Sie sind hier: Startseite Abstracts Open Access 2012 Kurzfassungen Ausgabe MVF 04/12 „Suche nach dem Maß des Gesamtnutzens“
x
Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.

„Suche nach dem Maß des Gesamtnutzens“

24.02.2012 17:55
Knapp zwei Jahre arbeitete das IQWiG gemeinsam mit nationalen und internationalen Experten an einer Methode für die Bewertung von Kosten-Nutzen-Verhältnissen. Ein wesentlicher Bestandteil dieser Methode ist die Analyse der Effizienzgrenze, die - so der damalige Institutsleiter Prof. Dr. Peter T. Sawicki - „die für die deutschen Rahmenbedingungen am besten geeignete Methode“ sei. Doch genau die stieß bei der Vorstellung des Methodenpapiers im Oktober 2009 auf harsche Kritik: 29 führende deutsche Gesundheitsökonomen lehnten damals den Vorschlag des IQWiG als „wissenschaftlich unhaltbar“ und „normativ nicht begründet“ ab. „Nirgendwo in dem Methodenpapier ist ein Algorithmus beschrieben, wie ein Summenparameter berechnet wird, durch den die Gewichtung von Nutzen und Schaden vorgenommen wird“, kritisierte damals Prof. Dr. med. Jürgen Fritze, leitender Verbandsarzt beim PKV-Verband. Dieses Manko ging das Institut mit zwei Generalaufträgen in Form von Pilotstudien an, mit einer „Conjoint Analyse“ (CA) in der Indikation Hepatitis C sowie einem „Analytic Hierarchy Process“ (AHP) in der Indikation Major Depression - leider in zwei unterschiedlichen Indikationsgebieten, so dass der direkte Vergleich nicht möglich ist. Das Ziel, das nun dennoch zum Greifen nahe scheint: Verfahren wissenschaftlich zu beschreiben, die es ermöglichen, einen kardinalen Nutzenwert zu beschreiben, mit dessen Hilfe alle denkbaren Therapiealternativen in einem Indikationsgebiet über alle relevanten Endpunkte hinweg verglichen werden können. Mit dem Leiter der „Conjoint Analyse“-Pilotstudie, Prof. Dr. Axel Mühlbacher (Hochschule Neubrandenburg, IGM Institut Gesundheitsökonomie und Medizinmanagement sowie Mitgründer der Gesellschaft für empirische Beratung mbH), sprach „Monitor Versorgungsforschung“.

> Herr Prof. Mühlbacher, die Ausgangslage, warum das IQWiG überhaupt in der Bewertung von Kosten-Nutzen-Verhältnissen sowie der dafür nötigen Analyse der Effizienzgrenze einen deutschen Weg, der oft als deutscher Sonderweg abgetan wurde, ging, war darin begründet, dass das Institut die vor allem im angelsächsischen Bereich vorherrschende QALY-Systematik nicht einfach übernehmen wollte.
Der QALY wurde damals vor allem aus ethischen Gründen abgelehnt. Das Konzept wird aber durchaus auch aus methodischen Gründen in Frage gestellt. Die Vorteile des QALY Konzeptes sind zum einen die vordergründige Plausibilität und zum anderen der breite internationale Erfahrungsschatz. Man bewertet Gesundheitstechnologien unter der Annahme, dass der Patientennutzen durch die Lebenslänge und die Lebensqualität abgebildet werden kann. Bewertungskriterien welche in klinischen Studien berücksichtigt werden bleiben außen vor. Konkreter: Studien welche für die Preisfestsetzung mit Hilfe der Kosten-Nutzen-Bewertung herangezogen werden, haben keinen konkreten Bezug zu Studien welche für die Zulassung, also der Dokumentation des Nutzen-Risiko bzw. Nutzen-Schaden-Verhältnisses durchgeführt werden. Beide Studienansätze sind zudem in unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen angelegt. Die Ökonomen und Psychologen dokumentieren den Nutzen einer Gesundheitstechnologie durch die Lebensqualität bzw. die lebensqualitätsbereinigten Lebensjahre und die Mediziner konkretisieren den medizinischen Nutzen anhand patientenrelevanter Endpunkte bzw. klinischer Effektmaße. Die dazu notwendigen Studiendesigns laufen parallel und bauen nicht aufeinander auf.

Das macht nun die Effizienzgrenze anders.
Stimmt. Mit der Effizienzgrenze, wenn sie denn ein theoretisches Fundament hat, wäre ein Instrumentarium geschaffen, dass die Ergebnisse klinischer Studien berücksichtigt bzw. patienten-relevante Endpunkte in eine Nutzenbewertung überführt. Will man die Kosten-Nutzen-Bewertung auf den Ergebnissen der evidenzbasierten Medizin aufbauen, d.h. medizinische und ökonomische Studien durchgängig gestalten, dann ist die Logik der Effizienzgrenze ein zukunftsweisender Ansatz.

Nehmen wir mal an, in einer klinischen Studie wird das Nutzen-Risiko-Verhältnis einer bestimmten Technologie beleuchtet...
... dann wäre es mit der Effizienzgrenze theoretisch denkbar...

....

 

Ausführliches Interview: siehe Archiv, MVF 04/12 (Zugang nur für Abonnenten)

Ausgabe 04 / 2012

Editorial

RoskiHerausgeber
Prof. Dr.
Reinhold
Roski

 

 

Disconnex zur Versorgungsforschung




« September 2022 »
September
MoDiMiDoFrSaSo
1234
567891011
12131415161718
19202122232425
2627282930