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Qualitätsgerechte Versorgung bleibt noch Utopie

16.09.2014 12:30
Bei der Präsentation des Arzneimittel-Atlas 2014 in Berlin sagte der Autor Prof. Bertram Häussler, Leiter des IGES Instituts: „Die Ausgaben der GKV für Arzneimittel stiegen 2013 um 3,1% bzw. 896 Mio. Euro auf 30,09 Mrd. Euro. Nach einem Rückgang im Jahr 2011 und einem geringfügigen Anstieg 2012 lagen die Arzneimittelausgaben sogar leicht unter dem Niveau des Jahres 2010 (30,18 Mrd. Euro). Die geleisteten Rabatte der Hersteller betrugen 2013 5,67 Mrd. Euro und waren damit um 749 Mio. Euro bzw. 15,2 % höher als 2012.“

Für die forschenden Pharma-Unternehmen erklärte vfa-Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer im Rahmen der Pressekonferenz: "Die Ausgaben oder Preisprobleme der Gesetzlichen Krankenversicherung sind offensichtlich gelöst. Leider zeigen sich aber zunehmend Versorgungsprobleme im Gesundheitssystem: So muss Deutschland unnötige Schutzlücken bei Masern, Gebärmutterhalskrebs oder Infektionen mit Rotaviren beklagen. Moderne Arzneimittel erreichen in Deutschland nicht in dem Maße die Versorgungspraxis, wie es eigentlich erforderlich wäre. Dieser Befund gilt sowohl für das Thema Impfen als auch für viele innovative Therapieformen. Dabei war es ein gesetzgeberisches Ziel des Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetzes (AMNOG), den Patienten einen unmittelbaren Zugang zu innovativen Arzneimitteln zu ermöglichen. Dieses Ziel wurde bislang nicht erreicht. Die Analysen des Arzneimittel-Atlas zeigen, dass nur wenige Patienten, für die das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Krankenhäuser und Krankenkassen (G-BA) einen Zusatznutzen anerkannt hat, die entsprechenden Medikamente erhalten. In manchen Fällen liegt die AMNOG-gerechte Versorgungsquote mit Innovationen unter 10 Prozent. Das Pendel schlägt einseitig zu Gunsten von Einsparungen aus und hinterlässt Versorgungsdefizite. Die Nutzenbewertung nach AMNOG, die gerne als Garant für Versorgungsqualität gepriesen wird, erweist sich also als Innovationsbremse: Die Einschätzungen des Prüfinstituts (IQWiG) und des Entscheidungsgremiums (G-BA) liegen oft genug auseinander und zwischen G-BA und Versorgungspraxis klafft eine Umsetzungslücke. Das AMNOG, das immer wieder als lernendes System beschrieben wurde,  braucht dringend Nachhilfe durch den Gesetzgeber. Ein Gleichgewicht zwischen Einsparungen und notwendigen Investitionen muss wieder hergestellt werden.“, so Fischer weiter.

Der Arzneimittel-Atlas wird im Auftrag der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa) vom IGES Institut erstellt und erscheint mittlerweile in 9. Auflage.

Editorial

RoskiHerausgeber
Prof. Dr.
Reinhold
Roski

 

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