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Nationaler Aktionsplan Gesundheitskompetenz: Schritt für Schritt in die Umsetzung

04.04.2019 14:00
Mehr als jeder Zweite in Deutschland, konkret 54,3% der Bevölkerung, weist eine eingeschränkte Gesundheitskompetenz auf – so das Ergebnis einer Studie der Universität Bielefeld. Das bedeutet, dass es der Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland schwer fällt, gesundheitsrelevante Informationen zu finden, zu verstehen, zu bewerten und zu nutzen.

Dies nahmen Experten unter der Leitung von Prof. Dr. Doris Schaeffer und Prof. Dr. Ullrich Bauer von der Universität Bielefeld, Prof. Dr. Klaus Hurrelmann von der Hertie School of Governance und Dr. Kai Kolpatzik vom AOK-Bundesverband zum Anlass, einen „Nationalen Aktionsplan Gesundheitskompetenz“ zu erarbeiten. Der Plan wurde mit Repräsentanten aus Politik und Gesellschaft, Angehörigen der unterschiedlichen Gesundheitsberufe, Vertreter zivilgesellschaftlicher Organisationen sowie Patienten- und Bürgervertreter abgestimmt und im letzten Jahr der Öffentlichkeit vorgestellt.
Nach dem Vorbild anderer Länder werden darin die wichtigsten Herausforderungen zur Förderung der Gesundheitskompetenz aufgelistet und insgesamt 15 Empfehlungen ausgesprochen, wie die Situation in Deutschland verbessert werden kann.1
Was ist seither passiert, wie verläuft die Umsetzung? Zunächst einmal: Der Nationale Aktionsplan hat überraschend große Aufmerksamkeit gefunden und wurde breit diskutiert, wie allein die Vielzahl an Veranstaltungen, Vorträgen, Publikationen und unterschiedlichsten Initiativen zur Stärkung der Gesundheitskompetenz seither zeigt. Auch politisch ist der Nationale Aktionsplan auf Resonanz gestoßen: Gesundheitskompetenz ist im Koalitionsvertrag verankert und Gegenstand des Beschlusses der 91. Gesundheitsministerkonferenz. Deutschland knüpft damit an die internationale Diskussion an, in der Gesundheitskompetenz in wichtigen politischen Papieren einen bedeutenden Stellenwert hat, wie die Erklärungen von Shanghai (2016) und von Astana (2018) der WHO zeigen.
Die Initiatoren selbst entwickelten folgende Implementationsstrategie: Sie haben begonnen, gezielt Workshops zu den Oberthemen des Nationalen Aktionsplans durchzuführen. In den hochkarätig besetzten Workshops wurden einzelne, noch allgemein formulierte Empfehlungen mit jeweils etwa 30 Experten und Akteuren aus unterschiedlichsten Gesellschaftsbereichen aufgegriffen, intensiv diskutiert und in umsetzbare Einzelziele übersetzt. Die Ergebnisse wurden in Strategiepapieren zusammengefasst, die frei zugänglich veröffentlicht sind.
Bisher fanden vier Workshops statt, ein fünfter steht im Frühsommer aus. Der erste Workshop widmete sich der Empfehlung 1 des Nationalen Aktionsplans: „Das Erziehungs- und Bildungssystem in die Lage versetzen, die Förderung von Gesundheitskompetenz so früh wie möglich im Lebenslauf zu beginnen“. Denn es ist unbestritten, dass die Stärkung der Gesundheitskompetenz schon in jungen Jahren erfolgen sollte. Gesundheitskompetenz stellt eine wichtige Grundlage für Gesundheitsförderung und Prävention dar. Entscheidungen für eine angemessene Bewegung, Ernährung und Hygiene, Selbstmanagementfähigkeiten, die Vermeidung von Gesundheitsrisiken und die Bewältigung von Krankheiten setzen einen angemessenen Umgang mit Gesundheitsinformationen voraus. Bisher fehlte eine abgestimmte Strategie, wie die Förderung von Gesundheitskompetenz im Fächerkanon und im Alltag von Erziehungs- und Bildungseinrichtungen verankert werden kann. Das Strategiepapier Nr. 1 bündelt in vier Abschnitten übergeordnete Umsetzungsmaßnahmen und empfiehlt: Gesundheitskompetenz in bestehende Ansätze zur Gesundheitsförderung und Prävention verbindlich zu integrieren, bestehende Lehr- und Bildungspläne gezielt zu erweitern und dabei auch strukturelle und systemorientierte Veränderungen einzuleiten. Dabei sollte die Förderung von Gesundheitskompetenz als Erleichterung der Alltagsarbeit herausgearbeitet werden.
Der zweite Workshop widmete sich der Empfehlung 11 und hatte das Thema: „Gesundheitskompetenz in die Versorgung von Menschen mit chronischer Erkrankung integrieren“. Menschen mit chronischen Erkrankungen sind mit vielfältigen Anforderungen an die Krankheitsbewältigung und einen hohen Bedarf an Informationen konfrontiert. Nach der Studie der Universität Bielefeld weisen fast 73% Prozent dieser Zielgruppe eine eingeschränkte Gesundheitskompetenz auf.  Ein Grund dafür ist sicherlich die zersplitterte Versorgungslandschaft, die es den Patienten erschwert, sich problemlos durch das Gesundheitssystem zu navigieren und die dazu nötige Information zu beschaffen. Lange Wege bis zur endgültigen Diagnose, belastende Um- und Irrwege sind die Folge. Aber auch, wenn es darum geht, den umfänglichen Anforderungen der Krankheitsbewältigung im Alltag zu entsprechen, fehlt es vielfach an geeigneter Information. Im Strategiepapier Nr. 2 werden fünf  konkrete Handlungsschritte dargelegt und empfohlen, das Gesundheitssystem vom Leben mit chronischer Krankheit her neu zu denken, ein systematisches Informationsmanagement während des gesamten Krankheitsverlaufs zu realisieren, in dem Menschen mit chronischer Erkrankung die richtige Information zur richtigen Zeit erhalten sowie die Partizipation zu verbessern und anwaltschaftliche Unterstützung auszubauen.
Medien gehören zu den wichtigsten Quellen für gesundheitsrelevante Informationen. Dabei steigen vor allem die digitalen Angebote rasant an. Auch in diesem Bereich bedarf es einer Strategie, um die kritische Urteilsfähigkeit der Bevölkerung zu fördern, die Verantwortlichen der Massenmedien für Gesundheitskompetenz zu sensibilisieren und qualitätsbasierte Kooperationen anzuregen. Transparenz sollte geschaffen und Angehörige der Gesundheitsprofessionen müssten befähigt werden, analoge und digitale Gesundheitsinformationen zu empfehlen.  
Der dritte Workshop widmete sich deshalb der Empfehlung 4 des Nationalen Aktionsplans: „Den Umgang mit Gesundheitsinformationen in den Medien erleichtern“. Im anschließend erarbeiteten Strategiepapier Nr. 3 werden Vorschläge für vier Handlungsschritte dargestellt. Es wird empfohlen, die Medienkompetenz der Bevölkerung im Umgang mit Gesundheitsinformationen sowie die Gesund-
heitskompetenz von Medienschaffenden sys-
tematisch zu stärken. Aber auch die Anerkennung der Stärkung von Gesundheitskompetenz als öffentliche Aufgabe und die Ausweitung digitaler Angebote zählen zu den empfohlenen Umsetzungsschritten.
Menschen mit einer niedrigen Gesund-
heitskompetenz nutzen das Gesundheits-system intensiver: Stationäre Aufenthalte, Notfallversorgungen und die Zahl der Arztkonsultationen sind häufiger. Gleichzeitig finden sie sich immer weniger in der unübersichtlich gewordenen Versorgungslandschaft zurecht. Neben der Förderung der individuellen Gesundheitskompetenz ist folglich von großer Wichtigkeit, eine Offensive für ein gesundheitskompetentes und nutzerfreundliches Gesundheitssystem zu starten. Dies war Thema des vierten Workshops zu den Empfehlungen 6-10 des Nationalen Aktionsplans zum Thema: „Gesundheitskompetenz als Standard auf allen Ebenen im Gesundheitssystem verankern“.
Das daraus resultierende Strategiepapier Nr. 4 stellt heraus, dass  hierfür ein systematisches Handeln aller Akteur*innen auf System-, Organisations- und Interaktionsebene nötig ist, mehr Transparenz geschaffen, die Partizipation von Patienten intensiviert  und die Kommunikation und Information verständlicher gestaltet werden sollte.  
Weitere Workshops und Strategiepapiere sind geplant. Im Frühsommer 2019 wird im Rahmen eines internationalen Symposiums mit namhaften internationalen Health
Literacy-Experten eine Diskussion der Empfehlung 15 des Nationalen Aktionsplans und eine Bestandaufnahme der Forschung erfolgen. Im Oktober 2019 wird sich ein weiterer Workshop dem Thema „Gesundheitskompetenz von Menschen mit Migrationserfahrung“ widmen.
Zu Beginn des kommenden Jahres ist eine gemeinsame Tagung des Nationalen Aktionsplans mit der „Allianz Gesundheitskompetenz“ geplant, mit der eine enge Zusammenarbeit besteht. Die „Allianz für Gesundheitskompetenz“ wurde 2017 vom Bundesgesundheitsministerium initiiert. In ihr sind die Spitzenverbände des Gesundheitswesens vertreten, mit dem Ziel, in ihrem jeweiligen Zuständigkeitsbereich Maßnahmen zur Verbesserung des Gesundheitswissens zu entwickeln und umzusetzen. Anfang nächsten Jahres erfolgt zudem die nächste repräsentative Erhebung der Gesundheitskompetenz der Bevölkerung Deutschlands durch die Universität Bielefeld.
„Wir können gespannt sein, in welchem Ausmaß die Bemühungen der vielen Akteure bei der Umsetzung der Empfehlungen des Nationalen Aktionsplans Früchte tragen und welche Herausforderungen sich weiterhin stellen, besonders vulnerable Gruppen zu befähigen, Gesundheitsinformation finden, verstehen, beurteilen und nutzen zu können und im Gesundheitssystem, aber auch dem Erziehungs- und Bildungssystem die Voraussetzungen für den Erwerb von Gesundheitskompetenz zu verbessern“, erklärt die Geschäftsstelle Nationaler Aktionsplan Gesundheitskompetenz. <<

Ausgabe 03 / 2019

Editorial

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Reinhold
Roski

 

 

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