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Warum ist die Verschwendungsmedizin gefährlich für Patienten?

24.01.2013 16:20
Deutschland ist ein reiches Land, trotz der Finanzkrise und ihren globalen Folgen. Es leistet sich das drittteuerste Gesundheitswesen der Welt - nach den USA und den Niederlanden1. Trotzdem werden die Menschen hier nicht älter als in Ländern mit wesentlich billigeren Systemen, wie z.B. dem in Schweden. Die Lebenserwartung bei Geburt lag 2009 in Deutschland bei 80,3 Jahren, in 13 europäischen Ländern war sie größer, am größten in der Schweiz mit 82,3 Jahren2. Es ist unbestritten, dass der Fortschritt Geld kostet und Innovationen langfristig nicht immer sinnvoll sein müssen - zumindest am Anfang der Einführung ist das nicht immer genau zu estimieren. Aber hier liegt das Problem ganz anders: Es sind nicht die Innovationen, die das System so teuer machen, obwohl das gerne behauptet und daher besonders kritisch gesehen wird, sondern die unkontrollierte Anwendung von Techniken und Abläufen, die oft sogar schon veraltet sind.

Abstract
Deutschland hat ein sehr teures Gesundheitssystem, das sich durch Verschwendung und geringe Effizienz auszeichnet; neben den Kosten der Verschwendung, die u.a. zur unnötigen Leistungsverknappung führen kann, ist aber auch die Gefährdung von Patienten durch unnötige Eingriffe sowohl in Diagnostik als auch Therapie von großer Relevanz. Unnötige CT-Untersuchungen erhöhen z.B. das Tumorrisiko, invasive Verfahren wie der Herzkatheter, Operationen und Vollnarkosen haben eine prozedurale Morbidität und Mortalität z.T. bis in den Prozentbereich, und nosokomiale Infektionen treten bei 3,5-15% hospitalisierter Patienten auf, also auch bei solchen die nicht hospitalisiert sein müssten. Eine Angebotsverknappung als Abhilfe erscheint angesichts vorhandener Überkapazitäten illusorisch, eine unabhängige Indikationsprüfung, auch stichprobenweise, als aussichtsreicher.

Why is Wasting of Medical Resources Dangerous for Patients?
The German health care system is excessively expensive and characterized by wasting and limited efficacy. As a result of wasting extremous expenditures are seen leading to segmental shortages and rationing, but another serious consequence is the endangerment of patients by unnecessary interventions both in diagnostics and therapy. „Luxury“ CT-scans may cause cancer, invasive procedures such as cardiac catherizations, surgery and general anaesthesia expose procedural morbidity and mortality which may reach the percent range, and nosocomial infections are to be seen in 3.5-15% of hospitalized patients including those who were hospitalized without stringent reasons. Just reducing capacities in the system does not appear to be feasible as excessive capacities have already been installed; an independent assessment of indications, including that by random samples, is considered to be more promising.

Keywords
Wasting of medical resources, unnecessary expenditures, patient endangerment, assessment of indications

Prof. Dr. Martin Wehling

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Zitationshinweis (Wehling, M.: "Warum ist die Verschwendungsmedizin
gefährlich für Patienten?“; in: "Monitor Versorgungsforschung" (MVF) 05/13, S. 37-40.)

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Ausgabe 05 / 2013

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