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Fuß- und Sprunggelenkschirurgie: Weit mehr als der schnelle Griff zum Skalpell

09.12.2014 11:13
München - Zur Behandlung von Verletzungen und Beschwerden am Fuß und Sprunggelenk gehört weit mehr als der schnelle Griff zum Skalpell. Darin waren sich die rund 500 Fuß- und Sprunggelenkspezialisten aus Klinik und Praxis einig, die an der 22. Jahrestagung der Gesellschaft für Fuß- und Sprunggelenkschirurgie (GFFC) vom 5. bis 6. Dezember 2014 in Unterschleißheim bei München teilgenommen haben.

Vor der Operation erst konservative Therapieoptionen ausschöpfen
Bei Schmerzen am Vorfußballen (Metatarsalgie) beispielsweise sollten zunächst verschiedene konservative Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft werden, betonte Dr. Hartmut Stinus, GFFC-Vorstandsmitglied und niedergelassener Orthopäde in Northeim: „Bei der klinischen Untersuchung achten wir auf das Stand- und Gangbild, aber auch auf Schwielen unter dem Vorfußballen. Denn diese Schwielen sind das Gedächtnis der Haut für Belastungen.“ Aus der Art und Lokalisation der Schwiele lassen sich Rückschlüsse auf das individuelle Belastungsmuster des Fußes und damit die Ursache der Beschwerden ziehen. „Nicht immer ist eine Operation notwendig, um Schmerzfreiheit zu erzielen. Häufig können maßangefertigte orthopädische Einlagen die Beschwerden des Patienten lindern“, sagte Stinus.

Austausch mit Orthopädieschuhtechnikern und Physiotherapeuten
Damit die Einlagen genau auf die Beschwerden des Patienten abgestimmt sind, sollte der Fuß- und Sprunggelenksexperte engen Kontakt zum Orthopädieschuhtechniker halten, bei dem die Einlagen angefertigt werden. Um den fachlichen Austausch zwischen den Professionen zu verbessern, waren bei der 22. GFFC-Jahrestagung deshalb auch Vertreter des Münchener Zentralverbandes Orthopädieschuhtechnik (ZVOS) in etliche wissenschaftliche Sitzungen eingebunden. So berichtete Matthias Löffler, Orthopädieschuhtechniker aus Mössingen: „Bevor wir eine Einlage anpassen, wird der Fuß des Patienten auch bei uns klinisch gründlich untersucht. Es folgen ein Trittbild und ein Gipsabdruck, anhand derer wir dann eine individuelle Einlage anpassen können.“ Auch die Berufsgruppe der Physiotherapeuten lieferte wichtige Impulse: So mahnte Dr. phil. Jens Wippert, Physiotherapeut aus München, bei Fehlbelastungen des Fußes immer den ganzen Menschen im Blick zu behalten: „Wenn man die einseitige Belastung des Vorfußes verringern möchte, muss man den Patienten auch dazu anleiten, auf die Haltung seiner Wirbelsäule und Hüfte zu achten. Nur bei einer aufrechten Wirbelsäule ist die Belastung auf den Fuß gleichmäßig verteilt, so dass die Muskeln sie gut abfedern können.“

Biomechanik: Wie verteilt sich die Belastung auf den Fuß?
Unverzichtbar für die exakte Diagnostik und indikationsgerechte Therapie von Verletzungen und Beschwerden am Fuß- und Sprunggelenk sind für alle Behandler deshalb auch genaue Kenntnisse der Biomechanik des Fußes. Hierzu fasste der renommierte Biomechanik-Experte Dr. Ing. Hilaire A. C. Jacob aus Winterthur die Erkenntnisse der biomechanischen Forschung der vergangenen Jahrzehnte zusammen: „Wir wissen heute viel über die Kräfte, die im Stand und in Bewegung auf den Fuß wirken, und auch über neuronale Zusammenhänge. Was die Lage und Stellung der einzelnen Elemente des Fußes zueinander (Propriozeption) angeht, ist allerdings noch weitere Forschung notwendig.“

Vergabe von drei GFFC-Reisestipendien
Die Forschung und der fachliche Austausch auf allen Gebieten der Fuß- und Sprunggelenkschirurgie ist der GFFC ein zentrales Anliegen. Der bei einer GFFC-Mitgliederversammlung am 5. Dezember 2014 in seinem Amt bestätigte GFFC-Präsident Prof. Markus Walther aus München vergab daher auch in 2014 drei Reisestipendien an engagierte Fuß- und Sprunggelenksspezialisten, die ihre Kenntnisse im Rahmen von Hospitationen bei international führenden Experten vertiefen möchten. Weiterhin wurde das ebenfalls ausgelobte Forschungsstipendium vergeben.

Editorial

RoskiHerausgeber
Prof. Dr.
Reinhold
Roski

 

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