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Generika: Dringender Handlungsbedarf

Durch Hemmnisse des Generikawettbewerbs gehen denKrankenkassen erhebliche Einsparungen verloren. Das ist das Ergebnisder neuen Studie "Generika in Deutschland: Wettbewerb fördern -Wirtschaftlichkeit stärken", die das Berliner IGES-Institut im Auftragvon Pro Generika erstellt hat. So hätte die GesetzlicheKrankenversicherung (GKV) bei funktionierendem Wettbewerb allein bei10 der untersuchten Wirkstoffe innerhalb von 24 Monaten Einsparungenvon bis zu 655 Mio. Euro realisieren können.

Bei der Vorstellung des Gutachtens in Berlinnannte Studienautor und IGES-Geschäftsführer Dr. Martin Albrecht alsGründe hierfür neben Rabattvereinbarungen zwischen Krankenkassen undErstanbietern auch Patentstreitigkeiten, fachliche Kontroversen überdie vermeintliche Gleichwertigkeit von Generika bzw. Biosimilars oderProduktanpassungen der Erstanbieter kurz vor Patentablauf sowieZulassungserweiterungen, mit denen Erstanbieter ihre Marktexklusivitätzeitlich ausweiten.Marktkonzentration schwächt PreiswettbewerbSpeziell die Rabattverträge mit Erstanbietern über den Patentablaufhinaus verringerten die Wettbewerbsintensität. Obwohl deutlichpreiswertere Generika zur Verfügung stünden, verlängerten dieseexklusiven Verträge die Marktdominanz der "Altoriginale" undsteigerten damit gleichzeitig die Marktkonzentration. "Es besteht dasRisiko, dass anfängliche Einsparungen durch Rabattverträge mitOriginalherstellern im Zeitverlauf zu Verlusten werden, vor allem wenndiese Verträge längerfristig Markteintritte von Generikaanbieternverhindern und den Preiswettbewerb schwächen", so Albrecht.Zudem deuteten neuere Entwicklungen wie die jüngstenAOK-Ausschreibungen darauf hin, dass Rabattverträge das Risiko vonMarktkonzentrationen erhöhen und Wettbewerb behindern können. Sohatten die zehn umsatzstärksten Arzneimittelanbieter des Marktesgenerikafähiger Wirkstoffe mit Rabattvertrag im vergangenen Jahr einenAnteil von 75 % am Gesamtumsatz dieses Marktsegments. Dagegen lag derentsprechende Anteil der zehn umsatzstärksten Arznei-mittelanbieter imgenerikafähigen Markt ohne Rabattvertrag bei nur 35 %. Albrecht: "Inden zurückliegenden Tranchen der AOK-Ausschreibungen wurden jeweilsmehr als 75 % des ausgeschriebenen Umsatzes sogar an nur drei bis fünfAnbieter vergeben."Aufforderung zur "evidenzbasierten Diskussion" um RabattverträgeFür Wolfgang Späth, den Vorstandsvorsitzenden von Pro Generika, belegtdie Studie, dass der Generikawettbewerb in Deutschland durch äußereEinflüsse nicht in allen Wirkstoffmärkten so funktioniert, wie erkönnte und sollte. Die immer wieder aufgestellte Behauptung, erstRabattverträge sorgten für Wettbewerb, sei schlichtweg "Unsinn".Darüber müsse man mit Politik und Krankenkassen reden. "Wir wollenaber nicht nur Meinungen und Standpunkte austauschen, sondern mit denAkteuren des Gesundheitssystems eine ‚evidenzbasierte Diskussion’führen. Hierfür liefert das IGES-Gutachten dank seinerwissenschaftlich erhobenen und ausgewerteten Daten sehr guteGrundlagen."Weichen jetzt pro nachhaltigem Wettbewerb stellen!Pro Generika-Geschäftsführer Bork Bretthauer leitete aus derIGES-Studie konkrete Maßnahmen für mehr Wettbewerb ab. So müsse es mitdem Patentablauf eine "Stunde Null" geben. "Das heißt nichts anderes,als dass alle Krankenkassenmärkte für alle Generikaanbieter offen seinmüssen. Denn nur dann kann der Preiswettbewerb in Fahrt kommen.Rabattverträge von Anbietern patentgeschützter Arzneimittel dürfenentsprechend nur bis zum Ablauf des Patents gelten. Anschließendmüssen sie unwirksam sein", erklärte Bretthauer. Das alleine reiche aber nicht aus. Um nach Patentablauf faire undgleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Anbieter zu garantieren undden Wettbewerb auch nachhaltig zu gestalten, tritt Pro Generikazusätzlich für eine zweijährige vertragsfreie Wettbewerbsphase ein.Denn sowohl die Untersuchungen des IGES wie auch die jüngste Studieder EU-Kommission zu den Arzneimittelmärkten in Europa zeigen, dass esbis zu zwei Jahre braucht, bis sich der Generikawettbewerb vollentfaltet bzw. eine sehr hohe Marktdurchdringung mit Generikaentwickelt hat. "Das sind zwei konkrete Maßnahmen, die denpatentfreien Arzneimittelmarkt für alle Anbieter öffnen und damit denGenerikawettbewerb nachhaltig gestalten können", erläuterte der ProGenerika-Geschäftsführer. Der Handlungsbedarf ist dringend. "Aus unserer Sicht brauchen wirrasch eine politische Lösung", so Bretthauer "denn angesichts derüberdurchschnittlich hohen Patentabläufe in den nächsten Jahren müssendie Weichen jetzt gestellt werden - Pro nachhaltigem Wettbewerb!"Die Statements zur Pressekonferenz sowie die Studie "Generika inDeutschland: Wettbewerb fördern - Wirtschaftlichkeit stärken" (inKurz- und Langfassung) stehen zum Download unter http://www.progenerika.de/Presse bereit.