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Abstracts by keywords: Shared Decision Making

Angehörige in Versorgungsprozessen

Angehörige, wie Kinder, Ehepartner, Eltern, Geschwister oder Freunde, nehmen in der ambulanten und stationären Versorgung oft zentrale Funktionen ein. Zwar finden die meisten Diskurse zu pflegenden Angehörigen statt, Angehörige treten aber auch bspw. als Zuweiser, Vermittler, Informationssucher, Übersetzer oder Entscheider auf (Bischofberger, 2011). Sie stellen so (auch unabhängig vom Pflegebedarf des Patienten) wesentliche Unterstützer in der Behandlung und Bewältigung von zahlreichen Erkrankungen dar (Reifegerste, 2019). Gleichzeitig können sie aber auch Versorgungsprozesse stören oder zumindest von professionellen Gesundheitskräften entsprechend wahrgenommen werden, weil sie bspw. die Genesung des Patienten durch zu viel Unterstützung behindern, ihre Abwesenheit die Entlassung erschwert oder sie die Ärzte mit zu hohen Erwartungen konfrontieren (Wilz & Meichsner, 2012). Mehrheitlich weisen sie allerdings eine hohe Motivation auf, den Patienten bei seiner Bewältigung von Erkrankungen zu unterstützen, so dass sich die Frage stellt, wie sich ihre Motivation gut in Versorgungsprozessen integrieren lässt. Obwohl die Angehörigen somit – sei es mit positiven als auch mit negativen Konsequenzen – allgegenwärtig in der Gesundheitsversorgung sind, werden sie häufig nicht als Anspruchsgruppe der Versorgung betrachtet. Sie sind „Hidden in plain sight“ (Wolff & Roter, 2008). In Pflegeeinrichtungen, in der Pädiatrie, Onkologie oder der Palliativversorgung werden sie meist als zentrale Beteiligte mitgedacht. In vielen anderen Versorgungsbereichen werden sie hingegen mitunter als lästiges Anhängsel des Patienten betrachtet, ignoriert oder sogar aktiv vermieden, auch wenn sich kaum Erkrankungen bzw. Patienten finden lassen, bei denen sie überhaupt keine Rolle spielen (Reifegerste, im Druck).

28.07.2020
Informierte Entscheidung bei der Darmkrebsfrüherkennung

Am 09. April 2013 ist das Krebsfrüherkennungs- und -registergesetz - (KFRG) in Kraft getreten. In diesem Gesetz wurden die zentralen Empfehlungen des Nationalen Krebsplans (Bundesministerium für Gesundheit 2012) aufgegriffen: neben der Einrichtung von flächendeckenden Einführung von Krebsregistern beinhaltet dies u.a. die Überprüfung der Altersgrenzen, eine Förderung der informierten Entscheidung, eine Optimierung der Informationsmaterialien und die begleitende Evaluationen von Früherkennungsmaßnahmen. Für Darm- und Gebärmutterhalskrebs sollen organisierte Früherkennungs-Programme angeboten werden, zu denen die Krankenkassen einladen. Mit der konkreten Ausgestaltung des KFRG wurde der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) beauftragt.

24.07.2017
Patientengewichtete Endpunkte: Conjoint Analyse (CA) versus Analytic Hierarchy Process (AHP)

Die so genannte Multikriterielle Entscheidungsanalyse (MKEA) kann zur Unterstützung komplexer Technologiebewertungen eingesetzt werden. Ihren Ursprung haben multikriterielle entscheidungsanalytische Verfahren in der Entscheidungstheorie bzw. Operations Research und werden dort eingesetzt, um Entscheidungen unter Unsicherheit zu treffen. Sie unterstützen Entscheidungsträger bei der Bewertung einer endlichen Anzahl alternativer Gesundheitsinterventionen unter Verwendung einer endlichen Anzahl von Leistungskriterien. Zu den am meisten verbreiteten multikriteriellen Entscheidungsanalyseinstrumenten gehört neben der Conjoint-Analyse, dem Elimination and Choice translating Reality-Verfahren (ELECTRE) und der Multiattributiven Nutzwerttheorie (MAUT) (Lootsma/Schujit 1997) der Analytic Hierarchy Process (AHP).

24.01.2013
Surrogatparameter und patientenrelevante Endpunkte: Trugschlüsse und Konsequenzen

Die medizinische Versorgung wird in Deutschland zum größten Teil mit Versichertenbeiträgen finanziert. Daraus resultiert die normativ-ethisch begründete Verpflichtung der gesetzlichen Krankenversicherung, ein Optimum an Gesundheitsleistungen mit maximalem Nutzen für die Versicherten zu realisieren. Verschwendung gilt es zu reduzieren, Ressourcen effizient einzusetzen, alle Ergebnisse müssen insbesondere für die Patientinnen und Patienten bedeutsam sein. Das Erreichen dieser Ziele und ein primär wissenschaftlich fundiertes Vorgehen verantworten die Krankenversicherungen zusammen mit den Leistungserbringern und den Patienten (SGB V §§ 2, 12, 35b, 70). Die Frage, was nützlich sei, ist z.B. im SGB V § 35b beschrieben als „Verbesserung des Gesundheitszustandes, Verkürzung der Krankheitsdauer, eine Verlängerung des Lebensdauer, Verringerung der Nebenwirkungen sowie Verbesserung der Lebensqualität“. Diese Maxime findet sich in inhaltlich identischer Form in der Verfahrensordnung des G-BA, in der Arzneimittel-Nutzenbewertungs-Verordnung oder im Methodenpapier zur Nutzenbewertung des IQWiG. Besondere Bedeutung hat die Feststellung, dass sich die Nutzenbewertung an „patientenrelevanten Zielgrößen“ zu orientieren hat. „Als ‚patientenrelevant‘ soll in diesem Zusammenhang verstanden werden, wie ein Patient fühlt, seine Funktionen und Aktivitäten wahrnehmen kann oder ob er überlebt.“ (IQWiG 2011, S. 30f)

24.01.2013