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IT-gestützte Anwendungssysteme zur Vermeidung von arzneimittelbezogenen Problemen – eine Literaturübersicht

31.03.2015 16:20
In der Bundesrepublik Deutschland wird der Anteil der über 65-Jährigen an der Gesamtbevölkerung von 20 % im Jahr 2008 auf 34 % im Jahr 2060 ansteigen (Statistisches Bundesamt 2009). Die Bevölkerungsalterung steht im engen Zusammenhang mit der Zunahme an Multimorbidität (Saß et al. 2010) sowie einem zahlenmäßigen Anstieg der Versorgung in stationären Langzeitpflegeeinrichtungen (Mennicken / Augurzky 2013). Als gut belegt gilt der Einfluss des Lebensalters auf den Arzneimittelkonsum. Im Jahr 2011 wird jeder GKV-Versicherte ab 65 Jahren mit im Mittel 3,8 Tagesdosen pro Tag behandelt (Coca / Schröder 2012). Im Jahr 2010 nahmen 42 % der über 65-jährigen Deutschen mit Arzneimitteltherapie fünf und mehr Wirkstoffe ein – einem Risiko infolge Polypharmazie sind hier 5,5 Mio. Menschen ausgesetzt (Thürmann et al. 2012). Pflegeheimbewohner nehmen im Mittel 6 verschiedene Präparate/Tag ein (Bartholomeyczik / Wilm 2010).

http://doi.org/10.24945/MVF.05.15.1866-0533.1920

Abstract
Insbesondere ältere Menschen nehmen aufgrund von Mehrfacherkrankungen häufig eine Vielzahl verschiedener Medikamente ein. Dies führt oftmals zu arzneimittelbezogenen Problemen, wie z. B. Medikationsfehler, unerwünschte Arzneimittelereignisse (UAE) und -wirkungen (UAW). Informationstechnologie (IT) soll die Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) und Arzneimittelsicherheit (AMS) unterstützen. Das Ziel des vorliegenden Review ist es, die Bereiche, in welchen IT-gestützte Systeme zur Gewährleistung der AMTS und AMS (AMTS-/AMS-IT) zum Einsatz kommen und die Motive für deren Implementierung darzustellen. Im Weiteren sollen die Auswirkungen von AMTS-/AMS-IT auf potenzielle UAE als Medikationsfehler, UAE, UAW und klinische Outcomes von Patienten mit einer Arzneimitteltherapie zusammengefasst werden. Im Fokus stehen ältere Menschen und die stationäre Langzeitpflege. Nach einer systematischen Literatursuche wurden hierzu englischsprachige Publikationen analysiert. AMTS-/AMS-IT werden derzeit hauptsächlich im akutklinischen Alltag eingesetzt und kaum in der Langzeitpflege. Hauptgründe für die Installation sind die Steigerung der Arzneimitteltherapiesicherheit und die Senkung von Versorgungskosten. Derzeit findet sich kein eindeutiger Wirksamkeitsnachweis von AMTS-/AMS-IT bezogen auf die Detektion und Abwendung von (potenziellen) UAE und UAW. Der Nutzen IT-gestützter Verfahren in Einrichtungen der Langzeitpflege bleibt weiter offen; ebenso die Frage ob ihr Einsatz zu einem direkten Patientennutzen führt. Zum endgültigen Wirksamkeitsnachweis sind weitere nutzenorientierte und gut dokumentierte Interventionsstudien unverzichtbar – vor allem im Bereich Langzeitpflege.

IT-based application systems to prevent drug-related problems – a literature overview
In particular, because of multiple morbidity elderly people frequently take a variety of drugs. This often leads to adverse drug events (ADE) and adverse drug reactions (ADR). Information technology (IT) should improve medication therapy safety (MTS) and medication safety (MS). This review aims to identify the settings in which IT-based systems to ensure MTS and MS (MTS-/MS-IT) are used and the motives for their implementation. Furthermore, it should be summarized the effects of MTS-/MS-IT on potential ADE as medication errors, ADE, ADR and clinical outcomes of patients with drug therapy. The focus is on the elderly and long-term care. By means of a systematic literature search publications in English language were analysed. MTS-/MS-IT are mainly used in acute clinical routine, but rarely in long-term care. Main motivations for their implementation are the improvement of medication therapy safety and reduction in costs of supply. Currently, there is no clear evidence in efficacy of MTS-/MS-IT in terms of the detection and prevention of (potential) ADE and ADR. The benefit of MTS-/MS-IT in long-term care facilities remains sketchy, as well as the question whether their use leads to a direct patient benefit, respectively. For final evidence further benefit-oriented and well-documented intervention studies are required – especially in long-term care.

Keywords
adverse drug event, adverse drug reaction, information technology, drug therapy safety, drug safety

Dipl.Pflegewirt (FH) Andreas Worch , Annika Schmidt, MSc , Dr. rer. cur. Johannes Gräske, MSc ,
Prof. Dr. rer. nat. Karin Wolf-Ostermann

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Zitationshinweis : Worch etal.: "IT-gestützte Anwendungssysteme zur Vermeidung von arzneimittelbezogenen Problemen – eine Literaturübersicht", in "Monitor Versorgungsforschung" (MVF) 04/15, S. 53-62); doi: 10.24945/MVF.05.15.1866-0533.1920

 

Ausgabe 05 / 2015

Editorial

RoskiHerausgeber
Prof. Dr.
Reinhold
Roski

 

 

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