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DGI: Erste Leitlinie zur SARS-CoV-2 Prä-Expositionsprophylaxe erschienen

13.05.2022 10:40
Patient:innen mit einem stark geschwächten Immunsystem bauen nach einer Impfung oft keinen ausreichenden Immunschutz gegen Covid-19 und vor allem gegen schwere Verläufe auf. Für diese Patientengruppe kann die vorbeugende Gabe von SARS-CoV-2-neutralisierenden monoklonalen Antikörpern sinnvoll sein, um das Risiko einer Infektion, oder eines schweren oder gar tödlichen Verlaufs im Falle einer Infektion, zu reduzieren. In welchen Fällen die sogenannte Prä-Expositionsprophylaxe (PrEP) in Betracht kommt und wie sie durchgeführt wird, erläutert jetzt erstmals eine S1-Leitlinie für klinisch tätige Ärzt:innen.

Sie ist unter der Federführung der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI) und unter Mitwirkung von sieben weiteren medizinischen Fachgesellschaften entstanden. Die Leitlinie steht ab sofort zu Verfügung unter https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/092-002.html

Die Impfung gegen Covid-19 ist die wirksamste und wichtigste Maßnahme, um einen schweren Verlauf der Erkrankung zu verhindern. Eine hohe Schutzwirkung entfaltet diese jedoch nur bei einem funktionierenden Immunsystem. Bei Menschen mit Immundefizienz ist die körpereigene Abwehr geschwächt. Sie bauen aufgrund bestimmter Erkrankungen oder in Folge medikamentöser Behandlungen, wie etwa Chemotherapien, oft keinen ausreichenden Immunschutz nach einer Impfung auf. Gleichzeitig haben sie aufgrund ihres geschwächten Immunsystems ein hohes Risiko, im Falle einer Infektion einen schweren Verlauf der Erkrankung zu erleiden.

Patientinnen und Patienten mit schwerwiegender Immundefizienz, einem hohen Risiko für einen schweren Verlauf, sowie nachweislich nicht ausreichendem Ansprechen auf die Impfung, haben deshalb die Möglichkeit, eine Prä-Expositionsprophylaxe (PrEP) durchzuführen. Die prophylaktische Verabreichung von SARS-CoV-2-neutralisierenden monoklonalen Antikörpern reduziert im Fall einer Infektion das Risiko eines schweren oder tödlichen Verlaufs durch Covid-19. „Die SARS-CoV-2-PrEP ist allerdings keinesfalls als Ersatz für eine vollständig durchgeführte Schutzimpfung entsprechend aktueller STIKO-Empfehlungen zu verstehen. Auch Patienten mit geschwächtem Immunsystem profitieren in den meisten Fällen von einer intensivierten Impfserie“, sagt Jakob J. Malin, Infektiologe an der Uniklinik Köln, der gemeinsam mit Priv.-Doz. Dr. med. Christoph Spinner, Oberarzt und Pandemiebeauftragter am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität in München, die Leitlinie koordiniert hat.

SARS-CoV-2 neutralisierende monoklonale Antikörper kommen sowohl im frühen Stadium einer Erkrankung als auch vorbeugend, als passive Immunisierung, zum Einsatz. Im Verlauf der Pandemie standen verschiedene neutralisierende monoklonale Antikörper (nMAK)- Präparate zur Verfügung. Die Wirkweise durch Bindung der nMAK an spezifischen Stellen des Hüllenproteins (Spike-Protein) von SARS-CoV-2 macht diese Wirkstoffe jedoch anfällig für Wirkungsverluste durch neu auftretende Virusvarianten mit Mutationen, welche Einfluss auf die Bindungsstelle haben, wie im Fall der Omikron-Variante beobachtet wurde. Das neueste Präparat, das seit März 2022 zu Verfügung steht, ist das Kombinationspräparat Tixagevimab/Cilgavimab (AZD7442). Es hat in Laboruntersuchungen auch gute Wirksamkeit gegenüber der Omikron-Variante, einschließlich der derzeit in Deutschland zirkulierenden Omikron-Subvariante BA.2, gezeigt. Dieses Präparat kann aktuell zur Prä-Expositionsprophylaxe in Deutschland und der EU eingesetzt werden.

Aktuell findet kein kommerzieller Vertrieb von nMAK-Präparaten, die zur SARS-CoV-2 PrEP eingesetzt werden können, in Deutschland statt. Die vorhandenen Bestände wurden vom Bundesministerium für Gesundheit im Rahmen der Pandemie beschafft. Sie können über bevorratende Stern- und Satellitenapotheken aus der Bundesnotfallreserve bezogen werden.

Die aktuelle S1-Leitlinie informiert Ärztinnen und Ärzte über den Hintergrund der Prä-Expositionsprophylaxe bei SARS CoV-2, über die Auswahl der Patientinnen und Patienten, Durchführung, Wirksamkeit und mögliche Risiken der Behandlung. Die Leitlinie ist einsehbar unter https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/092-002.html.

Editorial

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Prof. Dr.
Reinhold
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