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KVB-Vorstand: Einjährige Testphase für alle Anwendungen der Telematikinfrastruktur notwendig

Sehr kritisch sieht der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) die verpflichtende Einführung gesetzlich festgelegter Anwendungen innerhalb der Telematikinfrastruktur (TI) ohne ausreichende Testphasen. Deshalb unterstützt er die Online-Petition mit dem Titel "Kassenarztrecht - Einführung von Flächentests zur elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung und zum eRezept", die Dr. Petra Reis-Berkowicz, Vorsitzende der KVB-Vertreterversammlung, im Bundestag eingereicht hat.

Diese kann ab sofort online unter https://epetitionen.bundestag.de/ mit der Nummer 126863 unterzeichnet werden oder durch Unterschriftenlisten in Praxen und anderen Gesundheitseinrichtungen verbreitet werden. Ziel der Initiatoren ist es, innerhalb von vier Wochen 50.000 Mitzeichner zu gewinnen. Mehr Informationen dazu sowie einen Link zur Petition und eine Unterschriftenliste zum Ausdrucken gibt es auch auf der Internetseite der KVB unter www.kvb.de/petition-ti.

Kernaussage der Petition: Die Einführung von TI-Anwendungen wie elektronischer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung oder elektronischem Rezept muss über die ersten zwölf Monate als Testphase ausgestaltet werden, an der sich die Anwender freiwillig beteiligen können. Dazu erklärt der Vorstand der KVB, Dr. Wolfgang Krombholz, Dr. Pedro Schmelz und Dr. Claudia Ritter-Rupp: „Wir befürworten eine Digitalisierung im Gesundheitssystem, die verantwortungsvoll und sicher, mit nachhaltigem Nutzen für die Patientenversorgung betrieben wird und ohne Schaden in den Praxen umzusetzen ist. Prozesse wie das Ausstellen eines Rezepts oder die Krankschreibung, die in Arztpraxen bundesweit millionenfach pro Jahr ausgeführt werden, sind als digitale Verfahren zum Scheitern verurteilt, wenn sie nicht hinlänglich erprobt wurden und vollkommen fehlerfrei und zügig ablaufen.“

Die aktuellen Probleme der Praxen und der Krankenkassen mit den elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen hätten durch entsprechende Tests vermieden werden können. Dann hätte man erkennen können, welche Mängel in der Technik vorhanden sind und wie fehleranfällig und belastbar das Gesamtsystem ist. Die neuen elektronischen TI-Massenanwendungen verursachen massive Umstellungen in den Abläufen von Praxen, Apotheken und Krankenkassen. Die erforderlichen technischen Voraussetzungen standen zum Start Anfang Oktober aber nicht flächendeckend zur Verfügung. Eine entscheidende Voraussetzung für den Produktivbetrieb ist eine ausreichende Marktreife, die aus Sicht des Vorstands der KVB nur durch sorgfältige Flächen- und Lasttests erreicht werden kann.