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Ein tiefer Einblick in die Welt des Innovationsfonds

Wenn Prof. Josef Hecken, der unparteiische Vorsitzende des G-BA und Vorsitzende des Innovationsfonds-Ausschusses, von über 1.900 Kooperationspartnern spricht, die sich in den inzwischen vielen hundert Projekten des Innovationsfonds engagieren, irrt er. Diese, von ihm verbreitete Heilsbotschaft über die Innovationsfreundlichkeit des deutschen Gesundheitssystems ist jedoch keine absichtliche Falschinformation, sondern alleine der Art und Weise geschuldet, wie die Inhalte des Innovationsfonds dargestellt werden: lediglich in Form von einzelnen, nacheinander abrufbaren PDFs, was quantitative wie qualitative Auswertungen erschwert bis nahezu unmöglich macht. Genau dies will die Innovationsfonds-Datenbank des Berliner Wissensmanagement-Unternehmens Ordinary People ändern: Mit Erscheinen dieser Ausgabe von „Monitor Versorgungsforschung“ wird allen MVF-Lesern ein kostenloser Datenbankzugang ermöglicht.

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Erstveröffentlichungsdatum: 17.01.2020

Plain-Text

>> Das Berliner Unternehmen Ordinary People (OP) agiert bei all seinen Wissens-Datenbanken nach dem Prinzip der Integration, Vernetzung und Visualisierung von Daten, mit denen Informationen über Marktzusammenhänge im Gesundheitswesen sichtbar gemacht werden können. Seit Jahren engagiert sich OP in diversen thematischen Handlungsfeldern – von AMNOG, über Biotech bis hin zu individuellen, meist indikationsbezogenen Lösungen vor allem für die Pharma-Industrie. Aus einer Anfrage von MVF bei OP ist Anfang letzten Jahres eine Innovationsfonds-Datenbank entstanden, in der unter Leitung von OP-Geschäftsführerin Antje Bauer die bis derzeit vom Innovationsfonds geförderten Projekte inkl. der veröffentlichten Detailinformationen, wie z.B. das Fördervolumen, hinterlegt und verknüpft sind: 150 Projekte der neuen Versorgungsformen (NVF) und 230 aus der Versorgungsforschung (VF) mit 694 Kooperationspartnern. „Der Innovationsfonds führt sicher zu einem bisher im deutschen Gesundheitssystem nie gekannten Vernetzungsgrad, was an sich schon als ein absolutes Positivum anzusehen ist“, sagt Antje Bauer, setzt aber dazu: „Doch darf man eben zum Beispiel die TK nicht 64-fach zählen, weil sie sich in 64 Projekten im Innovationsfonds engagiert, zum einen Antragsteller (Konsortialführer) und zum anderen als Konsortialpartner. Ebenso positiv hebt die OP-Geschäftsführerin hervor, dass sich im Innovationsfonds auch Konsortialpartner engagieren, die sich noch nie vorher im deutschen Gesundheitssystem um Innovationen verdient gemacht haben; entweder, weil sie es nicht konnten, einfach weil sie bisher nie gefragt wurden oder schlicht bislang keine Gelegenheit dazu bekamen. Als Beispiele nennt sie den Oberbergischen Kreis in Person des Landrats Ralf Schmallenbach (IF-Projekt: OBERBERG_FAIRsorgt) oder die Stadt Braunschweig (Projekt: NOVELLE). Was allerdings mit den vom Innovationsfonds nicht geförderten Projekten ist und welches Innovationspotenzial sich hier verbergen könnte, das weiß auch Ordinary People nicht. Wenn man die Zahl der aktuellen Anträge betrachtet, die der Innovationsausschuss nach und nach veröffentlicht hat, könnte man wie Ordinary-Gründer Martin Klein schon ins Grübeln kommen: Zwar ist die Förderquote des Innovationsfonds recht hoch – sie beläuft sich bei NVF wie bei VF auf etwas mehr als 31% – doch heißt das nichts anderes, als dass bei NVF 328 Projekte und bei Vf 478 Projekte beantragt, aber eben nicht gefördert wurden. Für Klein stellen sich hier einige Fragen: Warum werden die eingereichten, aber nicht geförderten Projekte nicht veröffentlicht? Und: Wurden denn überhaupt die richtigen Projekte gefördert? Wenn man bezüglich der ersten Frage beim G-BA nachfragt, was MVF natürlich getan hat, erhält man die Antwort, dass eine Veröffentlichung der nicht geförderten Anträge aus Gründen des Datenschutzes und der Copyright-Rechte nicht möglich sei. „Das kann ich verstehen“, räumt Klein ein, doch vergebe man damit die Chance, auch nur annähernd nachvollziehen zu können, ob in den vom Innovationsausschuss aus welchen (politischen?) Gründen auch immer abgelehnten Projekten nicht doch ein Innovationspotenzial versteckt sein könnte. Wissensmanager Klein rät deshalb: a) die nicht geförderten Projekte einer unabhängigen Begutachtung durch eine Schiedsstelle à la AMNOG zuzuführen; dies nur, wenn die Antragsteller dies wünschen. b) die nicht geförderten Projekte mit einem aussagefähigen Abstract in einer offen einsehbaren Datenbank zu listen, um so einen grundlegenden Ideenschutz zu gewährleisten; doch auch dies nur dann, wenn die Antragsteller dies wünschen. <<