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Kongress wird Qualitätsgedanken klarer definieren

20.01.2015 11:20
2 bis 4 Prozent der Krankenhaus-Patienten erleiden ein vermeidbares, auf Fehler zurückzuführendes unerwünschtes Ereignis, das durch die Behandlung bedingt ist. Für Deutschland heißt das, dass jedes Jahr zwischen 380.000 und 760.000 Krankenhauspatienten von Schäden betroffen sind, die auf Fehler zurückgehen, was in rund 19.000 vermeidbaren Todesfällen pro Jahr kulminiert. Wohlgemerkt vermeidbaren! Dazu kommen zwischen 100.000 und 200.000 pro Jahr wiederum vermeidbare nosokomiale Infektionen, die erneut in 2.500 bis 5.000 Todesfällen ihren traurigen Höhepunkt finden. Und jährlich werden noch einmal zwischen 380.000 und 950.000 Krankenhaus-Aufnahmen wegen Arzneimittel-„Nebenwirkungen“ verzeichnet. All das spielt sich im Krankenhausbereich ab, der seit Beginn der Qualitätsdiskussion in Deutschland jener Sektor ist, in dem die meisten Qualitätsindikatoren definiert sind, als auch seit Jahren erhoben werden. Vor dem Hintergrund dieser und vieler weiterer Qualitätsdefizite, die im Gutachten „Qualität 2030“ als umfassende Strategie für das Gesundheitswesen vorgestellt wurden, sieht der Kölner Prof. Dr. med. Matthias Schrappe zahlreiche Handlungsoptionen, die einen einzigen Nenner haben: „Es gibt kein weiter so“, sagt Schrappe, der seine Position auf dem MVF-Kongress „Qualität 2015 - vom Messen zum Steuern“ der breiten Diskussion – aus Sichtweise der Politik, der Kassen und der Leistungserbringer – stellen wird.

>> Gegen Qualität an sich hat natürlich niemand etwas. Das Problem indes ist, dass gerade von ärztlicher Seite  immer wieder Qualitätsmessung mit einem diagnostischen Verfahren verwechselt wird, wie Schrappe meint. Er zitiert hier Prof. Dr. Dr. Serban-Dan Costa, Direktor der Universitäts-Frauenklinik Otto-von-Guericke an der Universität Magdeburg, der unlängst im „Ärzteblatt“ postulierte, dass Qualitätsmanagement „für die Wissenschaftler ähnlich nützlich wie die Ornithologie für die Vögel“ sei; eine Ansicht, die nach Schrappe ein seit den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts überwunden geglaubtes Verständnis der Gesundheitsvesorgung zum Ausdruck bringe, das „auf einem impliziten und paternalistischen Qualitätsverständnis“ beruhe und den Patienten, der Gesellschaft und den finanzierenden Einrichtungen das Recht und die Befähigung abspreche, etwas über die Abläufe der Behandlung und die Behandlungsergebnisse in Erfahrung zu bringen und darüber kritisch zu befinden.
Tun sie das? Wenn ja wie? Antworten darauf gibt der MVF-Kongress „Qualität 2015 - vom Messen zum Steuern“. Gerade in einer Zeit, in der seitens der Politik vom nie ganz klar definierten Qualitätsgedanken wahre Wunderdinge wie qualitätsorientierte Honorierung und Bedarfsplanung erwartet werden, muss endlich grundlegend diskutiert und konsentiert werden, ob – so Schrappe im Titelinterview mit MVF 06/14 – „wir unsere derzeitigen Anstrengungen auf der Basis der richtigen Grundannahmen und unter einer Perspektive unternehmen, die zielorientiert die richtigen Probleme thematisiert und auch mit hinreichender Wahrscheinlichkeit zu Lösungen führt.“ Schrappe weiter : „Es ist nicht sinnvoll, einen sowieso schon hoch drehenden Motor noch weiter in den roten Bereich zu treiben, ohne dass der Kurs und das Ziel
klar ist.“

Doch: Wer bestimmt Ziel und Kurs? Eine erste Annäherung an diese ebenso komplexe wie weitreichende Thematik eröffnet der kommende MVF-Kongress, auf dem wie gewohnt die verschiedenen Stakeholder des Gesundheitssystems zu Wort kommen und offen wie kontrovers diskutieren. <<

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