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Ernährungstherapie: Frühere Intervention bei Krebspatienten

16.04.2018 13:07
Patienten mit Tumorkachexie leiden vermehrt unter Fatigue, Schmerzen oder Atemnot, sie sind vermindert leistungsfähig, und sie sprechen schlechter bzw. mit vermehrten Nebenwirkungen auf onkologische Therapien an. Zudem sterben sie früher als Patienten ohne Tumorkachexie. Dennoch erhalten nur wenige Patienten eine rechtzeitige und adäquate Nährstoffversorgung. Wie dringend der Handlungsbedarf ist, machten Experten auf einem von Baxter auf dem DKK 2018 initiierten Satellitensymposium deutlich.

Bis zu 67 % aller Krebspatienten sind mangelernährt und ca. 50 % weisen zum Zeitpunkt ihres Todes Symptome einer Tumorkachexie auf.1,2 Dennoch findet Mangelernährung laut Dr. Oliver Marschal aus Braunschweig, im onkologischen Alltag kaum Beachtung. Manche Ärzte stuften Gewichtsverlust als eine natürliche Krankheitsfolge ein, „die zum Krebs gehört“. Dabei stünden Lebensqualität, Autonomie und Überlebensdauer auf dem Spiel. „Wenn Tumorpatienten schlecht ernährt sind und wenig Muskulatur haben, sodass sie schließlich nicht mehr aus dem Bett kommen, dann sind sie auf dem Weg in die Palliativstation oder das Hospiz“, erklärte Marschal.

Ernährungstherapie möglichst ab Erstdiagnose

Wenn Tumorpatienten eine Ernährungstherapie bekämen, dann meist erst in der Endphase der Erkrankung. Dies zeigte eine von Dr. Marschal und Prof. Dr. Schiefke in Zusammenarbeit mit Baxter durchgeführte repräsentative Analyse zur Versorgung von Krebserkrankten in Deutschland, in der Daten von ca. vier Millionen gesetzlich versicherten Patienten ausgewertet wurden.11 Je nach Tumorentität erhielten lediglich 12-25 % der Patienten eine parenterale Ernährungstherapie (PE). Bei den meisten Patienten wurde die PE in den letzten drei Monaten vor ihrem Tod initiiert, so Marschal, „zu spät um wirklich nützlich zu sein“. Tumorpatienten sollten demnach ab Diagnose der Krebserkrankung eine Ernährungstherapie bekommen, spätestens aber sobald ein Gewichtsverlust diagnostiziert wird.

Aktuelle Leitlinien wiesen, so das Unternehmen auf die Bedeutung einer ausreichenden Ernährung hin. So empfiehlt die S3-Leitlinie der DGEM (Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin), auch bei unheilbar kranken Tumorpatienten auf eine ausreichende Nahrungsaufnahme zu achten, da die Überlebenszeit stärker durch eine Mangelernährung als durch die Grunderkrankung eingeschränkt sein kann.5

Sehr hoher Proteinbedarf bei Krebspatienten

Bedingt durch die systemische Entzündung bestehe bei Tumorkachexie ein kataboler Zustand, der mit einem raschen Abbau von Fett- und insbesondere Muskelmasse einhergeht.3 In einer Studie wurde bei Tumorkachexie innerhalb von nur drei Monaten ein Muskelverlust von 5,6 % (1,1 kg) nachgewiesen.6

„Ein erhöhter Verlust an Muskelmasse ist ein Surrogatmarker für ein schlechteres Überleben“7, sagte Prof. Dr. Yurdagül Zopf, Erlangen. Daher kommt es bei Tumorpatienten nicht nur auf die Kalorienzufuhr an, sondern vor allem auf eine ausreichende Versorgung mit Aminosäuren. Häufig wird verkannt, dass auch adipöse Tumorpatienten von Muskelabbau betroffen sind. Patienten mit Übergewicht/Adipositas und Sarkopenie haben laut Zopf eine besonders ungünstige Prognose.8

Zusätzlich zu dem vermehrten Eiweißumsatz wiesen Tumorkachexie-Patienten eine Verwertungsstörung der Nährstoffe auf, eine anabole Resistenz. „Krebspatienten haben daher einen sehr hohen Eiweißbedarf“, so Zopf.

Während gesunde Menschen täglich ca. 0,8 g Eiweiß pro kg Körpergewicht (KG) benötigten, empfehlen die DGEM- sowie ESPEN (European Society for Clinical Nutrition and Metabolism)-Leitlinien für Tumorpatienten eine Eiweiß- bzw. Proteinzufuhr von bis zu 1,5 g/kg KG5,9, bei ausgeprägter Entzündung bis zu 2 g/kg KG5.

Immer in Kombination mit Bewegungstherapie

Zum Erhalt bzw. zur Vergrößerung der Muskelmasse sollte parallel zur Ernährungstherapie eine von geschultem Personal geleitete, individuell auf den Patienten zugeschnittene Bewegungstherapie angeboten werden.5 „Jeder Patient, ob mobil oder immobil, kann eine Bewegungstherapie durchführen“, stellte Zopf klar. Dabei könne z. B. die Muskelaktivierung mittels Ganzkörper-Elektro-Muskel-Stimulation (WB-EMS) einen wichtigen Beitrag insbesondere bei schwachen Patienten leisten.

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