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„Aut simile könnte die Therapiehoheit gefährden“

04.06.2018 14:00
Im Kurzinterview: Dr. Andreas Ludäscher, Geschäftsführer Pfizer Pharma PFE GmbH und Deutschlandchef von Pfizer Essential Health

>> Herr Dr. Ludäscher, welche Chancen sehen Sie in der Zukunft durch Biosimilars und wie möchte Pfizer als Unternehmen dazu beitragen?
Die Behandlungskonzepte, besonders bei schweren chronischen und potentiell lebensbedrohlichen Erkrankungen wurden durch biologische Arzneimittel revolutioniert. Da zahlreiche biologische Arzneimittel ihren Patentschutz bereits verloren haben oder in den nächsten Jahren verlieren werden, möchten wir durch die Bereitstellung von Biosimilars als wirtschaftliche Alternativen unseren Beitrag dazu leisten, Patienten kontinuierlich einen Zugang zu hochwirksamen Therapieoptionen zu ermöglichen und Ressourcen im Gesundheitssystem freizusetzen, die an anderer Stelle in Innovationen reinvestiert werden können.

Was motiviert Pfizer, sich für die Entwicklung und Herstellung von Biosimilars einzusetzen und diese voranzutreiben?
Es geht uns vor allem um eine nachhaltige Versorgung der Patienten. Pfizer hat es sich durch kontinuierliche Forschung und Entwicklung an qualitativ hochwertigen biologischen Arzneimitteln zum Ziel gesetzt, die Versorgung von Patienten mit innovativen und wirtschaftlichen Therapieoptionen kontinuierlich zu verbessern. Wir setzen uns dafür ein, dass nachhaltige Versorgungskonzepte für Patienten angeboten werden können und sehen die Wirksamkeit der Therapie sowie die Patientensicherheit als höchste Priorität, bei der nach wie vor der behandelnde Arzt entscheidet, welche Therapie am besten für den jeweiligen Patienten geeignet ist.

Wie würden Sie den Stellenwert von Biosimilars für Pfizer beschreiben?
Mit mehr als 30 Jahren Biologika-Erfahrung greift Pfizer auf ein umfassendes wissenschaftliches Verständnis bei der Entwicklung, Herstellung und Vermarktung von biologischen Arzneimitteln zurück. Bei der Herstellung von Biosimilars ist Pfizer bereits seit zehn Jahren aktiv. Aktuell sind mit „InflectraTM“ (Infliximab), „Nivestim“ (Filgrastim) und „Retacrit“ (Epoetin zeta), drei Biosimilars von Pfizer in der EU zugelassen. In den nächsten Jahren werden noch weitere Biosimilars hinzukommen, die sich derzeit in der Entwicklung bzw. Zulassung befinden. Somit nehmen Biosimilars bei Pfizer bereits jetzt einen hohen Stellenwert ein, der in den kommenden Jahren noch wachsen wird.

Gibt es bestimmte Risiken, die in den kommenden Jahren die Entwicklung auf dem Biosimilarmarkt einschränken könnten?
Aus meiner Sicht besteht das größte Risiko darin, dass es zu einer rein Einsparpotenzial getriebenen Steuerung des Marktes mit einem irrationalen Preiswettbewerb kommen könnte. Der Markt der biologischen Arzneimittel darf nicht zu einem reinen Beschaffungsmarkt mit dem primären Fokus auf maximaler Kostensenkung „verkommen“, wie wir es bei Generika synthetischer Arzneimittel sehen. Mir schwebt vielmehr ein Versorgungsmarkt mit dem Ziel einer langfristigen und nachhaltigen Patientenversorgung vor, in welchem dennoch Einsparungen für das Gesundheitssystem generiert werden können. Um diesen Versorgungsmarkt zu etablieren, bedarf es entsprechender Rahmenbedingungen, die wir meines Erachtens bisher noch nicht haben. So sind zum Beispiel die Steuerungsinstrumente im GKV-Arzneimittelmarkt noch nicht ausreichend synchronisiert.

May und Wasem sprechen sich im MVF-Interview für eine Biosimilar-Quote und „aut item/simile“ aus. Wie steht Ihr Unternehmen dazu?
Der Markt biologischer Arzneimittel ist kein Beschaffungsmarkt wie bei Generika. Biosimilars sind deutlich aufwendiger und komplexer zu entwickeln und herzustellen – das sollte berücksichtigt werden. Wir fordern daher einen qualitätsorientierten Versorgungsmarkt, bei dem der Fokus auf den Patienten liegt. Gleichzeitig sollte die Hoheit, welche Therapie für den Patienten am besten ist, weiterhin beim Arzt liegen. Eine Austauschbarkeit über „aut simile“ und daraus folgende exklusive Ausschreibungen können diese Therapiehoheit gefährden. Sie tragen außerdem zu einem rapiden Preisverfall bei, der die Entwicklung und Herstellung zukünftiger Biosimilars erschwert. <<

Ausgabe 03 / 2018

Editorial

RoskiHerausgeber
Prof. Dr.
Reinhold
Roski

 

Theorien der Versorgungsforschung

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