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"Zahlenjonglieren beseitigt den Ärztemangel nicht!"

02.02.2010 15:01
BNC kritisiert Kassenvertreter

In den vergangenen Wochen haben Vertreter der Krankenkassen immer wieder bestritten, dass es in Deutschland einen Ärztemangel gibt, der die flächendeckende und wohnortnahe Versorgung bedroht. Zuletzt behauptete mit Joachim Klose vom Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) auch ein Versorgungsexperte, es gebe keinen Ärztemangel, sondern ein Verteilungsproblem.

Er verwies dabei unter anderem auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis), wonach die Zahl der Ärzte in Deutschland seit den 1990-er Jahren deutlich gestiegen ist. Der Präsident des Berufsverbandes Niedergelassener Chirurgen (BNC) Dr. Dieter Haack kritisierte die Äußerungen Kloses scharf: "Die Vertreter der gesetzlichen Krankenkassen wollen die Versorgungsprobleme offensichtlich kleinreden. Doch sie beseitigen den Ärztemangel nicht, indem sie mit Zahlen jonglieren!" Einen Vergleich der Entwicklung der Arztzahlen zu 1990 bezeichnete Haack als unsinnig, da sich in der Zwischenzeit - wie von der Politik gefordert - zahlreiche Spezialisten niedergelassen haben, die jeweils nur einen kleinen Medizinsektor abdecken.

So haben sich beispielsweise ambulant operierende Chirurgen und Anästhesisten vermehrt Ende der 1990-er Jahre niedergelassen, weil der damalige Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer diese Entwicklung forcierte. Die Niederlassung dieser Spezialisten mit einem vollen Sitz in der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) begründete den Erfolg der ambulanten Chirurgie in Deutschland. 

Haack erklärte weiter: "Diese Ärzte besetzen zwar einen KV-Sitz, decken aber nicht das gesamte Spektrum der chirurgischen Medizin ab." Eine ähnliche Situation gibt es auch bei den Ärzten für Innere Medizin: Hier ließen sich viele spezialisierte Internisten wie Hämato-Onkologen, Gastroenterologen, Kardiologen etc. in eigener Praxis nieder, die es in dieser Form zu Beginn der 1990-er Jahre gar nicht gab. "Hier werden wieder einmal Daten des Statistischen Bundesamtes unkritisch und unreflektiert übernommen. Es ist Unsinn, ausschließlich Bezug zu nehmen auf die Gesamtzahl der Ärzteschaft. Eine Differenzierung nach Fachbereichen wäre unter dem angesprochenen Aspekt viel sinnvoller und realitätsnäher", sagte Haack.

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