergleich zum Krankenhaus und zur Pflege identifizieren.
Bei genauerer Betrachtung wird deutlich, dass die Tools im Bereich „Navigation“, die für Einrichtungen der Gesundheitsversorgung ermittelt wurden, auch für Einrichtungen der Eingliederungshilfe genutzt werden können. Bei leichter Adaptation scheint bei zahlreichen Tools eine Übertragung auf andere Einrichtungsarten möglich (Tab. 1).
Anforderungen und Bedarfe zur Entwicklung von Tools zur Stärkung der organisationalen Gesundheitskompetenz
Der Beitrag hatte zum Ziel, bereits existierende Tools zur Stärkung der Gesundheitskompetenz für das Krankenhaus sowie für Einrichtungen der stationären (Alten-)Pflege und Eingliederungshilfe zu sichten und nach den einzelnen Standards und den Ebenen Einrichtung, Mitarbeitende und Nutzende darzustellen. Differenziert nach den einzelnen Standards bzw. Handlungsfeldern der organisationalen Gesundheitskompetenz wurde in der o. g. Übersicht deutlich, dass Tools zur Förderung der Gesundheitskompetenz auf Ebene des Fachpersonals und auf Ebene der Nutzenden in geringerem Umfang vorgefunden wurden. Hier zeigt sich künftig der Bedarf zur Entwicklung von Tools, die die Gesundheitskompetenz der Mitarbeitenden in den unterschiedlichen Handlungsfeldern der organisationalen Gesundheitskompetenz adressieren, denn von einer guten Gesundheitskompetenz profitieren nicht nur die Mitarbeitenden selbst, sondern auch die Nutzenden.
Einrichtungen der (Gesundheits-)Versorgung sind demnach künftig dazu aufgefordert, förderliche Strategien in der Kommunikation und Interaktion mit allen Nutzenden zu entwickeln und umzusetzen, um eine effektive wechselseitige Kommunikation sicherzustellen (Kraus-Füreder et al. 2020). Gerade die Sensibilisierung der Mitarbeitenden für die Interaktion und Kommunikation mit Nutzenden, die Schwierigkeiten im Umgang mit Gesundheitsinformationen aufweisen, sind o. g. Tools zur Schulung bzw. Förderung der Gesundheitskompetenz der Mitarbeitenden von zentraler Bedeutung.
Maßnahmen zur Stärkung der Gesundheitskompetenz sollten zum einen die individuelle Ebene der Mitarbeitenden und Nutzenden fokussieren. Dabei spielen die Kommunikation der Mitarbeitenden und die individuellen Kompetenzen der Nutzenden eine zentrale Rolle. Zum anderen sollte auf Einrichtungsebene die Gesundheitskompetenz in das Leitbild integriert und, beginnend mit dem Management, auf allen Ebenen der Einrichtung umgesetzt werden. So sollte die Einrichtung Angebote (z. B. Informationsmaterialien, Dienstleistungen) partizipativ mit der jeweiligen Adressatengruppe entwickeln, um auf die Bedarfe der Nutzenden einzugehen.
Ein deutlicher Bedarf für die Entwicklung von Tools zeigt sich auch in der partizipativen bzw. gemeinsamen Entwicklung von Dokumenten und (Info-)Materialien. Damit Einrichtungen die partizipative Gestaltung von bspw. schriftlichen Dokumenten und Materialien umsetzen können, bedarf es Tools, die bei der Erstellung und Umsetzung unterstützen. Die bereits existierenden Handlungsleitfäden zeigen auf, wie
(1) Einrichtungen die Vertreter:innen der Zielgruppe einbeziehen und
(2) gemeinsam Bedarfe erarbeiten können.

Zudem leiten sie Einrichtungen dazu an, (Informations-)Materialien gemeinsam, anhand der partizipativ erarbeiteten Bedarfe zu gestalten (Kraus-Füreder et al. 2020; Seligman et al. 2007).
Durch die Implementierung von Maßnahmen und den Ausbau von Strukturen und Prozessen innerhalb der Einrichtungen kann zu einer nachhaltigen Verbesserung der Gesundheitskompetenz in Einrichtungen der (Gesundheits-)Versorgung beigetragen werden (Kraus-Füreder et al. 2020; Ernstmann et al. 2020; Ernstmann et al. 2018; Palumbo 2021; Pelikan/Dietscher 2015; Schaeffer et al. 2018; Schaeffer/Pelikan 2016).
In Zukunft wird auch die Entwicklung, Adaptation und Pilotierung von Tools zur Stärkung der Gesundheitskompetenz in Einrichtungen der Eingliederungshilfe zentral, um die Gesundheitskompetenz von Personal und Klient:innen bedarfsspezifisch zu unterstützen und Teilhabe an Gesundheit zu ermöglichen. <<

Ausgabe 01 / 2022

Editorial

RoskiHerausgeber
Prof. Dr.
Reinhold
Roski

 

 

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