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"Problem des Ärztemangels viel akuter"

02.06.2010 16:35
Landesgruppe Baden-Württemberg des NAV-Virchow-Bundes zu den Vorschlägen von Sozialministerin Monika Stolz

Zu den Vorschlägen von Sozialministerin Monika Stolz, durch eine kleinteiligere Bedarfsplanung eine bessere ärztliche Versorgung zu erreichen, erklärt Dr. Olaf Boettcher, Vorsitzender der Landesgruppe Baden-Württemberg des NAV-Virchow-Bundes: „Ärztemangel lässt sich nicht durch Bedarfsplanung regeln, denn Ärzte lassen sich nicht einfach von A nach B verschieben. Das Problem des Ärztemangels ist viel akuter als die Politik es darstellt – auch wenn Sozialministerin Stolz Baden-Württemberg im Vergleich zu den übrigen Ländern als ‚bestversorgt’ beschreibt.

Statt einer Novellierung der Bedarfsplanung sind ganz andere Lösungsansätze gefragt. Der NAV-Virchow-Bund unterstützt seit über 30 Jahren kooperative Formen der ärztlichen Berufsausübung wie fachübergreifende Gemeinschaftspraxen und Ärztenetze. Diese sind Keimzellen für jetzt dringend notwendige neue Versorgungsstrukturen und einen reibungslosen Behandlungspfad zwischen Haus- und Fachärzten sowie zwischen Klinik und Praxis. Um einen Innovationsstau zu verhindern, fordert der Verband der niedergelassenen Ärzte, einen „Innovations-Etat“ in Form einer Anschubfinanzierung nach dem Vorbild der Integrierten Versorgung bereitzustellen.

Um Versorgungsengpässe im ambulanten und stationären Bereich zu verhindern, muss die Attraktivität der Arzttätigkeit in Klinik und Praxis dringend gesteigert werden. Dies kann durch die Etablierung Integrierter Aus- und Weiterbildungskonzepte geschehen. Filialpraxen in kleineren Ortschaften können zur Aufrechterhaltung der Vor-Ort-Versorgung beitragen.

Zentrenbildung – mit und ohne Einbindung der Krankenhäuser – ist unumgänglich. Hier braucht es zeitnah Zukunftskonzepte mit finanzieller Unterstützung der Kommunen, des Kreises oder des Landes. Der Politik sollte klar werden, was die niedergelassenen Haus- und Fachärzte Tag für Tag in ihren Praxen leisten und was sie der stationären Versorgung abzufedern in der Lage sind. Sollte auch nur ein Bruchteil der ambulanten Versorgung wegfallen, droht eine Verteuerung, bei der selbst der Politik Angst und Bange werden sollte. Es wird jetzt auf allen Ebenen massive Finanzierungsprobleme geben, eine kostenneutrale Lösung in der Fläche ist nicht mehr möglich. Dies muss von der Politik kommuniziert und transportiert werden. Gesundheit wird teurer – aber auch immer wertvoller.“

27.05.2010

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