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Aktuelle Pilotstudie verweist auf Potenzial der Cannabispflanze in der Suchtmedizin

16.07.2018 10:18
Wissenschaftler der Ludwig-Maximilians-Universität München haben eine Pilotstudie vorgestellt, die wichtige Erkenntnisse über den Cannabiskonsum von ambulant opioidsubstitutierten Patienten liefert. Aus der Studie geht hervor, dass Patienten mithilfe von Cannabis das Verlangen nach gefährlichen Suchtmitteln wie Alkohol, Benzodiazepine oder Opioide reduzieren können. 53 Prozent der befragten Teilnehmer führen die Verringerung des Suchtdrucks (Craving) als Grund für den anhaltenden Cannabiskonsum an. 61 Prozent berichten, dass ihr Stressempfinden mit Cannabis nachlässt.

Rund die Hälfte der Befragten gibt die positive Auswirkung auf die Stimmungslage als Konsummotiv an. Studienleiter Prof. Dr. Markus Backmund, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Suchtmedizin, erklärt: „Die Pilotstudie bestätigt unsere Hoffnung, dass die Pflanze in der Therapie von Abhängigkeitserkrankungen eine wirksame Alternative sein kann.“ Im Rahmen der Studie wurden nach Angaben der Maricann Group 129 opioidsubstituierte Patienten mittels standardisierter, validierter Fragebögen zu cannabisspezifischen Erfahrungen befragt. Im Vordergrund standen unter anderem die Menge des konsumierten Cannabis, die Konsumhäufigkeit, Konsummotive, etwaige Entzugserscheinungen und Nebenwirkungen.

Die Behandlung mit medizinischem Cannabis stellt eine relativ neue Therapieform in der Suchtmedizin dar, in der Experten viel Potenzial sehen. So ist die Cannabispflanze im Vergleich zu anderen Suchtmitteln wie Alkohol oder Kokain relativ unschädlich. Laut Wissenschaftlern der University of Pittsburgh Schools of Health Sciences sterben allein in den USA rund 170 Menschen pro Tag an einer Überdosierung, die auf verschreibungspflichtige Schmerzmittel zurückzuführen ist.

Eine solche Überdosis-Krise sei mit Cannabis gar nicht möglich, unterstreicht Backmund. Hinzu käme, dass dem Arzt mit Cannabis eine höhere therapeutische Breite zur Verfügung steht als bei Methadon beispielsweise. „Wenn wir einem Patienten eine zu hohe Dosis eines Opiats verabreichen, kann es sofort zu einem Atemstillstand kommen. Bei Cannabis haben wir nicht annähernd ein so hohes Risiko. Mit der Verschreibungsfähigkeit des Cannabis-basierten Medikaments erhalten wir eine Option für die Therapie von Suchtkranken, die den Opiathunger reduziert und im Vergleich zu anderen Substanzen eindeutig weniger gefährlich ist“, fügt er hinzu.

Tatsächlich, so stellt das Unternehmen fest, sei das Potenzial der Cannabispflanze in der Suchtmedizin noch wenig erforscht. Bisher habe es lediglich Hinweise darauf gegeben, dass der in der Cannabispflanze vorhandene Wirkstoff Cannabidiol (CBD) die morphinabhängige Belohnungsreaktion im Gehirn und die Rückfallrate bei Morphinabhängigkeit reduzieren kann. Doch auch die im Rahmen der Pilotstudie erhobenen Daten werfen Fragen auf: So weisen zum Beispiel erste Analysen auf signifikant höhere Opioidsubstutionsdosen bei regelmäßigen Cannabiskonsumenten hin. Die Pilotstudie dient deshalb als Grundlage für weitere dringend benötigte klinische Studien über das Cannabiskonsumverhalten opioidabhängiger Patienten. Das Design der Anschlussstudien sieht vor, dass den Teilnehmern Cannabis-basierte Medikamente mit unterschiedlichen Wirkstoffkonzentrationen verabreicht werden. Ziel sei es, die Wirkungsweise der Inhaltsstoffe im Körper zu untersuchen, um neue Therapieansätze zu entwickeln.

Die Pilotstudie wurde auf dem 19. Interdisziplinären Kongress für Suchtmedizin in München vorgestellt. Diese und weitere Anschlussstudien werden von dem kanadischen Cannabis-Produzenten, Maricann, finanziert.

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