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Hausärzte müssen Gestaltungsmöglichkeiten beim Klimaschutz nutzen

Treibhausgasemissionen, Landnutzungsänderungen und Luftschadstoffe sind treibende Faktoren für die Veränderungen im Klima-System. Der Klimawandel greift die Gesundheit der Menschen an. Nachhaltiges Handeln, Ressourcenschonung und ein klimaneutrales Gesundheitswesen sind zwingend notwendig. Klimaschutz ist Gesundheitsschutz. Der Vorstand des Hausärzteverbandes Nordrhein e. V. begrüßt, dass der Deutsche Ärztetag 2021 (01.-02.11.2021) dieses zukunftsentscheidende Thema aufgreift und zu Leitanträgen beraten und entscheiden wird.

Die Herausforderungen durch besondere Lagen Pandemie, Extremwetterereignisse und der „neuen Realität“ durch den anthropogenen Klimawandel für das Gesundheitswesen sind vielfältig. Der Hausärzteverband Nordrhein hat die Handlungsfelder zum Klimaschutz und die Konsequenzen für die hausärztliche Versorgung in einem Klimaschutzpapier zusammengefasst.

„Das Gesundheitswesen ist nicht unerheblich an Treibhausgasemissionen beteiligt“, erklärt der Vorsitzende des Hausärzteverbandes Nordrhein, Dr. Oliver Funken. „Hausarztpraxen und hausärztliche Versorgung vor Ort spielen eine wesentliche Rolle bei der gesundheitlichen Bewältigung von Pandemie, Extremwetterereignissen, dem Schutz vulnerabler Gruppen und der Begrenzung des Klimawandels innerhalb der nächsten Jahre. Hausarztpraxen können Patienten auf die Gefahren von Hitzewellen vorbereiten, resiliente Praxen vor Ort aufbauen und präventiv tätig werden.“ Ein klimafreundlicher gesunder Lebensstil mindert in einem beträchtlichen Umfang Erkrankungen wie Diabetes, Hochdruck, Demenz und Krebs. Gleichzeitig werden weniger Ressourcen verbraucht und weniger Abfall und Treibhausgasemissionen im Gesundheitswesen verursacht. „Die Belege dafür liegen vor“, so Dr. Funken. „Es muss jetzt gehandelt werden.“

In den nächsten Tagen stehen wichtige und weitreichende Beschlussfassungen und Entscheidungen sowohl beim Deutschen Ärztetag als auch international bei der Weltklimakonferenz an. Der Vorstand des Hausärzteverbandes Nordrhein setzt mit seinen Vorschlägen einen Impuls und ruft alle Hausärztinnen und Hausärzte auf, in den aufgezeigten Handlungsfeldern tätig zu werden. „Die Zukunft meiner Patienten und der Kinder liegt mir als Hausärztin am Herzen“, betont Gwen Rabe für den Vorstand des Verbandes. „Als Ärztinnen und Ärzte genießen wir das Vertrauen unserer Patienten in der kontinuierlichen Betreuung vor Ort. Wir können unserer Verpflichtung laut Berufsordnung folgen, an der Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen im Hinblick auf ihre Bedeutung für die Gesundheit der Menschen mitzuwirken.“ Die Herausforderungen zum Klimaschutz erfordern ein umfassendes gesellschaftliches Handeln. „Wir Hausärztinnen und Hausärzte müssen unsere Gestaltungsmöglichkeiten nutzen. Nicht-Handeln ist keine Alternative“, erklärt Gwen Rabe.

Der Vorstand des Hausärzteverbandes Nordrhein stellt sich hinter die von 150 Gesundheitsorganisationen und 400 Fachleuten entwickelten 10 Kernforderungen der Weltgesundheitsorganisation WHO zur Welt-Klimakonferenz, welche die Gesundheit in den Fokus nimmt und damit die körperliche Unversehrtheit der Menschen und künftiger Generationen und durch vielfältige Studien und wissenschaftliche Erkenntnisse untermauert sind und nicht zuletzt durch die Berichte des Welt-Klimarats:

  1. Die Verpflichtung zu nachhaltigen Förderprogrammen und Investitionen zur Überwindung der Covid19-Pandemie.
  2. Gesundheit ist nicht verhandelbar und soll in den Mittelpunkt der Klimaverhandlungen gestellt werden.
  3. Die gesundheitlichen Vorteile von Klimaschutz sollen genutzt werden wegen des größten gesundheitlichen, sozialen und wirtschaftlichen Gewinns.
  4. Resiliente Strukturen sollen im Gesundheitswesen gegenüber den Klimarisiken aufgebaut werden, das sind aktuell in Deutschland Extremwetterereignisse nach dem Monitoringbericht der Bundesregierung.
  5. Schaffung von Energiesystemen, die schützen und Klima und Gesundheit verbessern.
  6. Schaffung klimaneutraler städtischer Umgebungen mit gesunden Mobilitätssystemen und Einbindung der Gesundheitseinrichtungen.
  7. Schutz und Wiederherstellung der Natur als die Grundlage für Gesundheit.
  8. Förderung gesunder, nachhaltiger und resilienter Nahrungssysteme.
  9. Finanzierung einer gesünderen, gerechteren und nachhaltigen Zukunft, um Leben zu retten.
  10. Einbindung der Gesundheitsberufe in die Entwicklung eines gesundheitsfördernden Klimaschutzes.“