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„Missverständnisse, Angst und Lobbying“

Warum tun wir uns in Deutschland mit der Telemedizin so schwer? Oder, anders gefragt: Warum tun wir uns mit der Anwendung moderner Telekommunikations- und Informationstechnologien, zusammengefasst in dem Kunstwort „Telematik“, im Gesundheitswesen so schwer? Warum spielt eHealth, das im europäischen Sprachgebrauch für diesen Themenbereich immer häufiger verwendete Wort, im Versorgungsalltag nach wie vor eine untergeordnete Rolle?

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Erstveröffentlichungsdatum: 16.10.2014

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>> Obwohl jedermann die Möglichkeiten moderner Telekommunikations- und Informations-technologie gerne und ständig in Anspruch nimmt und ihre Vorzüge anerkennt, hält sich der Gesundheitssektor damit zurück. Während Deutschland auf vielen Feldern der Medizin Bestleistungen liefert, während wir stolz darauf sind, eines der besten Gesundheitssysteme der Welt zu haben, bewegen wir uns bei der Anwendung von eHealth auf sehr konventionellen, ja überholten Bahnen. Insbesondere administrative Prozesse, Wissensvermittlungs- und Behandlungsverfahren bedienen sich kaum oder nur sehr zögernd der Möglichkeiten von eHealth. Wo liegen die zentralen Ursachen dafür?
Gründe für die Zurückhaltung
Ich halte hierfür fünf Ursachen verantwortlich:
1. Die medizinische Biografie eines Patienten ist nicht vollständig und für Kommunikationszwecke untauglich dokumentiert.
2. Die Behandlung im fragmentierten deutschen Gesundheitssystem ist eine Addition von Diagnose- und Therapieepisoden. Es fehlen integrierte Behandlungsketten der behandelnden Ärzte untereinander, des ambulanten mit dem stationären und dem Pflegebereich.  
3. Die bestehenden EDV-Verwaltungs- und Entscheidungssysteme sind isoliert, verfolgen punktuelle Ziele und haben Inselcharakter. Es existiert zwar eine Vielzahl von Praxisverwaltungs- und Krankenhausinformationssystemen, sie können aber nicht miteinander kommunizieren.
4. Es sind mehr patientenrelevante Informationen vorhanden, als tatsächlich abgegriffen werden können. Eine verbesserte Verfügbarkeit von individuell erhobenen Gesundheitsdaten könnte unnötig erfolgende Doppeluntersuchungen vermeiden.
5. Patienten sind überversorgt, ohne dass damit therapeutische Vorteile verbunden wären. Traditionelle, kostenmäßig ungünstige Behandlungsschritte werden nämlich nicht in gebotenem Umfang durch die eigentlich erforderliche und sinnvolle Kommunikation der Behandler untereinander substituiert. Diese Überversorgung wird durch eine defensive und einen Behandlungsaufwand scheinbar optimierende, in Wirklichkeit aber maximierende Medizin noch verschärft.
Vorstellungen zur Lösung dieser Fehlentwicklungen
Gesundheitspolitiker und IT-Fachleute sind der Überzeugung, dass sich diese Mängel durch die Einführung von Techniken der elektronischen Kommunikation und Information verbessern, wenn nicht gar vermeiden lassen. Nach ihrer Vorstellung bedarf es einer Telematikinfrastruktur, also eines Netzes von Verbindungen, durch das Gesundheitsdaten übermittelt werden. Den Zugang zu diesem Netzwerk sollte die elektronische Gesundheitskarte eröffnen. Sie wurde durch das 2003 ergangene Gesundheitsmodernisierungsgesetz eingeführt und sollte die ...

 

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