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Covid-19-Turbulenzen regional und bei Impfstoffen

28.07.2020 09:00
Wenngleich sich der Pharmamarkt mittlerweile wieder etwas beruhigt hat und Corona auch hier ein Stück weit Normalität geworden ist, schaut der folgende Beitrag noch einmal zurück auf den Beginn der Pandemie. Denn neben den zuletzt gezeigten nationalen Veränderungen im Rx-, OTC- und Medizinprodukte-Markt zeigen sich auch deutliche regionale Unterschiede. Stark variierende Infektionszahlen, unterschiedliche Altersstrukturen und insbesondere der Zugang zu Arzneimitteln bedingen diese. Nicht zuletzt ist der Impfstoffmarkt nach wie vor von erheblichen Corona-Effekten betroffen.

http://doi.org/10.24945/MVF.04.20.1866-0533.2230

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>> Die Corona-Pandemie übt auch nach der akuten Krise und dem nationalen Lockdown weiter Einfluss auf den Pharmamarkt aus. Nach der Überbevorratung im März sowohl im OTC- als auch Rx-Bereich werden in den letzten Monaten deutlich weniger Rezepte in der Apotheke eingelöst. So fällt die Anzahl abgegebener Packungen von März auf April um knapp 27%. Ein Vergleich mit dem Vorjahresmonat ergibt, dass auch noch im Mai dieses Jahres der Absatz mehr als 17% unter dem in 2019 liegt. Unklar bleibt, wann sich die starke Bevorratung, auch zu erkennen an der im März um 31,5% gestiegenen Abgabe an N3-Packungen, nivellieren wird. Unumstritten ist hingegen, dass der Monat März der bisher ungewöhnlichste seit vielen Jahren war. Wurden bundesweit im März 2019 noch durchschnittlich 52.197 DDD je 1.000 Einwohner (EW) abgegeben, liegen diese ein Jahr später bei durchschnittlich 66.252 DDD, und damit um 26,9% höher. Wie unterschiedlich diese Marktausweitung die 16 Bundesländer betrifft, zeigt Abbildung 1.  
DDD-Anstieg im Süden
besonders hoch
Ein deutlich zweistelliges und damit sehr starkes Wachstum bezogen auf verordnete DDD je 1.000 EW zeigen alle Bundesländer beim Vergleich des März 2020 mit dem Vorjahresmonat. Die Spanne reicht von knapp 20% in den beiden Stadtstaaten Hamburg und Bremen bis hin zu einem Anstieg von mehr als 30% in den südlichen Bundesländern Bayern, Baden-Württem-berg und Rheinland-Pfalz. Spitzenreiter ist das Saarland mit über 35% mehr verordneten DDD. Folglich könnte die Überbevorratung geo-grafisch bedingt sein. So zeigt sich gerade in Bundesländern mit einer Grenze zu Frankreich, dessen hohe Infektionszahlen für Aufsehen gesorgt hatten, eine besonders starke Zunahme der Verordnungen. Dass sich überwiegend ältere Menschen entsprechend bevorraten, zeigt ein Vergleich der beiden Landkarten hingegen nicht eindeutig. Der Anstieg verordneter DDD fällt in den neuen Bundesländern überwiegend geringer aus, obschon dort mit mehr als 32% überdurchschnittlich viele ältere Menschen leben (BRD-Durchschnitt: 28,2%). Neben dem geografischen Erklärungsansatz könnten auch die Meldungen zu den Infektionszahlen das Bevorratungsverhalten der Patienten beeinflusst haben. Ende März berichtete das RKI von insgesamt 61.913 übermittelten Covid-19-Fällen in Deutschland, allerdings mit einer extrem unterschiedlichen regionalen Verteilung. So war zu diesem Zeitpunkt der Süden flächendeckend überproportional betroffen, während es in Norddeutschland mit Ausnahme von Hamburg recht wenige Infizierte gab.
Pneumokokken-Impfdosen steigen auf das 4-Fache
Die jährlichen Schwankungen in der Abgabe von Impfstoffen sind in der Regel saisonbedingt. Beispielsweise bleibt die Nachfrage nach Pneumokokken-Impfstoffen im Frühling und Sommer auf konstant niedrigem Niveau und steigt erst zu Beginn der Erkältungssaison im September deutlich auf das fast Doppelte der üblichen Menge an. Nach der Hochphase im Oktober und November pendelt sich die Abgabe dann zum Ende des Winters wieder auf den gewohnt niedrigen Wert ein. Ebenso wie in 2018/2019 zeigt Abbildung 2a in der Saison 2019/2020 diesen typischen Verlauf – allerdings nur bis zum März dieses Jahres. Am 09.03.2020 rät Gesundheitsminister Spahn zur Pneumokokken-Impfung, um die Wahrscheinlichkeit einer Doppelinfektion oder eines negativen Krankheitsverlaufes der Lungenkrankheit Covid-19 durch Vorbelastungen zu senken. Wie sensibel die Bevölkerung auf diese Empfehlung reagierte, zeigt der Vergleich zum Vorjahr mehr als deutlich: Die Impfstoff-Abgabe (in Mio. Standard-Einheiten) steigt auf das 4-Fache des zu erwartenden Wertes. Ein Umstand, auf den sich die Hersteller so kurzfristig nicht einstellen konnten, und der fast augenblicklich in Lieferengpässen der Humanimpfstoffe resultierte, über die das Paul-Ehrlich-Institut bereits am 12.03.2020 Meldungen verzeichnete. Daraufhin veröffentlichte die Ständige Impfkommission Handlungshinweise, nach denen die vorhandenen Impfdosen besonders vulnerablen Patientengruppen vorbehalten bleiben sollten. Weiterhin wurde durch eine Ausnahme-ermächtigung nach dem Arzneimittelgesetz die Einfuhr ausländischer Impfstoffdosen ermöglicht. Durch deren flächendeckende Verteilung konnte zwar der Abgabe-Einbruch im April nicht verhindert, aber bereits eine verbesserte Versorgung der Bevölkerung im Folgemonat herbeigeführt werden. Seit Ende Juni hat sich die Lage im Pneumokokken-Impfstoffmarkt entspannt, denn bis auf wenige Packungsgrößen sind diese wieder vollumfänglich lieferbar.
Im Gegensatz zur Pneumokokken-Impfung zieht die saisonale Impfstoff-Abgabe bei FSME im Normalfall mit dem Monat März deutlich an, da das Infektionsrisiko im Frühjahr und Sommer am höchsten ist. Im Vergleich zur Saison 2018/2019 entwickeln sich die Zahlen jedoch eher verhalten und lassen, wenn überhaupt, einen verzögerten Start der FSME-Impfsaison erkennen. Wie Abbildung 2b zeigt, steigen die abgegeben Impfdosen erst im Mai deutlich an, bleiben aber mit 0,23 Mio. weniger SE sichtlich unter dem Vorjahresmonat. Das kann zum einen mit den generell verminderten Arztbesuchen zugunsten der Kontaktvermeidung und zum anderen mit der eingeschränkten Reisebereitschaft und -möglichkeit in Zusammenhang gebracht werden. Der Trend zur Normalisierung ist im FSME-Impfstoffmarkt aber durchaus erkennbar.
Ausblick
Neben den bereits aufgeführten Marktveränderungen zeigen Daten zu den Medizinprodukten zum Schutz vor Covid-19, dass der Anteil des Apothekenabverkaufs, der auf die Selbstmedikation entfällt, von Januar auf März von knapp 70% auf 87% ansteigt. Apothekenkunden haben sich während der Corona-Welle also sowohl mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln bevorratet als auch Handschuhe, Mundschutz und Desinfektionsmittel direkt in der Offizin gekauft. Ein Blick auf den OTC-Markt zeigt, dass die wöchentlichen Abverkäufe in der Offizin im Mai dieses Jahres im Mittel etwa 26% unter den Vorjahreswerten liegen und erst in der letzten Maiwoche wieder leicht zunehmen. Davon sind jedoch nicht alle Sortimente gleichermaßen betroffen. So ist insbesondere der Absatz der rezeptfreien Erkältungspräparate im März abrupt eingebrochen und befindet sich in der letzten Maiwoche mit 1,51 Mio. abgegebenen Packungen noch mehr als deutlich unter den 2,77 Mio. des Vorjahreszeitraums. Die zeitweise strikten Kontaktbeschränkungen und Abstandsregeln gepaart mit strengen Hygienevorkehrungen reduzierten wohl maßgeblich die Zahl der mit Erkältungskrankheiten Infizierten. Ähnliche Corona-bedingte Effekte sind auch bei den Magen-Darm-Präparaten zu beobachten. Es scheint, dass sich die Turbulenzen der Corona-Welle nun allmählich abschwächen. Entsprechend bleibt zu hoffen, dass weitere Corona-Lockerungen den Pharmamarkt wieder auf Kurs bringen. <<
Autorinnen:
Kathrin Pieloth, Gina Milbratz

Zitationshinweis:
Pieloth, K., Milbratz, G.: „Covid-19-Turbulenzen regional und bei Impfstoffen“, in: „Monitor Versor-gungsforschung“ (04/20), S. 10-11.; doi: 10.24945/MVF.04.20.1866-0533.2230

Ausgabe 04 / 2020

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Covid-19: Das zweite Jahr





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