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„Pay for Outcome - oder: Das Gesundheitsystem neu denken!“

25.09.2012 10:30
Mit mehr als 750 wissenschaftlichen Publikationen, über 250 Originalarbeiten, 12 herausgegebenen Büchern und mehr als 700 Vorträgen gehört Univ.-Prof. Dr. Prof. h.c. Edmund A. M. Neugebauer zweifellos zu den „Motoren“ unter den deutschen Versorgungsforschern. Für seine Arbeiten hat der Lehrstuhlinhaber für Chirurgische Forschung, gleichzeitig Direktor des Institutes für Forschung in der Operativen Medizin (IFOM) und Forschungsdekan der Fakultät für Gesundheit der Universität Witten/Herdecke, mehrere Preise der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie sowie unter anderem auch eine Ehrenprofessur (Prof. h.c.) von der chinesischen Southern Medical University in Guangzhou (Kanton) verliehen bekommen. Neugebauer, erster Vorsitzender des Deutschen Netzwerks Versorgungsforschung (DNVF) - von 2007 bis 2009 auch Vorsitzender des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin e.V. (DNEbM) - liegt besonders ein Thema am Herzen: der Patient. Es ist, so Neugebauer, an der Zeit, „unser Gesundheitssystem neu zu denken!“

>> Herr Prof. Neugebauer, der Patientennutzen scheint auch im Gesundheitssystem anno 2012 noch nicht unbedingt im Vordergrund zu stehen.
Die Diagnose ist richtig. Und der Grund dafür schlicht: Das gesamte Gesundheitssystem ist bisher nicht danach ausgelegt, für Patientenoutcome zu bezahlen. Es wird außerdem nicht vergütet, ob sich ein Arzt mehr als ein anderer um seine Patienten kümmert und ob er mit seiner Arbeit die Lebensqualität seiner Patienten verbessert. Dabei ist im Modell „Input-Throughput-Output-Outcome“ das zentrale Element das letztgenannte: das Outcome. Der Begriff „Outcome“ bezieht sich auf patientenbezogenes Outcome oder eben den Patientennutzen.

Doch das, was der Arzt tut, wird im Krankenhaus nach dem DRG-System, im ambulanten Bereich nach EBM-Abrechnungsziffern bezahlt.
Hier muss eine Neuorientierung erfolgen. Die Leistungserbringung - gerade auch im Hinblick auf die aktuelle Honorardebatte der Ärzte - muss sich künftig stärker an Patientennutzenkriterien orientieren. Ob man die nun über Patient Related Outcomes oder Conjoint-Analysen definiert, ist erst einmal einerlei. Es geht mir um das Grundsätzliche, das ich in der Zeit, in der ich das Amt als Vorsitzender des Deutschen Netzwerks für Versorgungsforschung inne habe, thematisieren möchte.

Was wäre zu tun, um dem Ziel „Patientennutzen“ schrittweise näherzukommen, denn eine Ad-hoc-Änderung des Gesundheitssystems wird es wohl nicht geben können.
Gesundheit ist für viele ein wichtiges, wenn nicht das wichtigste Gut. Wenn dies so ist, müssen wir versuchen, die Bürger besser zu erreichen, das heißt: Bevor sie zu Patienten werden. Dafür gibt es schon probate Ansätze, wie etwa Bürgeruniversitäten.

Sie denken an Jena und Hannover.
Da hat es begonnen. Doch inzwischen gibt es schon etwas mehr. Ich denke unter anderem auch an Bürgerkonferenzen, wie etwa in Lübeck, wo unter Beteiligung relevanter Bürgergruppen über die Kriterien der Priorisierung der medizinischen Versorgung beraten wurde oder die DEGAM-Leitlinien, bei deren Abfassung sehr früh auch Patienten die Verständlichkeit prüfen.

Das sind sicher gute Ansätze, doch das Hauptproblem ist die Diskrepanz des Wissens, das auf der einen Seite bei Leistungserbringern, auf der anderen bei Patienten und Bürgern akkumuliert ist. Wie kann man diese Wissenslücke schließen?
Das ist die Kardinalfrage. Wenn man die berühmte Wissenslücke schließen würde, hätte das einen Lerneffekt auf beiden Seiten zur Folge. Auch und vor allem auf Ärzteseite, denn der Arzt muss zuallererst wieder die Zeit dazu bekommen, mit dem Patienten zu sprechen. Das ist besonders den jüngeren Kolleginnen und Kollegen in den letzten Jahren seit Einführung der DRG 2004 in unser Gesundheitssystem nicht mehr vergönnt.

Weil Kommunikation und die dafür benötigte Zeit nicht genügend bezahlt wird?
Klingt traurig und trivial, aber so ist es. Wer für Kommunikation keine Zeit haben darf, verliert eventuell sogar nach und nach diese elementare Fähigkeit.

...

Ausführliches Interview: siehe Archiv, MVF 05/12 (Zugang nur für Abonnenten)

Ausgabe 05 / 2012

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