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Eine Idee auf dem langen Weg in die Regelversorgung

04.04.2019 14:00
Prof. Dr. Jochen Schmitt, Kongresspräsident des in diesem Jahr zum 18. Mal stattfindenden Deutschen Kongresses für Ver-sorgungsforschung (DKVF) und Direktor des Zentrums für Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung (ZEGV) am Universitätsklinikum Dresden, bezieht Stellung zur anstehenden Großaufgabe der Versorgungsforschung: der Begleitung und Förderung des Transfers wirksamer Konzepte und Interventionen aus der Forschung in die Routineversorgung, mit deren Hilfe ein lernendes Gesundheitssystem geschaffen werden kann.

http://doi.org/10.24945/MVF.04.19.1866-0533.2154

>> Cardiolotsen als solche gibt es bislang im Kanon der Gesundheitfachberufe bislang noch gar nicht. Doch können in diversen medizinischen Assistenzberufen Tätige – Medizinische Fachangestellte, aber auch Ge-
sundheits-  und Krankenpfleger – diese Zusatzqualifikation zum Cardiolotsen durch eine zweimonatige  Weiterbildung erwerben. In dieser Zeit werden ihnen diverse Lernmodule wie Kommunikationstraining, Hospitationen, Datenmanagement und Coaching vermittelt. Die Module sollen als Grundlage für eine etwaige Standardqualifizierung zum Patientenlotsen in unterschiedlichen medizinischen Bereichen dienen. Zudem erfolgt beim Cardiolotsen eine medizinische Fachwissensvermittlung mit kardiologischem Schwerpunkt.
Bereits zum 1. November 2018 wurde mit der zweimonatigen Qualifizierung – durchgeführt sowohl von Kardiologen und kardiologischen Pflegefachkräften als auch von externen Experten – der ersten Cardiolotsen begonnen. Seit Januar 2019 haben elf Cardiolotsen ihre Arbeit an acht Klinikstandorten von Vivan-tes begonnen, dem größten kommunalen Krankenhauskonzern in Deutschland, der die Versorgung von rund 730.000 bei der AOK Nordost versicherten Berlinern abdeckt (was immerhin 20 Prozent der Berliner Bevölkerung ausmacht). Rund 900 Patienten haben denn auch bereits das Angebot wahrgenommen, doch sollen während des Projektverlaufs  insgesamt rund 2.000 bei der AOK Nordost versicherte Herzpatienten nach dem stationären Aufenthalt betreut werden, wobei die Cardiolotsen sowohl den Patienten als auch den Ärzten und Therapeuten als zusätzliche Ansprechpartner zur Verfügung stehen.


In dem dreijährigen Vorhaben wird die Ludwig-Maximilians-Universität München die Effekte einer persönlichen Patientenbeglei-tung am Beispiel chronisch Herzkranker wissenschaftlich untersuchen. Ist das Cardiolotsen-Konzept erfolgreich, könnte sich daraus ein eigenständiges Berufsbild eines Patien-tenlotsen entwickeln, das auch bei anderen chronischen Erkrankungen zum Einsatz kommen kann. Denn das Modell des Cardiolotsen soll – wenn die Ergebnisse positiv sind – als Prototyp für ein eigenständiges Berufsbild fungieren. So kann das verwandte Curriculum als Basis für andere Lotsenmodelle nach dem Vorbild des Cardiolotsen dienen, doch müssten Lotsen je Indikation geschult werden. Zudem ist das jetzige Zertifikat eine Eigenentwicklung im Projekt. Auch sollte künftig eine Anerkennung durch die Ärztekammer und/oder den Verband der medizinischen Fachberufe angestrebt werden.
Dennoch wird schon heute an Berliner Vivantes-Kliniken ein womöglich neues Berufsbild getestet, wie Dr. Andrea Grebe, Vorsitzende der Geschäftsführung von Vivantes, erklärt: „Unsere Cardiolotsen sorgen mit diesem innovativen Ansatz für eine bessere Vernetzung der Versorgungsebenen nach einer stationären Behandlung.“ Vivantes verspricht sich davon eine höhere Wirksamkeit der Therapie, mehr Lebensqualität für die bei Vivantes betreuten Patienten, verbunden mit der Hoffnung, dass diese – so Dr. Grebe – „dadurch seltener eine weitere stationäre Behandlung benötigen“. Mit diesem Ziel geht das neue Tätigkeitsfeld der persönlichen Patientenbegleitung weit über das bereits vielfach etablierte Entlassmanagement hinaus. Dieses Ziel ist aber auch ein evaluatorischer Endpunkt, an dem sich das Projekt messen lassen muss: Erwartet wird (und noch zu beweisen ist), dass die Intervention seitens der Cardiolotsen im Vergleich zur Regelversorgung zu einem Rückgang bei der Re-Hospitalisierungsrate und zu einer Senkung der Sterblichkeit führt.


In dem vom IF geförderten Modellprojekt sind die Cardiolotsen beim Vivantes-Netzwerk angestellt, zu dem neun Krankenhäuser mit rund 5.700 Betten, 17 Pflegeheime mit rund 2.300 vollstationären Pflegeplätzen, zwei Seniorenwohnhäuser, eine ambulante Rehabilitation, zwölf Medizinische Versorgungszentren, ein Hospiz sowie Tochtergesellschaften für Catering, Reinigung und Wäsche gehören. Dass indikationsspezifische Lotsen bei einem Krankenhaus angestellt sind, macht auch Sinn, weil bereits direkt während des stationären Aufenthalts die Patienten angesprochen werden und sich die Lotsen als persönlicher Ansprechpartner schon am Krankenbett vorstellen und dies auch später nach dem Krankenhausaufenthalt fortführen. Der Kontakt zwischen Cardiolotse und Patient entsteht bereits am Krankenbett, wo in einem persönlichen Gespräch über den Inhalt und die Ziele des Projekts sowie über die konkreten Unterstützungsmöglichkeiten informiert wird. Entscheiden sich die Patienten, an dem Projekt teilzunehmen, beginnt die mindestens einjährige Betreuung.
Grundsätzlich stellt sich zum Ende des Projektes jedoch die Frage, ob – in diesem Fall – der Cardiolotse in einem Krankenhaus angestellt sein muss, oder ob er doch besser bei niedergelassenen Hausärzten oder Fachärzten (Kardiologen) oder einer Managementgesellschaft angesiedelt sein sollte. Denkbar wäre auch eine Anstellung der Cardiolotsen direkt bei einer Krankenkasse, da immerhin rund 37 Prozent der bei der AOK Nordost Versicherten an einer chronischen Herz-Kreislauferkrankung leiden. „Zentrale Aufgabe der Cardiolotsen ist es, die Patienten persönlich und für diese gut verständlich in allen Belangen und zu allen Fragen rund um ihre Erkrankung aufzuklären und zu beraten“, sagt Daniela Teichert, designierte Vorstandsvorsitzende der AOK Nordost. Die Cardiolotsen stünden dabei in einem engen Vertrauensverhältnis zu den Betroffenen und nehmen sie buchstäblich an die Hand. „Das ist aus unserer Sicht elementar, damit Ängste und Unsicherheiten im Umgang mit der Krankheit abgebaut werden können. Langfristig werden die Patienten so befähigt, souverän mit ihrer Erkrankung umzugehen.“ <<           

von: MVF-Chefredakteur Peter Stegmaier

Zitationshinweis:

Stegmaier, P.: „Eine Idee auf dem langen Weg in die Regelversorgung“, in: „Monitor Versorgungsforschung“ (04/19), S. 14-15.; doi: 10.24945/MVF.04.19.1866-0533.2154

Ausgabe 04 / 2019

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