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Reimann: Biologische Unterschiede müssen stärker in Forschung und Versorgung einfließen

Anlässlich des Internationalen Frauentages am Dienstag, dem 8. März, äußert sich Dr. Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes.

„Frauen sollen die gleichen Rechte und Chancen haben. In einem Bereich ist eine Gleichbehandlung allerdings nicht immer wünschenswert: in der Medizin. Denn das Geschlecht beeinflusst über genetische, epigenetische und hormonelle Faktoren die Funktionsweise des Organismus. Zudem spielt das soziale Geschlecht beim Gesundheitsverhalten und dem Zugang zur Gesundheitsversorgung eine nicht zu unterschätzende Rolle. Geschlechtsunterschiede können sich im Erkrankungsrisiko, der Symptomatik, dem Ansprechen auf die Therapie und dem Krankheitsverlauf niederschlagen. Studien zeigen, dass Frauen bei einem Herzinfarkt seltener und mit größerer zeitlicher Verzögerung behandelt werden und dadurch eine schlechtere Prognose haben. Das liegt zum einen daran, dass Frauen oft weniger charakteristische Symptome zeigen, so dass der medizinische Notfall schwerer zu erkennen ist. Zum anderen neigen Frauen dazu, ihre Beschwerden zu unterschätzen und später Hilfe zu suchen. Das führt dazu, dass sie bei einem Herzinfarkt im Durchschnitt etwa eine Stunde später als Männer derselben Altersklasse in einer Klinik ankommen.

Auch die medizinische Forschung war lange Zeit überwiegend auf den männlichen Organismus ausgerichtet, weil Frauen im gebärfähigen Alter seltener in klinische Studien eingeschlossen wurden. Dadurch konnte zum Beispiel erst nach der Zulassung verschiedener Medikamente festgestellt werden, dass diese für Frauen größere Gesundheitsrisiken bergen als für Männer. Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern müssen in der Forschung stärker berücksichtigt werden und diese Erkenntnisse auch in die medizinische Ausbildung und Versorgungspraxis einfließen.“