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Freie Ärzteschaft: Bürgerversicherung bringt Zwei-Klassen-Medizin

18.07.2013 18:24
Patienten erster und zweiter Klasse - diese Ungerechtigkeit solle es mit der Bürgerversicherung nicht mehr geben, versprechen ihre Protagonisten. Doch was zunächst gut klingt, dürfte sich als großer Reinfall entpuppen. "Langes Warten auf einen Arzttermin, noch weniger Zeit für das Arzt-Patienten-Gespräch und immer mehr Zuzahlungen für die Behandlungen werden das Ergebnis der Bürgerversicherung sein", warnt Wieland Dietrich, Vorsitzender der Freien Ärzteschaft (FÄ).

"Eine solche Einheitsversicherung wäre der Beginn einer wahrhaftigen Zwei-Klassen-Medizin. Wer es sich leisten kann, kauft sich zur staatlichen Sparmedizin eben private Medizin dazu. So sieht es in Ländern mit einer Einheitsversicherung wie etwa in Großbritannien aus. Soll das Gerechtigkeit sein?"

Mit Plakaten in den Wartezimmern der Arztpraxen und mit der Webseite "keine-buergerversicherung.de" will der Ärzteverband den Bürgern die Augen öffnen. "Wenn wie in der Bürgerversicherung vorgesehen die private Krankenversicherung (PKV) abgeschafft wird, lässt sich die ambulante Medizin hierzulande nicht im bisherigen Umfang halten", erläutert Dietrich. Denn viele Ärzte könnten nur dank der Einnahmen aus der PKV ihre Praxis samt Personal und medizinischen Geräten finanzieren - davon profitierten alle Patienten. Die Bürgerversicherung würde dann vielen Praxen den Todesstoß versetzen. Außerdem propagierten die "Bürgerversicherer" wie Professor Karl Lauterbach, Gesundheitsökonom und Kandidat fürs Gesundheitsministerium im Schattenkabinett von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück, eine Planwirtschaft mit Polikliniken nach DDR-Muster. "Dies geschieht vermutlich auch im Interesse der Gesundheitskonzerne, würde zusätzlich die Existenz freier Arztpraxen bedrohen und den Ärztemangel verschärfen."

Der FÄ-Chef betont, dass die ambulante medizinische Versorgung bereits heute erheblich unterfinanziert ist. Von den Beiträgen zur gesetzlichen Krankenversicherung landen nur 15 Prozent in den Arztpraxen - dagegen 25 Prozent in der Bürokratie. Besonders die sogenannten Grundversorger unter den Haus- und Fachärzten ächzen unter niedrigen Pauschalhonoraren. "Die Bürgerversicherung löst aber diese Probleme nicht. Sie ist nicht nachhaltig, weil sie keine Rücklagen bildet - mit dem medizinisch-technischen Fortschritt und der Alterung der Gesellschaft werden die Kosten des Gesundheitswesens künftig aber steigen. Und sie schürt Sozialneid." Das könne für das gesellschaftliche Klima in Deutschland nicht gut sein.

Editorial

RoskiHerausgeber
Prof. Dr.
Reinhold
Roski

 

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