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Preisverleihungen der DGU und DGHO für Arbeiten zur mTOR-Inhibition

Nachwuchswissenschaftler für Erkenntnisse zu Signaltransduktion in Krebszellen ausgezeichnet

Die Trägerder diesjährigen Forschungs- und Innovationspreise aus denBereichen Uro-Onkologie und Hämato-Onkologie sind Dr. HosseinTezval, Hannover, und Dr. Sebastian Bauer, Duisburg-Essen. Mit ihrenArbeiten zum Verständnis von Mechanismen der Signaltransduktionin Krebszellen liefern beide Wissenschaftler potenziell wichtigeErkenntnisse für zukünftige Therapiestrategien. Überreichtwurden die von Wyeth Pharma, einem Unternehmen der Pfizergruppe,gestifteten Preise anlässlich der 61. Tagung der DeutschenGesellschaft für Urologie (DGU) in Dresden und der gemeinsamenJahrestagung der Deutschen, Österreichischen und SchweizerischenGesellschaften für Hämatologie und Onkologie (DGHO, ÖGHO,SGMO, SGH) in Mannheim.

Die beiden Fachgesellschaften verleihen die mit7.500 Euro dotierten Auszeichnungen an Nachwuchswissenschaftler ausden Fachgebieten Urologie und Onkologie für herausragendeArbeiten in klinischer und präklinischer Forschung. DiePreisträger sind Dr. Hossein Tezval von der MedizinischenHochschule Hannover (MHH) für den Bereich Uro-Onkologie und Dr.Sebastian Bauer von der Universität Duisburg-Essen für denBereich Hämato-Onkologie. Schwerpunkt beider Arbeiten lagdarauf, das Verständnis von Mechanismen der Signaltransduktionin Krebszellen zu verdeutlichen. In Zukunft könnten dieErgebnisse als Ausgangspunkt für neue Therapiestrategiennützlich sein. 

Rolle von Urocortin beim klarzelligenNierenzellkarzinom 

Dr. Hossein Tezval untersuchte in seinerGrundlagenarbeit einen Mechanismus zur Entstehung von Tumoren,speziell des Nierenzellkarzinoms. Er stützte sich dabei aufErkenntnisse bereits existierender Studien, in denen eine Beteiligungdes Proteins Urocortin an der Proliferation und Neoangiogenese vonTumorzellen nachgewiesen wurde. In ihrer im „World Journal OfUrology“i publizierten Arbeit konnten Tezval et al. nun erstmalszeigen, dass Urocortin und dessen Rezeptor CRFR2 in normalemNierengewebe wesentlich stärker exprimiert wird als beim RCC, wodieser kaum nachweisbar ist. Seine Funktion ist es normalerweise, inZellen die Expression von VEGF zu unterbinden.ii Zudem aktiviertCRFR2 gleichzeitig Kinasen des mTOR-Signalwegs, vor allem PI3K bzw.AKT.iii,iv,v Die Forscher schließen aus ihren Erkenntnissen,dass der Verlust von CRFR2 an der Pathobiologie desNierenzellkarzinoms beteiligt ist. Dies soll nun Gegenstand weitererForschungen sein. 

Untersuchung der Signalwege bei gastrointestinalenStromatumoren (GIST) 

Die zweite Arbeit aus dem Bereich Hämato-Onkologiesetzte sich mit der Funktion des Proteins HDACI („HistonDeacetylase Inhibitoren“) bei gastrointestinalen Stromatumoren(GIST) auseinander. Die Erkrankung selbst ist durch eine Mutation vonKIT oder PDGFRA gekennzeichnet. Bisherige Untersuchungen haben dabeigezeigt, dass die Wirkung des Tyrosinkinaseinhibitors Imatinib beiResistenzentwicklung durch die Gabe von HDACI verbessert werden kann.Die Forschungsgruppe, zu der auch der Preisträger Dr. Bauergehört, veröffentlichte in „Cancer Research“vi nunErgebnisse, die HDACI sogar als eigenständige therapeutischeAlternative zu KIT/PDGFRA Inhibitoren bei GIST vermuten lassen. Inder Studie konnte gezeigt werden, dass HDACI die Aktivität undExpression von KIT sowie die Aktivität der Downstream-Signalwegestark inhibiert hat. Damit sei der präklinische Beweis füreinen indikationsspezifischen Effekt von HDACI bei KIT-positiven GISTerbracht worden, der zu einer therapeutischen Option weiterentwickelt werden könne. 

Forschung ermöglicht die Entwicklungzielgerichteter Therapien 

„Die Erkenntnisse dieser Forschungsarbeiten helfenuns, Tumorerkrankungen noch genauer zu verstehen, um darausspezifische Therapien entwickeln zu können“, sagt Priv.-Doz.Dr. Peter-Andreas Löschmann, Medizinischer Direktor und Leiterder klinischen Forschung bei Wyeth Pharma. Mit Temsirolimus(Torisel®) hat Wyeth Pharma im November 2007 den erstenmTOR-Inhibitor in der Onkologie eingeführt. Grundlage fürdie Zulassung beim fortgeschrittenen Nierenzellkarzinom (mRCC) wardie Phase-III-Studie ARCC, in der das Gesamtüberlebensignifikant um 49 Prozent gegenüber der bisherigenStandardtherapie mit Interferon-alfa verlängert werden konnte.Als einziger Wirkstoff wird Temsirolimus von den Leitlinien derEuropean Association of Urology (EAU) mit Evidenzgrad A zur Therapievon Patienten mit hohem Risiko empfohlen. Seit August 2009 istTemsirolimus darüber hinaus zur Therapie des rezidiviertenund/oder refraktären Mantelzell-Lymphoms (MCL) zugelassen.