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Darmkrebs-Vorsorge: Männer erkranken viel häufiger als Frauen

"Männer erkranken gut anderthalb mal häufiger an Darmkrebs als Frauen", erklärt die Sprecherin der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte, Priv.-Doz. Dr. Katja Klugewitz. "Wir wissen, dass gut die Hälfte des höheren Krebserkrankungsrisikos bekannten Faktoren wie Lebensstil und Ernährung geschuldet ist. Da kann jeder für sich etwas tun. Aber die Ursachen für die andere Hälfte des erhöhten Risikos sind nicht bekannt. Ein Argument mehr für die Männer, die Vorsorgeangebote unbedingt zu nutzen."

Die Zahlen sind das Ergebnis einer Studie, die Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg veröffentlicht haben. Ihren Angaben zufolge liegt die jährliche altersstandardisierte Neuerkrankungsrate für Darmkrebs in Deutschland für Frauen bei 21,8 pro Hunderttausend und für Männer bei 30,4 pro Hunderttausend. Beide Raten liegen über dem weltweiten Durchschnitt. Der Unterschied zwischen Männern und Frauen fällt bezogen auf die Entdeckung fortgeschrittener Krebsvorstufen sogar noch deutlicher aus.

„Die Hormone sind ein Schutzfaktor bei Frauen. Nicht rauchen, viel bewegen und geringer Fleischverzehr sind bekannte Vorbeugemaßnahmen, von denen auch Männer profitieren“, sagt Dr. Klugewitz. „Aber das erklärt nicht das ganze Risiko, das jeder trägt. Das gesetzliche Programm zur Darmkrebsvorsorge ist ein kostenfreies Angebot, das die Erkrankungsgefahr ganz erheblich reduziert. Damit konnte bei Hundertausenden von Menschen in Deutschland in den vergangenen zwanzig Jahren Darmkrebs verhindert werden.“

In Deutschland sind die niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte für die Vorsorge-Darmspiegelungen zuständig. Kontrollierte Qualitäts- und Hygienestandards sorgen nach Verbandsangaben dafür, dass die Untersuchung sorgfältig und auch unter Corona-Bedingungen sicher durchgeführt wird. Potenzielle Krebsvorstufen wie Polypen, die mit zunehmendem Alter sehr häufig im Darm vorkommen, werden im Zuge der endoskopischen Inspektion gleich entfernt.