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Qualitätsvertrag Weaning: Erste Versicherte entwöhnt

21.01.2022 10:59
Im Dezember 2018 schlossen die SBK Siemens-Betriebskrankenkasse und die Karl-Hansen-Klinik Bad Lippspringe den ersten Qualitätsvertrag der GKV. Ziel des Vertrags ist es, mehr Menschen von der Beatmung zu entwöhnen und ihnen ein besseres Leben zu ermöglichen. Mittlerweile nehmen an dem Vertrag 22 Kliniken und 34 Krankenkassen teil. Aufgrund diverser Hürden konnte eine Entwöhnung bislang jedoch weniger Versicherten als erhofft ermöglicht werden. Beispielsweise kennen viele Hausärzte die Möglichkeit nicht oder sind in diesem Bereich nicht spezialisiert genug. Intensivpflegedienste verhindern zudem häufig die Entwöhnung dieser für sie lukrativen Patienten.

Bisher konnte die SBK eine geringe Zahl an Versicherten in den Vertrag einsteuern. Vor einigen Monaten wurde die erste Versicherte der SBK im Rahmen des Qualitätsvertrags erfolgreich von der Beatmung entwöhnt. Die 70-jährige Thüringerin wurde aufgrund einer COPD-Erkrankung im Februar 2021 intensivmedizinisch behandelt und beatmet. Die Entwöhnung von der Beatmung war im ersten Versuch in der behandelnden Klinik nicht erfolgreich: Die Patientin wurde beatmet in eine Intensivpflege-WG entlassen. Der Entlassbrief aus dem Krankenhaus ließ Heide Wittig, Fachberaterin Intensivversorgung bei der SBK und gelernte Krankenschwester mit Erfahrung in der Intensivpflege, jedoch aufmerksam werden: Die Patientin war kardiopulmonal stabil und eine physiotherapeutische Mobilisierung bis zum Stand an der Bettkante war möglich. Darüber hinaus sei sie laut Entlassbrief „ausreichend kommunikativ“ und könne tagsüber am Bett sitzend Nahrung zu sich nehmen.

 

Weaning-Potenzial durch Klinik bestätigt

 

Nach Bewertung der Anamnese kontaktierte Heide Wittig die Zentralklinik Bad Berka in Thüringen. Diese ist auf Weaning spezialisiert und nimmt am Qualitätsvertrag teil. „Der Oberarzt bestätigte mir, dass unsere Versicherte gute Chancen hatte, ohne Trachealkanüle zu leben. Es lag auch in seinen Augen keine Kontraindikation zur Dekanülierungsüberprüfung vor“, so Heide Wittig, die daraufhin den Ehemann der Patientin informierte. „Ihre Familie war vollkommen überrascht. Bislang hieß es, die Erkrankte müsse bis an ihr Lebensende beatmet werden. Entsprechend groß war die Freude bei ihr und ihrem Ehemann.“ Henning Müller, behandelnder Oberarzt in Bad Berka, ergänzt: „Durch die gute Vorbereitung seitens der SBK war eine schnelle Befundzusammenstellung möglich. Auch wir sahen das Potenzial zur Dekanülierung und nahmen die Patientin kurzfristig in unserer Weaningeinheit auf.“

 

Erfolgreiche Entwöhnung von der Beatmung nach zwei Wochen

 

Die SBK-Fachberaterin bereitete daher alles für die Klinikaufnahme in Bad Berka vor. Sie stellte außerdem den Kontakt zwischen Klinik, Pflegedienst und Hausarzt der Versicherten her. Anfang April wurde die Versicherte in Bad Berka aufgenommen. Bereits vier Tage später konnte dreimal täglich für zwei Stunden auf die Beatmung verzichtet werden. Nach zwölf Tagen war die Patientin spontan atmend. Ihre Blutgaswerte waren gut. Vor Entfernung der Trachealkanüle wurde endoskopisch Granulationsgewebe nachgewiesen. Über starre Bronchoskopie konnte das Granulationsgewebe problemlos abgetragen werden. Die Dekanülierung erfolgte periinterventionell mit Anlage eines Platzhalters, der bereits zwei Tage später entfernt werden konnte. Somit war die Patientin nach insgesamt 14 Tagen ohne künstlichen Atemwegszugang, der sie bisher sehr eingeschränkt hatte. Ende April wurde sie aus der Klinik entlassen, aktuell wird sie zu Hause von einem Pflegedienst versorgt.

 

Erfolgreicher Umgang mit der Erkrankung zu Hause

 

Heute kann die Thüringerin mit ihrer fortgeschrittenen chronischen Lungenerkrankung dank gezielter Schulungen seitens der Klinik gut leben. Eine bereits während der Entwöhnung angepasste nicht invasive Beatmung für die Nachtstunden, ein PEP-System zur Unterstützung des Sekretmanagements sowie eine Inhalationstherapie helfen ihr dabei. „Nach Einweisung durch uns Atmungstherapeuten war die Patientin in der Lage, die Geräte völlig selbstständig und defizitfrei zu nutzen und die Therapien umzusetzen. Sie erhielt außerdem gezielte Schulungen im Umgang mit ihrer Erkrankung, um Exazerbationen und damit ungeplante Krankenhausaufenthalte zu vermeiden“, sagt Dorit Schimandl, leitende Atmungstherapeutin der Zentralklinik Bad Berka. „Die Patientin wird sicher auch zukünftig ihren Alltag mit der Erkrankung bestmöglich meistern können.“

Editorial

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