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Abstracts by keywords: Evaluation

Bewerten, aber wie? – Kriterien für die Evaluation und das Reporting von Studien zu Gesundheits- und Medizin-Apps

Mit der Digitalisierung im Gesundheitswesen sind große Erwartungen an die Qualitätssteigerung der gesundheitlichen Versorgung geknüpft (Mathews et al., 2019), dies gilt besonders für Diagnostik, Prävention sowie für das Management chronischer Krankheiten (Gordon, Landman, Zhang & Bates, 2020). Gesundheits- und Medizin-Apps (GuMA) werden aufgrund der ubiquitären Verfügbarkeit von Smartphones in der Bevölkerung eine besondere Rolle zugesprochen. Jedoch besteht seit längerem eine breite Diskussion hinsichtlich der noch eingeschränkten Evidenz von GuMA, welche in verschiedenen systematischen Übersichtsarbeiten als heterogen eingeschätzt wird (Agarwal, Lefevre & Labrique, 2017; Felix et al., 2018; Mathews et al., 2019). In einem systematischen Review von Bayambasuren et al. recherchierten die Autoren nach systematischen Reviews über randomisiert kontrollierte Studien (RCT) mit verschreibungsfähigen (Prescribable) GuMAs, die zum Download frei verfügbar waren (Byambasuren, Sanders, Beller & Glasziou, 2018). Verschreibungsfähige Apps definieren die Autoren als Apps, die derzeit verfügbar sind, die effektiv sind und die alleinstehend (stand-alone), ohne die Einbindung von Professionellen im Gesundheitswesen angewendet werden. Die Autoren schlossen insgesamt sechs systematische Reviews in ihre Analyse ein, aus denen sie wiederum 23 RCTs zu 22 unterschiedliche GuMAs extrahierten. In lediglich 11 dieser 23 RCTs konnte ein aussagekräftiger Effekt auf die Gesundheit oder auf ausgewählte Surrogatendpunkte nachgewiesen werden, die möglicherweise auf eine GuMA zurückzuführen waren. In der Gesamtbetrachtung war der Nachweis der Wirksamkeit jedoch von eingeschränkter Qualität, was gerade die Verschreibungsfähigkeit dieser Apps für Ärzte deutlich erschwert (Mathews et al., 2019). Ebenfalls monierten die Autoren sowohl bei den sechs eingeschlossenen systematischen Reviews als auch bei den 23 extrahierten RCTs ein hohes Risk of Bias, was ebenfalls zu einer Einschränkung der Ergebnisse beiträgt. Gleichermaßen finden sich in verschiedenen Anwendungsbereichen positive Ergebnisse hinsichtlich der Effektivität. Dies lässt sich etwa für das Selbstmanagement der Hypertonie (Li, Liang, Bu & Hesketh, 2020) oder das Selbstmanagement psychischer Krankheiten konstatieren (Linardon, Cuijpers, Carlbring, Messer & Fuller-Tyszkiewicz, 2019).

30.03.2021
Evaluation eines Integrierten Versorgungsvertrages zur Versorgung von Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz

Die Herzinsuffizienz stellt eine der medizinisch und gesundheitsökonomisch bedeutsamsten Erkrankungen in Deutschland dar (Neumann et al. 2009; Gensichen et al. 2004; Zugck et al. 2010; Willich et al. 2013; Buhr et al. 2007). Die Prävalenz der Herzinsuffizienz ist stark altersabhängig, so dass davon auszugehen ist, dass die Kosten für Diagnostik und Therapie der Herzinsuffizienz angesichts der alternden deutschen Bevölkerung in den nächsten Jahren ansteigen werden. Ein Großteil der Behandlungskosten der Herzinsuffizienz entstehen im stationären Bereich (Zugck et al. 2010). Vor diesem Hintergrund haben effektive integrierte Versorgungsprogramme das Potenzial, die Versorgung von Herzinsuffizienz-Patienten zu verbessern und gleichzeitig Dekompensationen, die besonders häufig im stationären Setting behandelt werden, zu verhindern. Effektive neue Versorgungsprogramme ermöglichen es, die Behandlungsabläufe besonders im ambulanten Bereich zu optimieren und die Patienten aktiv in das Behandlungskonzept einzubinden (Buhr et al. 2007).

29.11.2016
Implementierung und Evaluation der Blockwoche „Methoden der Versorgungsforschung“ an der Medizinischen Fakultät Tübingen

Während in den Vereinigten Staaten (dem „Mutterland“ der Versorgungsforschung [8,13,16]) seit 2009 mehr als eine Milliarde US-Dollar in Forschungsprojekte investiert wurden, um die Versorgungsforschungskonzepte Comparative Effectiveness Research (CER) und Patient-Centered Outcomes Research (PCOR) im Forschungsalltag zu etablieren [3-7], befindet sich die Versorgungsforschung in Deutschland noch in einem frühen Entwicklungsstadium [8]. Zumindest in Baden-Württemberg besteht seit 2011 ein durch Landesmittel gefördertes Programm zur Förderung der Versorgungsforschung [17,18]. Auch hier wurde die Disziplin jedoch bisher noch nicht flächendeckend in Forschung und Lehre umgesetzt, bis heute wurde die Versorgungsforschung von den Medizinischen Fakultäten in Baden-Württemberg nicht als Pflichtfach in die Studienordnungen der Humanmedizin aufgenommen (Stand: Dezember 2013). Die Möglichkeiten, Versorgungsforschung im Studium zu verankern, sind daher begrenzt, zumal auch in dem 2003 in die Approbationsordnungen aufgenommenen Querschnittsbereich (QB) „Gesundheitsökonomie, Gesundheitssystem, öffentliche Gesundheitspflege“ und in der sozialmedizinischen Lehre versorgungsforschungsrelevante Inhalte bisher kaum umgesetzt werden [9-12]. Es stellt sich daher die Frage, wie die Versorgungsforschung erfolgreich in das Medizinstudium implementiert werden kann, um zukünftige Ärztinnen/Ärzte und WissenschaftlerInnen für die Fragestellungen der Disziplin zu sensibilisieren. Neben dem QB und der sozialmedizinischen Lehre könnten entsprechende Lehrinhalte in den klinischen Fächern und im Rahmen einer Wahlpflichtveranstaltung (WPV) realisiert werden. Grundsätzlich sind die Anforderungen an eine Wahlpflichtveranstaltung an den baden-württembergischen Hochschulen unterschiedlich geregelt, in Tübingen wird (gemäß Studienordnung vom 6.5.2013) ein Mindeststundenumfang von 40 Unterrichtseinheiten gefordert.

31.03.2015
Fallmanagementprogramm für Multimorbidität im Alter: Evaluation zur Kosteneffektivität

Die individuelle Lebensführung, Lebensbedingungen, Bewältigungspotenziale, adäquate medizinische und soziale Betreuung, Prävention und Rehabilitation beeinflussen sowohl den Gesundheitszustand, die Lebensqualität und das Wohlbefinden im höheren Lebensalter als auch die im medizinischen und pflegerischen Bereich anfallenden Kosten. Geriatrische Patienten weisen ein höheres Risiko für eine Hospitalisierung auf und leiden meist nicht nur an einer chronischen Krankheit, sondern an weiteren (Ko-)Morbiditäten. Ein indikationsübergreifendes, präventiv ausgerichtetes geriatrisches Fallmanagement ist ein erfolgversprechender Ansatz, die Lebensqualität und die Selbstmanagementkompetenz der Betroffenen zu verbessern und gleichzeitig die Krankenhausausgaben zu verringern.

05.10.2012