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DGP fordert gesundheitspolitische Maßnahmen gegen Produkte wie E-Zigaretten

05.08.2021 13:08
Der kürzlich erschienene Report der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur globalen Tabakepidemie 2021 konstatiert erhebliche Fortschritte vieler Länder im Kampf gegen den Tabakkonsum. Diese Fortschritte sieht die WHO jedoch durch die Einführung neuer Nikotin- und Tabakerzeugnisse – wie die E-Zigarette – durch die Tabakindustrie gefährdet. Solche Produkte werden in vielen Ländern bislang nicht wirksam reguliert. Amerikanische Studien belegen, dass sich besonders Kinder und Jugendliche von diesen elektronischen Nikotinabgabesystemen angezogen fühlen. Dadurch besteht die Gefahr, dass eine neue Generation nikotinabhängig gemacht wird. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e. V. (DGP) und die Deutsche Lungenstiftung e.V. (DLS) fordern eine konsequente Regulierung neuer Nikotinprodukte.

Dazu gehören ein umfassendes Werbeverbot bereits ab 2022, eine wirksame Besteuerung, ein Nutzungsverbot von E-Zigaretten an allen Orten, an denen Rauchverbote bestehen, und ein Verbot von Aromastoffen, durch die insbesondere Jugendliche an den Nikotinkonsum herangeführt werden. Die DGP setzt sich auch für die Kostenübernahme von Tabakentwöhnungsprogrammen ein.

Allein im vergangenen Jahr gab es über acht Millionen Todesfälle weltweit durch Tabak-assoziierte Erkrankungen wie Lungenkrebs, COPD, Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems oder Tuberkulose – Tabakkonsum hat weitreichende Auswirkungen auf die Gesundheit und Lebenserwartung. Seit einigen Jahren sind elektronische Nikotinabgabesysteme, wie die E-Zigarette, auf dem Markt. Für deren Gebrauch sind bis zu 16.000 verschiedene Aromen erhältlich, von denen viele für Heranwachsende attraktiv sind: Dem aktuellen WHO-Report zufolge zeigen in den Vereinigten Staaten durchgeführte Studien, dass Aromen eine wichtige Rolle beim E-Zigarettenkonsum von Kindern und Jugendlichen spielen. Auch Nikotinbeutel, die neuerdings auf den Markt drängen, sind für Jugendliche attraktiv. Die Tabakindustrie vermarktet diese Produkte als gesündere Alternative zum Tabakrauchen. „Es gibt aber immer mehr Belege für schädliche Auswirkungen von elektronischen Nikotinabgabesystemen auf die Gesundheit. Der Konsum von E-Zigaretten schädigt unter anderem das Herz-Kreislauf-System und die Atemwege, wirkt sich aber auch negativ auf die Hirnentwicklung von Jugendlichen aus“, sagt Professor Dr. med. Wulf Pankow, DGP-Vertreter im Aktionsbündnis Nichtrauchen (ABNR).

Der Lungenspezialist erklärt: „Ebenso wie beim Rauchen werden dabei Giftstoffe in die Lunge und das Blut aufgenommen. Je nach E-Zigarettentyp und Zusammensetzung des verwendeten Liquids enthalten die elektronischen Verdampfer atemwegsreizende Substanzen wie Propylenglykol, krebserregende Substanzen wie Formaldehyd und teilweise gesundheitsschädigende Metalle wie Blei, Chrom und Nikotin.“

Zudem steige bei heranwachsenden E-Zigaretten-Konsumierenden auch die Wahrscheinlichkeit um mehr als das Doppelte, dass sie neben der elektronischen Variante schließlich auch zu herkömmlichen Zigaretten greifen. Zuweilen werden E-Zigaretten als geeignetes Mittel zum Rauchstopp beworben. Die Beweise für die potenzielle Rolle von E-Zigaretten bei der Raucherentwöhnung, insbesondere auf Bevölkerungsbasis, sind laut dem WHO-Report jedoch nicht schlüssig. Die DGP sieht darin ihre Position bestätigt.

„Eine Tabakabhängigkeit kann hingegen sehr erfolgreich mit evidenzbasierten und leitliniengestützten Methoden behandelt werden“, sagt Professor Dr. med. Stefan Andreas, Ärztlicher Leiter der Lungenfachklinik Immenhausen und Leiter des Bereichs Pneumologie an der Universitätsmedizin Göttingen: „Wir appellieren daher an die Politik, medikamentös begleitete Entwöhnungsprogramme stärker zu fördern und zu unterstützen. Entscheidend hierfür ist unter anderem eine Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen.“

Professor Dr. med. Claus Franz Vogelmeier, Vorsitzender der Deutschen Lungenstiftung, ergänzt: „Darüber hinaus fordern wir die konsequente Anpassung des Nichtraucherschutzes an die Vorgaben der WHO. Diese sehen nicht nur ein vollständiges Werbeverbot für tabakhaltige Produkte vor, sondern auch ein einheitliches Rauchverbot in Gaststätten und im öffentlichen Raum sowie höhere Tabaksteuern.“ Ohne derartige, aus Sicht der DGP und der Deutschen Lungenstiftung dringende Maßnahmen würden künftig weiterhin neue Generationen für den Tabakkonsum gewonnen.

 

Mehr Informationen:

Zum aktuellen WHO-Report „Globale Tabakepidemie 2021“:
https://www.who.int/publications/i/item/9789240032095

Zum Positionspapier „COVID-19 und Rauchen“ der Task Force Tabakentwöhnung der DGP:
https://www.thieme-connect.de/products/ejournals/pdf/10.1055/a-1503-1744.pdf

Editorial

RoskiHerausgeber
Prof. Dr.
Reinhold
Roski

 

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