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„Politischer Wille zur Transparenz ist nötig“

24.02.2012 17:58
Die größten Hindernisse sieht Prof. Dr. Karl Wegscheider, Direktor des Instituts für Medizinische Biometrie und Epidemiologie am Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf und u.a. Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirates des Bundesver­sicherungsamtes (BVA) zur Evaluation der Disease-Management-Programme, nicht in der Frage der Studiendesigns, sondern in der weit verbreiteten Verfolgung von Partikularinteressen im Gesundheitswesen. Die Verbesserung der Versorgung steht nach Meinung Wegscheiders an zweiter Stelle hinter den eigenen wirtschaftlichen oder politischen Interessen der handelnden Parteien, die entgegen vielen Lippenbekenntnissen oft gar kein Interesse an Transparenz hätten. Sein Vorwurf: „Überlebte Strukturen werden abgeschottet und verteidigt, als wären sie nicht Mittel zum Zweck, sondern selbst der Zweck des Gesundheitswesens.“ Entsprechend sei Forschung häufig nicht wirklich gewollt und Ergebnisse, die zu Konsequenzen führen müssten, würden ausgesessen.

>> Sehr geehrter Herr Professor Wegscheider, Sie sind nicht nur Forscher, sondern durch Ihre Kinderlähmung auch Betroffener. Was haben Sie eigentlich als Patient bisher von der Versorgungsforschung gehabt? Und welche Wünsche haben Sie für die Zukunft?
Die intensivierte Versorgungsforschung trägt dazu bei, dass sich in Deutschland ein wachsendes Bewusstsein für Qualität in der medizinischen Versorgung entwickelt. Während früher Forschung und Öffentlichkeit fast ausschließlich auf die spektakulären Möglichkeiten moderner Medizin schauten, wird heute auch immer häufiger die Frage gestellt, ob und wie diese Medizin zum Patienten kommt und wer davon überhaupt profitieren kann. Ich merke, dass einige (leider nicht alle) Ärzte, die mich behandeln, offener geworden sind z.B. für die Frage, was einem multimorbiden, mit Einschränkungen lebenden Patienten wie mir wirklich nutzt und was nicht. Was ich jedoch oft vermisse, ist eine Bereitschaft, sich selbst an der Forschung zu beteiligen und aktiv an der Verbesserung von Strukturen mitzuarbeiten.

Goldstandard der klinischen Prüfung von Arzneimitteln ist die randomisierte kontrollierte Studie (RCT). Gleichzeitig gibt es das Phasenmodell mit der stufenweisen Abklärung von Sicherheit und Wirksamkeit von der präklinischen Forschung bis zur sog. Phase-III-Studie, in der die klinische Wirksamkeit bei breiter Anwendung in zahlreichen Zentren nachgewiesen werden soll. Die Verantwortung für die sachgerechte und methodisch korrekte Durchführung der klinischen Prüfung liegt dabei bis zur Zulassung laut Gesetz bei den Herstellern. Dann endet diese Verpflichtung und es beginnt die Versorgungsforschung. Wie geht die Versorgungsforschung dabei am besten vor? Wie ist der heutige Standard? Wo sehen Sie Lücken und Probleme?
Versorgungsforschung gehört in der Tat bis heute nicht zu den Aufgaben des Herstellers. Entsprechend wird über die Versorgung zu wenig geforscht. Wenn geforscht wird, werden zudem häufig wegen der finanziellen Begrenzungen methodische Kompromisse eingegangen, die zu suboptimalen Forschungsergebnissen führen. Die billige und deshalb verbreitete Form der Phase-IV-Studie ist die Anwendungsbeobachtung, die zumeist reinen Marketingzwecken dient und dann kaum ernsthaft als Forschung bezeichnet werden kann. Es gibt aber auch die seriöse Versorgungsforschung, die mit ausgeklügelten Designs versucht, realitätsnahe und dennoch methodisch saubere Studien durchzuführen. Diese Art der Forschung wird an Bedeutung gewinnen, wenn wir stärker an die Erforschung des Nutzens von Therapien herangehen. Sie ist allerdings nicht billig zu bekommen und verlangt erfahrene methodische Begleitung, die unabhängig von Interessen sein sollte.

[...]

Das Gespräch führten MVF-Herausgeber Prof. Dr. Reinhold Roski und MVF-Chefredakteur Peter Stegmaier. <<

Gesprächspartner
Prof. Dr. Karl Wegscheider

Ausgabe 01 / 2012

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