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OA MVF 02/11: „Gegenseitiges Verständnis ist eine Voraussetzung für Versorgungsforschung“

Seit knapp eineinhalb Jahren, genauer seit dem 29. Oktober 2009, ist die 1966 in Tübingen geborenene CDU-Politikerin Annette Widmann-Mauz parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit. Davor war sie - seit 2002 - gesundheitspolitische Sprecherin ihrer Fraktion sowie seit 2005 auch Vorsitzende der Arbeitsgruppe Gesundheit der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

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Erstveröffentlichungsdatum: 23.09.2012

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Summary - Die Kommunikation zwischen Wissenschaftlern und Anwendern ist häufig unzureichend. - Studien zur Nutzenbewertung, Kosten-Nutzen-Bewertung und zur Bewertung der Zweckmäßigkeit von Arzneimitteln werden die Qualität der Patientenversorgung verbessern. - Eine verbindliche gesetzliche Verankerung der Versorgungsforschung stieße an finanzielle und personelle Grenzen. - Eine leistungsgerechtere Vergütung, der Abbau von Bürokratie und von Regressdrohungen soll die ländliche ärztliche Versorgung verbessern.

>> Das Gesundheitswesen steht im Wandel - und diesem Wandel müssen sich alle Beteiligten beherzt stellen: „Mehr Wettbewerb, mehr Transparenz und mehr Wahlfreiheit - all dies braucht unser Gesundheitssystem, um dauerhaft leistungsfähig und finanzierbar zu bleiben“, sagten Sie, Frau Staatssekretärin Widmann-Mauz, am 03. November 2010 anlässlich der Eröffnung der Bundestagung des Deutschen Sozialrechtsverbandes in Nürnberg. Dabei betonten Sie auch, dass es in einem wettbewerblichen Gesundheitssystem eines fairen Ordnungsrahmens bedarf, damit es nicht zu Fehlentwicklungen und unlauterem Wettbewerb kommt. Aber es ist doch so: Mit Gesundheit wird Gewinn gemacht und muss Gewinn gemacht werden dürfen, wenn die Marktwirtschaft funktioniert. Aber die Politik greift immer wieder regulierend ein und drängt damit den Markt zurück. Wäre es angesichts von schon fast einem Dutzend Gesundheitsreformen und Hunderten von Detailgesetzen nicht sinnvoller - gebrauchen wir einmal das freundliche Wort „ergebnisoffen“ - über das systemische Grundproblem des Gesundheits-Marktes nachzudenken? Kann für so eine Diskussion auch die Versorgungsforschung nützlich sein? Gesundheit ist ein hohes Gut. Unser Anspruch ist es daher, eine qualitativ hochwertige, für alle unabhängig von Alter, Geschlecht und persönlichem Gesundheitsrisiko bezahlbare wohnortnahe Versorgung sicherzustellen. Dazu bedarf es der politischen Rahmensetzung. Hierbei liefern Studien und Ergebnisse der Versorgungsforschung wichtige, hilfreiche Beiträge zur Entscheidungsfindung. Allerdings muss letztendlich die Politik im parlamentarischen Verfahren entscheiden, was geschehen soll. Versorgungsforschung soll auch dazu führen, dass der Streit der Interessen und politischen Ansichten zunehmend durch faktengestützte Argumente ersetzt wird. Bei welcher gesundheitspolitischen Diskussion wurden Ihres Wissens nach bereits Versorgungsforschungsergebnisse argumentativ herangezogen? Es ist hilfreich und sinnvoll, wenn Argumente auf wissenschaftlich ermittelte Ergebnisse gestützt werden können. Wissenschaftliche Beratung ersetzt allerdings nicht die politische Entscheidung. Dazu gehört auch die Frage, ob und wie Ergebnisse der Versorgungsforschung in gesetzlichen und untergesetzlichen Regelungen aufgegriffen werden. Ein Beispiel ist das gemeinsam von BMG und BMFSFJ geförderte Projekt „Entwicklung und Erprobung von Instrumenten zur Beurteilung der Ergebnisqualität in der stationären Altenhilfe“. In dem Projekt wurde ein Indikatorensystem erarbeitet, das verlässliche Aussagen zur Ergebnisqualität der Versorgung in vollstationären Pflegeeinrichtungen ermöglicht. [...] Frau Staatssekretärin Widmann-Mauz, herzlichen Dank für das Gespräch. << Das Interview führten MVF-Herausgeber Prof. Dr. Reinhold Roski und MVF-Chefredakteur Peter Stegmaier. Einzelheft bestellen