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Universität Münster erhält Förderung für forschende Ärzte

Für Medizinerinnen und Mediziner, die sowohl in der Krankenversorgung als auch in der Forschung aktiv sind, ergeben sich viele wissenschaftliche Fragen und klinische Anwendungsperspektiven aus dem Klinikalltag. Dieser patientenorientierte Blickwinkel kann entscheidend dazu beitragen, dass Forschung zu konkreten Verbesserungen in der medizinischen Versorgung führt – doch der duale Berufsweg der sogenannten „Clinician Scientists“ ist in vielerlei Hinsicht herausfordernd. Die Medizinische Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) Münster erhält jetzt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) eine Förderung von mehr als zwei Millionen Euro über zunächst drei Jahre, mit der sie ihr Karriereprogramm für forschende Ärztinnen und Ärzte ausbauen wird.

Der Großteil der Förderung fließt in den Aufbau eines neuen Programmmoduls und ermöglicht 24 Medizinern, sich parallel zur fachärztlichen Spezialisierung am Universitätsklinikum Münster (UKM) wissenschaftlich zu qualifizieren. „Für diese anspruchsvolle Karrierephase wollen wir den Teilnehmerinnen und Teilnehmern möglichst viel individuellen Planungsspielraum, einen achtsamen Einsatz der Ressource Zeit und ein auf allen Ebenen unterstützendes Netzwerk bieten“, erklärt der Nuklearmediziner Prof. Dr. Michael Schäfers, Sprecher des neuen Clinician-Scientist-Programms „CareerS“. Der wissenschaftliche Fokus des neuen Moduls liegt zunächst im forschungsstarken Themengebiet „organspezifische Immunreaktionen“. Es wird mittelfristig für weitere Forschungsthemen geöffnet und dauerhaft an der Medizinischen Fakultät etabliert. Darüber hinaus will die Fakultät bisherige erfolgreiche Fördermodule für verschiedene Karrierestufen weiterentwickeln und in das bestehende Gesamtkonzept integrieren. „Wir wollen einen vollständigen Berufsweg etablieren, auf dem Clinician Scientists ihre Karriere in klaren Schritten und mit verlässlichen Perspektiven aufbauen können“, betont der Dekan der Medizinischen Fakultät, Prof. Dr. Frank Ulrich Müller.

Zum Team hinter dem neuen Karriereprogramm für Clinician Scientists gehören neben Michael Schäfers die Mikrobiologin Prof. Dr. Petra Dersch, die Neurologin Prof. Dr. Luisa Klotz, der Internist Prof. Dr. Hermann Pavenstädt, der Immunologe Prof. Dr. Johannes Roth sowie der Anästhesist und Intensivmediziner Prof. Dr. Alexander Zarbock. Neben der WWU erhalten zeitgleich neun weitere Universitäten eine Förderung für ein Clinician-Scientist-Programm. Insgesamt waren bei der DFG 18 Anträge von Medizinischen Fakultäten in Deutschland eingegangen.

Neues Fördermodul als „Karriere-Booster“

„Das Schöne und gleichzeitig Fordernde am Beruf des Clinician Scientist ist, dass man zwei Berufe hat“, unterstreicht Michael Schäfers, der selbst als Arzt und Forscher aktiv ist. Deshalb brauche es einen ‚Karriere-Booster‘. Die fachärztliche Weiterbildung allein dauert in der Regel fünf bis sechs Jahre. Gleichzeitig stellen die Kandidaten in dieser Zeit die Weichen für ihren wissenschaftlichen Schwerpunkt – und oft fällt dies zusätzlich mit der Familienplanung zusammen.

Das neue Fördermodul mit dem Titel „Boost“ bietet den Teilnehmern geschützte Forschungszeit, in der sie vom Klinikbetrieb freigestellt sind und von der bis zu ein Jahr auf die fachärztliche Weiterbildung angerechnet werden kann. Die Zeitaufteilung zwischen Forschung und Klinik können die Teilnehmer mit ihren Kliniken und Instituten individuell planen und bei Bedarf flexibel anpassen. Für die Klinik wird eine ärztliche Vertretung gegenfinanziert, so dass der Betrieb dort ohne Einschränkungen weiterlaufen kann. Die Kandidaten erwerben in einem Begleitcurriculum wissenschaftliche Schlüsselqualifikationen und absolvieren Trainingsmodule zur Karriereentwicklung. Sie sind Teil einer Gruppe, in der sie sich mit Kollegen in der gleichen Karrieresituation zu inhaltlichen, organisatorischen und persönlichen Herausforderungen austauschen können. Zudem haben sie auf klinischer und auf wissenschaftlicher Seite jeweils eine erfahrene Mentorin an ihrer Seite. Der Forschungsfokus des Fördermoduls baut auf wissenschaftlichen Stärken der Medizinischen Fakultät auf, die sich in derzeit fünf ebenfalls von der DFG geförderten Forschungsverbünden widerspiegeln.