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„Conversation Map” für türkische Patienten mit Typ-2 Diabetes

27.02.2012 10:40
Kulturelle und epidemiologische Unterschiede zwischen türkischen und deutschen Patienten mit Typ-2 Diabetes führen zu einer defizitären Versorgungsituation türkischstämmiger Migranten in Deutschland. Aufgrund der derzeitigen mangelhaften Versorgungsituation türkischstämmiger Migranten (Robert Koch-Institut 2008, S.101; Aumiller 2009, S.13; Icks et al. 2009, S. 132), als der größten ethnischen Minderheit in Deutschland, bedarf es Diabetes-Schulungen, die den besonderen Bedürfnissen dieser Patientengruppe angemessen sind. Das Ziel der Pilotstudie war es daher, die neuartige Diabetes-Schulung „Conversation Map©” in türkischer Sprache, die auf die speziellen Anforderungen dieser Migrantengruppe mit Typ-2 Diabetes zugeschnitten ist, zu evaluieren. Gemeinsam mit der Novitas BKK wurde das gemeinsame Projekt unter dem Titel „Diabetes gemeinsam verstehen“ umgesetzt.

Zusammenfassung
Einleitung: Kulturelle und epidemiologische Unterschiede zwischen türkischen und deutschen Patienten mit Typ-2 Diabetes führen zu einer defizitären Versorgungsituation türkischstämmiger Migranten in Deutschland. Dies macht auf die besonderen Bedürfnisse dieser Gruppe angepasste Diabetes-Schulungen notwendig. „Conversation Map©” ist ein Diabetes-Schulungsprogramm, das speziell für die in Deutschland lebenden türkischen Migranten mit Typ-2 Diabetes geeignet ist. Ziel der Studie war es, diese Schulungen zu evaluieren.
Methoden: 92 türkische Patienten mit geringfügigen Deutschkenntnissen wurden einer interventionellen (IV, n=44) und einer Kontrollgruppe zugeteilt (K, n=48); 42 deutsche (D) Patienten dienten als zusätzliche Kontrollgruppe. Die IV Gruppe nahm an einer strukturierten, 4-mal wöchentlich stattfindenden „Conversation Map©” Schulung über je 2 Stunden in türkischer Sprache teil. Die beiden Kontrollgruppen nahmen an keiner Schulung teil. Soziodemographische Daten wurden zu Beginn erfasst. Standardisierte Interviews zum Gesundheitsverhalten, zum Diabetes-Wissen (0-6; 6=alles richtig), und Therapietreue („Essentielle Schulungsinhalte (ESI)‟ 0-10; 10=am besten) wurden zu Beginn und nach 4 Wochen durchgeführt. Unterschiede zwischen den ethnischen Gruppen zu Beginn und die Änderung der Daten nach 4 Wochen gegenüber Baseline wurden analysiert (gepaarter t-Test, α=0,05, zweiseitig).
Ergebnisse: Die verschiedenen ethnischen Gruppen waren bezüglich der demographischen Daten vergleichbar, jedoch wiesen türkische Patienten einen geringeren Bildungsstand auf. 55% aller türkischen Patienten (IV und K) waren insulinpflichtig. Davon hatten 63% noch an keiner Diabetes-Schulung teilgenommen. Demgegenüber waren in der deutschen Population nur 29% insulinpflichtig, wovon 8% noch an keiner Diabetes-Schulung teilgenommen hatten. Zu Beginn hatten türkische Patienten ein signifikant geringeres Diabetes-Wissen gegenüber der deutschen Kontrollgruppe (IV 2,38, K 2.77, D: 4.10,) und ebenso einen geringeren ESI Score (IV 6,37, K 5,92, D 7,98). 65% der türkischen Patienten (IV und K) kannten ihren Diabetes-Typ nicht, wohingegen in der deutschen Gruppe dieser Anteil bei 5% lag. Nach der „Conversation Map©” Schulung erreichte die IV Gruppe gegenüber Baseline signifikant höhere mittlere Scores in ihrem Diabetes-Wissen und ESI-Test (Unterschied +70%, ESI: +25%) und waren mit den mittleren Test-Scores der deutschen Gruppe vergleichbar.
Schlussfolgerung: Diese Studie zeigt, dass die „Conversation Map©” Schulung den kulturellen Erfordernissen der türkischen Patienten gerecht wird, da sie zu einer signifikanten Zunahme an Diabetes-Wissen und Therapietreue führt. Dies kann wiederum zu einer verbesserten Versorgung der türkischen Patienten beitragen. Darüber hinaus ist anzunehmen, dass durch den umsichtigen Umgang mit der Erkrankung Kosteneinsparungen erzielt werden können.

Quality of discharge management
Introduction: Considering a cultural and epidemiological disparity between Turkish and German type-2 diabetes patients in Germany, resulting in a health-care gap, a customised diabetes program for Turkish migrants is required. “Conversation Map©” is a unique health-care education program especially designed for Turkish migrants with type-2 diabetes in Germany. Aim of the study was to evaluate this program.
Methods: 92 Turkish patients with poor German language skills were divided into interventional (IV, n=44) and control (C, n=48) groups, 42 German (G) patients served as additional control group. The IV group attended 4 times a structured once weekly, 2hr “Conversation Map©” training in Turkish language. The 2 control groups had no intervention. Socio-demographic data were recorded at baseline, and standardized interviews assessing health-behaviour, diabetes-knowledge (0-6; 6=everything right), and therapy adherence (‘Essential Training Content (ETC)’ 0-10; 10=best) were applied at baseline and after 4 weeks after training in the IV group. Baseline differences between the ethnic groups and changes of data after 4 weeks compared to baseline were statistically analysed (paired t-test, α=0.05, two-sided).
Results: Ethnic groups were comparable on demographic data, whereas Turkish patients had lower education level. 55% of all Turkish patients (IV and C) were insulin-dependent. Of these, 63% were previously not attending any diabetes-training. In the German population only 28.6% were insulin-dependent and 8% of these had not previously attended a diabetes training. Baseline diabetes knowledge of Turkish patients was significantly lower than in the German control group (IV 2.38, T 2.77, G: 4.10,), as well as the ETC score (IV 6.37, C 5.92, G 7.98,). 65% of the Turkish patients (IV and C) did not know which type of diabetes they were suffering from, whereas in the German population this proportion was only 5%. After “Conversation Map©” training the IV group achieved significantly higher mean knowledge- and ETC-score values compared to baseline (difference +70%, ETC: +25%,) and were comparable to the mean score values of the German group.
Conclusions: The study demonstrated that the cultural sensitive training „Conversation Map©”, led to a significant increase of disease-knowledge and therapy adherence, which may help to improve the health-care situation of Turkish patients, with cost savings potential in the long-term.

Schlüsselwörter
Versorgungsforschung, Typ-2 Diabetes, Trainingsprogramme, türkische Migranten, Diabetesschulung

Autoren
Dipl. Ges.-oec. Thorsten Otto, Dipl. Ges.-oec. (FH) Valeria Korolewa, Dipl.-Sozialwiss. Holger Russ,
Dr. rer. soz. Johannes Clouth

Zitationshinweis: Otto, T. et al.: „Conversation Map” für türkische Patienten mit Typ-2 Diabetes; in "Monitor Versorgungsforschung" 02/2013, 25-28

Ausgabe 02 / 2013

Editorial

RoskiHerausgeber
Prof. Dr.
Reinhold
Roski

 

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