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Investitionsstau und Digitalisierungsprobleme in deutschen Krankenhäusern

08.06.2020 17:23
Drei von vier Krankenhäusern in Deutschland sind nicht ausreichend investitionsfähig. Die unzureichende Investitionsfinanzierung der Krankenhäuser ist der Hauptgrund, warum seit mehr als 10 Jahren zwischen 30% und 50% der Krankenhäuser Verluste schreiben. Das ist das Ergebnis mehrerer DKI-Studien zur Investitionsfähigkeit der deutschen Krankenhäuser.

Die maßgebliche Ursache für die schwache Investitionsfähigkeit ist eine nicht hinreichende Finanzierung der Investitionskosten der Krankenhäuser durch die Bundesländer. Die Krankenhäuser sind gezwungen, die betriebswirtschaftlich erforderlichen Investitionen selbst zu finanzieren. Eigenmittelfinanzierte Investitionen schmälern das Betriebsergebnis bis hin zum Verlustrisiko. Eine unzureichende Investitionsquote bedingt eine Überalterung und Substanzverzehr bei der baulich-technischen Infrastruktur der Krankenhäuser mit möglicherweise abträglichen Folgen für die Patientenversorgung.

Faktisch wird nur noch die Hälfte der Krankenhausinvestitionen aus öffentlichen Fördermitteln bestritten. Die andere Hälfte der erforderlichen Investitionen steuern die Krankenhäuser anderweitig bei, etwa über Überschüsse aus den Leistungsentgelten. Die Gewinnmargen der Krankenhäuser reichen aber zumeist nicht aus, um den Investitionsbedarf zu decken oder Kredite finanzieren zu können. Nur jeweils rund ein Viertel der Krankenhäuser hat in den letzten Jahren eine hinreichende Rendite zur Finanzierung notwendiger Investitionen erzielt oder erwartet dies für die Zukunft.

Die Unterfinanzierung der Krankenhausinvestitionen führt zu einem erheblichen Investitionsstau. Für die nächsten fünf Jahre beträgt der Investitionsbedarf der deutschen Krankenhäuser rund 7 Mrd. € pro Jahr. Die öffentliche Förderquote durch die Bundesländer lag in den letzten Jahren nur bei 2,7 Mrd. € pro Jahr. Der Investitionsbedarf ist damit um das Zweieinhalbfache höher als aktuell die öffentlichen Fördermittel für Krankenhausinvestitionen.

Bei der Finanzierung der Investitionskosten besteht daher dringender Handlungsbedarf. Ohne eine grundlegende und nachhaltige Lösung der Investitionsfinanzierung sei die Zukunft der Krankenhausversorgung nicht gesichert.

Besonders gravierend sind die Investitionsprobleme bei der Digitalisierung im Krankenhaus. Die Digitalisierung gilt als wichtiger Schlüssel für eine bessere und effizientere Krankenhausversorgung. Gleichwohl hinkt Deutschland im internationalen Vergleich bei der Digitalisierung im Krankenhaus hinterher. Für eine umfassende Digitalisierung fehlen die finanziellen Mittel. Die IT-Infrastruktur ist teilweise veraltet und intern wie extern zu wenig vernetzt. Telemedizinische und telematische IT-Lösungen kommen nur selektiv zum Einsatz.

Weniger als die Hälfte der Häuser hat eine einheitliche krankenhausweite elektronische Patientenakte oder eine elektronische Medikationsunterstützung bzw. Arzneimittelsicherheitsprüfung. Einen geringen Verbreitungsgrad haben vor allem telematische und telemedizinische Anwendungen, wie Telekonsile und Telemonitoring, und die IT-gestützte elektronische Entscheidungsfindung bei Diagnostik und Therapie.

In den deutschen Krankenhäusern werden die Potenziale der Digitalisierung zwar erkannt, aber vielfach noch nicht ausgeschöpft. Hauptgrund ist, wie auch in anderen Bereichen der Krankenhausinfrastruktur, die völlig unzureichende Investitionsfinanzierung der Krankenhäuser. Die öffentlichen Fördermittel reichen zur Investitionsfinanzierung bei weitem nicht aus. Aus Eigenmitteln ist die Digitalisierung der Krankenhäuser nicht zu finanzieren.

Eine umfassende Digitalisierung ist ein zentraler Baustein für die Zukunftsfähigkeit der deutschen Krankenhäuser. Für diesen Zweck ist ein öffentliches Investitionsprogramm erforderlich, so das Fazit der DKI-Studien.



Editorial

RoskiHerausgeber
Prof. Dr.
Reinhold
Roski

 

Problem „Low-Value-Care“

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